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      «Programmieren und dabei Englisch lernen»

      Neue Unterrichtsideen eröffnen spannende Zugänge für Medien und Informatik

      «Was ist für dich wertvoll? Schreibe auf, diskutiere, frage nach!» An diesem Aprilvormittag stellt Primarlehrerin Fabienne Senn ihre Viertklässler im aargauischen Ueken vor diese Aufgabe. Hintergrund ist das Thema «Umgang mit Finanzen». Die Kinder überlegen und notieren ihre Gedanken in ein Heft. Dann nimmt jedes sein iPad zur Hand und führt via Tablet eine Diskussion: Warum ist für dich ein Haustier wertvoller als ein Skateboard? Muss etwas teuer sein, damit es wertvoll ist? Wenn der Chat zu stocken droht, greift die Lehrerin moderierend ein – diese Übung fördert sowohl Medienkompetenz als auch den schriftlichen Ausdruck.

      Lehrerin und Schüler/innen beschäftigen sich mit Tablets

      Primarlehrerin Fabienne Senn hat bei der Unterrichtsplattform mi4u.ch mitgearbeitet. Foto: ANDRÉ ALBRECHT.

      Kreative Formen der Zusammenarbeit

      Neben ihrem schulischen Teilpensum arbeitet Fabienne Senn bei «imedias», der Beratungsstelle Digitale Medien in Schule und Unterricht der Pädagogischen Hochschule FHNW. Hier hat die 32-Jährige bei der Lancierung von «mi4u.ch» mitgearbeitet: einer neuen Internet-Plattform (siehe Fachbeitrag), die Lehrpersonen eine Fülle von Unterrichtsideen für das Arbeiten mit digitalen Medien bietet. Denn: «Das Fach ‚Medien und Informatik’ ist neu im Lehrplan 21 festgehalten und soll vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe unterrichtet werden», erklärt imedias-Leiterin Claudia Fischer.

      Für Fabienne Senn ist klar: «Digitale Medien bewähren sich insbesondere beim kooperativen und individualisierenden Lernen.» Das iPad ermögliche in ihrem Unterricht vielfältige und kreative Formen der Zusammenarbeit – zu zweit, in Gruppen, als Klasse –, und doch könne jedes Kind in seinem eigenen Tempo arbeiten. Fabienne Senn setzt das iPad aber nicht «auf Kosten» anderer Fächer ein, sondern integriert es als Werkzeug in den Unterricht. «Wenn wir in Sachkunde zum Beispiel Vögel durchnehmen», erklärt sie, «kommen die Tablets mit auf Exkursion: Die Kinder machen damit Fotos, erstellen Video- und Audioaufnahmen, führen Interviews mit Experten, schreiben sich das Wichtigste auf.» Ihre Dateien halten sie in einem virtuellen Album fest. So benutzt, generieren digitale Medien «klar einen Mehrwert», sagt Fabienne Senn. Und wenn Informatik und erste Schritte ins Programmieren angesagt sind, üben die Schüler gleichzeitig Englisch.

      Leichter Zugang für «digital immigrants»

      Nicht alle Lehrpersonen sind mit Informatik gleichermassen vertraut wie die «digital natives»-Generation, der Fabienne Senn angehört. Doch die Angst vor dem neuen Unterrichtsfach ist unbegründet: Die Plattform «mi4u.ch» erleichtert den Zugang auch für «digital immigrants» ganz wesentlich. «Das Positive ist unter anderem, dass die Plattform zwar auf einem Kompetenzraster aufbaut, dass sich die Lehrpersonen damit aber nicht im Detail auseinanderzusetzen brauchen: Die Unterrichtsideen stehen im Vordergrund, die theoretische Abstützung ist im Hintergrund vorhanden», sagt Medienpädagogin Claudia Fischer.

      Die Losung heisst demnach: aus dem Vollen schöpfen und loslegen mit den Unterrichtsideen! Zum Beispiel mit «Krabbelroboter BlueBot», den Kindergarten- und Unterstufenkinder so programmieren lernen können, damit er bestimmte Orte auf einem Strassenplan besucht. Oder mit dem «i-factory-Besuch im Verkehrshaus», der Schulklassen ein interaktives Erproben von Grundtechniken der Informatik ermöglicht. Diese und Dutzende weitere, von Lehrpersonen erprobte Ideen stehen auf «mi4u.ch» zur Verfügung, weitere werden dazukommen. Ein einfacher Farbcode führt durch den Kompetenzraster, und jede Unterrichtsidee ist nach Schulstufe geordnet.

      IT-Installation auf der Sekundarstufe

      Wie sieht Informatik-Unterricht auf der Sekundarstufe aus? Besuch in Lenzburg im Schulhaus Lenzhard, in der 4. Realklasse von Fabio Rudolf, einem mi4u.ch-«Aktivisten» der ersten Stunde. Der 37-Jährige war mit Lehrerkollegen und Schulleitung bereits bei der Vorgängerplattform engagiert – nun steuert er Unterrichtsideen für die neue Plattform bei. Es ist kurz vor den Frühlingsferien, und weil am Tag darauf ein Schulhausfest gefeiert wird, hat sich Fabio Rudolf mit seinen Schülerinnen und Schülern ein spezielles Projekt ausgedacht: eine animierte IT-Installation, die einen Korridor auf dem Aussengelände bespielen soll.

      Jetzt sitzen die Jugendlichen gebannt vor ihren Bildschirmen und kolorieren mit «Illustrator» ein vorgegebenes Art-Deco-Bild, zehn verschiedene Versionen sollen sie kreieren. «Das ist der einfache Teil», sagt Fabio Rudolf und erklärt, den nächsten Schritt: Mit «Hype 3» werden die zehn Bilder überlappend zu einer Animation verknüpft, in der die Farben ineinander übergehen. Am Schluss der Stunde hat einer der Jungs dem Lehrer die komplette Animation geschickt, während manche noch etwas kämpfen. «Ich versuche den Jugendlichen zu vermitteln, dass die Werkzeuge allein noch keine Resultate erzeugen, dass Informatik letztlich viel Arbeit ist», sagt Fabio Rudolf. «Gleichzeitig gebe ich immer wieder Anreize zum Ausprobieren und ausdauernden Üben – sei dies für Kunst-, Musik- oder Videoprojekte.» Und da erlebe er regelmässig Sternstunden.- - Irène Dietschi -

      Fachbeitrag

      Monika Schraner Küttel, Dozentin bei «imedias» an der Pädagogischen Hochschule FHNW
      Kompetent unterwegs in der Medien- und Informationsgesellschaft

      Weitere Informationen

      Beratungsstelle Digitale Medien in Schule und Unterricht - imedias
      Monika Schraner Küttel

       



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