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MEMOS - Mehrsprachigkeit und Mobilität im Übergang vom Kindergarten in die Primarschule in der Schweiz - Eine vergleichende ethnographische Längsschnittstudie (2011-2013)

Die zunehmende sprachliche und kulturelle Heterogenität von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund stellt für das schweizerische Bildungssystem und die darin agierenden Lehrpersonen eine grosse Herausforderung dar.

Wir betrachten Mehrsprachigkeit einerseits als individuell gelebte Mehrsprachigkeit, „die Fähigkeit eines Individuums, hier und jetzt zwei oder mehr Sprachen als Kommunikationsmittel zu verwenden und ohne weiteres von der einen Sprache in die andere umzuschalten, wenn die Situation es erfordert“ (Oksaar, 2003, S. 31). Andererseits stellen wir die gesellschaftliche Mehrsprachigkeit in der Schweiz und den, dieser widersprechenden, mehrheitlich monolingualen Habitus des Bildungssystems (Gogolin, 1994; Werlen, 2006) in den Mittelpunkt unserer Forschung. Der Begriff Mobilität (lat. mobilitas) bezieht sich einerseits auf die Transferierbarkeit kindlicher Ressourcen, ihrer schrift- und sprachspezifischen Alltagspraktiken und Fähigkeiten, andererseits auf die zentrale Frage der sozialen Mobilität (‚social mobility‘, Heckmann et al., 2008) im Sinne des sozialen und geographischen Raumes.

Das Forschungsprojekt MEMOS lehnt sich an das europäische Forschungsprojekt HeLiE (Heterogenität und Literalität im Übergang vom Elementar- in den Primarbereich im europäischen Vergleich) an. Das HeLiE-Projekt untersucht die Lern- und Förder-möglichkeiten im pädagogischen Alltag des Elementar- und Primarbereichs als auch die Qualität von sprachlicher Bildung im Alltag von frühkindlichen Institutionen der Bildung und Erziehung (vgl. Panagiotopoulou & Graf, 2008; Panagiotopoulou, 2010).
1. Wie wird in unterschiedlichen, separierend versus integrierend ausgerichteten sowie ein- und mehrsprachig organisierten Bildungssystemen mit einwanderungsbedingter Heterogenität umgegangen?
2. Wie ist sprachliche Bildung bzw. schriftsprachspezifische Förderung curricular und strukturell konzipiert und wie wird sie im pädagogischen Alltag (beim Übergang in die Schule) praktiziert? (vgl. Panagiotopoulou & Graf 2008; Panagiotopoulou 2010).

Das Forschungsprojekt der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (MEMOS - Mehrsprachigkeit und Mobilität im Übergang vom Kindergarten in die Primarschule in der Schweiz) untersucht in Anlehnung an das HeLiE-Projekt diese und die folgenden Fragen mit qualitativen Methoden der ethnographischen Feldforschung.

1. Welche Formen von sprachlichen Interaktionen lassen sich im Kindergarten und in der ersten Schulklasse zwischen den Kindern untereinander sowie zwischen Lehrpersonen und Kindern beobachten?
2. Was zeichnet das sprachbezogene Angebot im Kindergarten und in der Primarschule aus und wie können mehrsprachige Kinder dieses Angebot (in Phasen der lehrerzentrierten Förderung sowie in Phasen von freien Spielangeboten) in beiden Bildungsinstitutionen nutzen?
3. Inwieweit unterscheiden sich Mädchen und Jungen in der Nutzung des sprachlichen Angebots im Kindergarten und in der Primarschule?
4. Wie gehen die Bildungsinstitutionen mit der Diglossie in der Schweiz um und wie wird der sprachliche Alltag der Kinder dadurch geprägt?
5. Mit welchen sprachlichen Alltagspraktiken bewältigen Kinder die veränderten curricularen Bedingungen institutionalisierter sprachlicher Bildung beim Übergang vom Kindergarten in die Grundschule?

Im Zentrum der Forschung steht dabei die konsequente Berücksichtigung der Kinderperspektive als Forschungsmaxime, in der die kindlichen Deutungen und Handlungen eine gewichtige Rolle spielen. Im Forschungsprojekt werden über zwei Jahre intensiv teilnehmende Beobachtungen und Dokumentenanalysen in ausgewählten Kindergärten und in den ersten Schulklassen im Kanton Basel-Landschaft durchgeführt. Zudem werden Tonaufnahmen von Interaktionen, Fotos von ausgewählten Arbeiten der Kinder, Interviews mit den Lehrpersonen, mit einzelnen Kindern und Eltern in die Analyse einbezogen. Durch die vergleichende ethnographische Längsschnittstudie wollen wir zu erziehungs-wissenschaftlichen Erkenntnissen kommen, die neue Wege in der Förderung der Landessprache als Zweitsprache und der Entwicklung der Mehrsprachigkeitsdidaktik in der Lehrer/innenbildung aufzeigen. 

Leitung der Professur Sozialisationsprozesse und Interkulturalität

Prof. lic.  phil. Maria Roggenbau-Engelen

Forschungsteam:

Dr. Edina Caprez-Krompàk, Projektleiterin, Professur Sozialisationsprozesse und Interkulturalität (IP, Pädagogische Hochschule, FHNW)
lic. phil. Alma Kassis, Projektleiterin, Professur Sozialisationsprozesse und Interkulturalität (IP, Pädagogische Hochschule, FHNW)

Kooperationspartnerin

(Universität zu Köln)

Finanzierung

Eigenmittel der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz.

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