Aufgabenkulturen auf der Sekundarstufe
Aufgaben sind zentrale Bausteine vieler Unterrichtsstunden. Konkreter als Theorien und Modelle des Lernens beschreiben sie, was Lehrende und Lernende im Unterricht tun sollen, mit welchen Fragestellungen oder Materialien sie sich auseinandersetzen und welche Struktur die Lösungen dazu aufweisen. Lösungen von Aufgaben setzen mit Inhalt und Struktur wichtige Normen und Standards für den Unterricht. Aufgaben beeinflussen wichtige Qualitätskriterien guten Unterrichts wie etwa die kognitive Aktivierung der Schülerinnen und Schüler, die Klassenführung bzw. Strukturierung oder die Schülerorientierung bzw. die Unterstützung der Lernenden.
Mit dem Schwerpunkt der „Aufgabenkulturen“ will das Institut Sekundarstufe ph fhnw den wissenschaftlichen Diskurs zu diesem Thema aktiv mitprägen und durch gezielte Forschungsprojekte praxisorientiertes und handlungsrelevantes Professionswissen zur Verfügung stellen. Im Fokus stehen erstens fachliche Lernaufgaben für die Zielstufe: Diese „materialisieren jene Wissens- und Könnenskomponenten, lösen jene Denk- und Arbeitsprozesse aus und aktivieren jene analytischen und synthetischen Figuren des Problemlösens, Argumentierens, Betrachtens und Deutens, um die es in einem bestimmten Fach im Kern geht und die dessen intellektuelle Kultur ausmachen“.[1] Zweitens sind auch Prüfungsaufgaben wichtig, mit denen der Kompetenzstand der Lernenden in fachlichen Kernbereichen erfaßt werden kann. Dies ist besonders im Kontext von Bildungsstandards relevant, wobei bestimmte Kompetenzanforderungen immer durch konkrete Aufgaben operationalisiert und damit überprüfbar gemacht werden müssen.[2] Drittens spielen auch Übungsaufgaben eine wichtige Rolle in schulischen Lernprozessen, da sie der Sicherung und dem Training von Wissen und Können dienen und dafür sorgen, dass Jugendliche ihre fachlichen Kompetenzen in neuen Situationen wieder anwenden können.
Auf einer anderen Ebene kann man Aufgaben und Aufgabenkulturen auch als Instrumente der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen betrachten. Hier gilt es wiederum zwei Sichtweisen zu unterscheiden. Einerseits kann man die Aufgaben aus hochschuldidaktischer Perspektive betrachten: Welche Typen von Aufgaben werden an Studierende im Rahmen ihrer Ausbildung gestellt, beispielsweise im Rahmen ihrer erziehungswissenschaftlichen, berufspraktischen und berufspraktischen Ausbildung. Andererseits kann man untersuchen wie Lehrpersonen lernen können, das didaktische Potential von Aufgaben im Schulzimmer zu nutzen, d.h. Aufgaben für die Zielstufe zu entwickeln, durchzuführen oder deren Resultate auszuwerten. Aus dieser Perspektive sind Aufgaben also als Mittel der „Didaktisierung“ der Themen und Stoffe des Unterrichts zu sehen, wobei wiederum nach Form der Aufgabe, Umgang damit im Unterricht und Struktur der erwarteten Resultate unterschieden werden kann.
Eine dritte, nicht minder wichtige Untersuchungsebene sind die Aufgaben aus Sicht der Schülerinnen und Schüler. Hier stellt sich die Frage, wie bestimmte Typen von Aufgaben auf die Jugendlichen wirken, welche Konzepte und Motive sie damit verbinden und wie die Arbeit damit die Entwicklung ihrer fachlichen und überfachlichen Kompetenzen beeinflußt. Dabei gilt es auch zu untersuchen, wie Aufgaben für verschiedene Anforderungsniveaus angepaßt werden können (Binnendifferenzierung) und welche Arten von Rückmeldungen die Jugendlichen benötigen, damit ihre Lernprozesse effizient verlaufen.
[1] Oelkers J./Reusser, K. (2008): Qualität entwickeln – Standards sichern – mit Differenz umgehen. Bildungsforschung Band 27. Hrsg. Bundesministerium für Bildung und Forschung, Berlin, S. 408.
[2] Klieme, E./Avenarius, H./Blum, W. et al. (2003): Zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards. Hrsg. Bundesministerium für Bildung und Forschung, Bonn, S. 17.

