HistorietteS
HistorietteS
Von Tellergeschichten und Tischgesprächen
MAGDALENA GERBER NDS D | A + I, 2006
Die Tellerinstallation einer Landschaft gleich, die auf der Tafel ausgelegt werden, um die Familie und die Gäste zum Erzählen anzuregen.
«Tafelplan mit Zuckerberg». Aus: Conrad Hagger, Neues Saltzburgisches Kochbuch, Augsburg, 1719. Buchillustration Kupferstich. In: Andreas Morel, Der gedeckte Tisch, Zürich 2001, S.164
Rund um den Tisch erzählen wir uns Geschichten. Auf Teller aufgedruckte Familienfotos sollen gemäss einer barocken Tradition die Gäste erfreuen und zum Erzählen von Geschichten anregen. Kurz: Ausgehend von diesen Tellergeschichten wird die Tischgemeinschaft zu Geschichtenerzählern.
Während der Zeit des Barock und der Renaissance wurden in Königs- und Fürstenhäusern aufwändige Tischinstallationen inszeniert - auch Schauessen genannt. Nachbildungen von Landschaften, architektonischen Objekten oder theatralischen Inszenierungen von Tieren, die nicht essbar waren, dienten der Unterhaltung und der Steigerung der Atmosphäre bei wichtigen gesellschaftlichen Anlässen wie Staatsempfängen, Hochzeiten, Taufen oder Begräbnissen. Das gemeinsame Mahl entwickelte sich zum Gesamtkunstwerk.
Das Tafeldekor hat seit jeher die Funktion, die Tafelgesellschaft in eine angeregte Stimmung zu versetzen. Die Fragilität und die Noblesse des Porzellans eignet sich besonders gut zur Materialisierung eines Erinnerungs-Tafelservices, das die sonst flüchtigen Familiengeschichten dauerhaft abbildet.
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