Legein ta phainomena
Legein ta phainomena, das Erscheinende sammeln
Das digitale Bild in der Tradition der Fotografie
Erhard Gonsior NDS D | A + I, 2006
«prüfet alles, das Gute behaltet»
Die Bibel: «Der erste Brief des Paulus an die Thessalonicher», Kapitel 5, 21.
Autor unbekannt: Tourist Guy (2001). Bildquelle: www.touristofdeath.com
Das Zeitalter der digitalen Fotografie mit Mikrochip-gestütztem dynamischem Autofokus und Mehrfeldbelichtungsautomatik – der Kontrast zum Fotohandwerker Ansel Adams und seiner Grossbildkamera könnte nicht grösser sein. Haben all die Kulturpessimisten Recht, die heute vom Ende der Fotografie reden? Hat ein Foto immer noch eine wahre Bildaussage, oder wird diese zur Ware? Führt die digitale Bilderflut allenfalls zu mehr Information? Und ist die Kombination von Text und Bild zwingend, um eine wahrheitsgetreue Information zu garantieren?
Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit ist die derzeitige Diskussion über «das Ende der Fotografie», da digitale Bilder angeblich keine Wahrheit garantieren. Ich möchte aufzeigen, dass sich die Fotografie seit Daguerre, Niepce und Talbot in einem ständigen technischen Wandel befindet und der Wegfall des Datenträgers Film nur ein technischer Fortschritt ist, mehr nicht. «Was verschwinden wird, ist die chemische Methode der Aufzeichnung, die – wie jeder zugeben wird – umständlich genug ist.» (Herbert W. Franke: Bemerkungen zur digitalen Fotografie. In: Fotografie nach der Fotografie, Dresden 1995, S. 114.) Die Frage nach der Wahrheit des Bildes aber sollte auf der Ebene der Autorenschaft und der Redaktion stattfinden.
Weiterhin wird es in der Fotografie drei Hauptrichtungen geben: Die Fotografie in der Kunst: Der Künstler schafft seine Wahrheit. Die Fotografie im privaten Umfeld: Wie viel oder wie wenig Wahrheit hier stattfindet, bestimmt der Hobbyfotograf für sich. Die Fotografie als Dokument: Fotografie und Text sind auf der gleichen Stufe angekommen. Genau wie der Autor des Textes garantiert der Autor des Bildes für die Wahrheit der Information.
«Wir glauben nicht länger an die Objektivität der Fotografie, wohl aber daran, dass Fotografien in spezifischer Weise unsere Wirklichkeit sind.» (Bernd Stiegler: Theoriegeschichte der Photographie. Bild und Text, München 2006, S. 422)

