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      Schulevaluation – von den Daten zu den Taten

      Die Pädagogische Hochschule FHNW unterstützt Schulen dabei, das eigene Profil zu überprüfen und zu stärken.

      Auf die externe Schulevaluation hält Felix Schenker grosse Stücke. «Eine Schule kann aus dieser Überprüfung grossen Nutzen ziehen», sagt der Schulleiter im solothurnischen Breitenbach. Allfällige Mängel kämen dadurch an den Tag und liessen sich beheben. Und wenn alle Ampeln auf grün stünden, die Schule also auf einem guten Weg sei, entlaste dies Schulleitung und Lehrpersonen. Kurzum: «Das Verfahren hat in jeder Hinsicht etwas Reinigendes.»

      Zeichnung eines belebten Schulhauses, in dem ein Thermometer stecktDer Schule auf den Puls gefühlt: Die externe Schulevaluation untersucht Schulen und zeigt ihnen Entwicklungsmöglichkeiten auf. Bild: JÜRG FURRER

      Nicht immer wird das so wahrgenommen. Die externe Schulevaluation, sorgt in der Öffentlichkeit immer wieder mal für Aufregung und rote Köpfe, insbesondere bei gelben oder roten Ampeln. Diese werden eher selten und nur dann gesetzt, wenn in einem bestimmten Bereich einer Schule etwas Gravierendes im Argen liegt (siehe Fachbeitrag).

      Nüchtern betrachtet ist die externe Evaluation ein notwendiges und überdies gesetzlich verankertes Instrument, mit welchem die Kantone die Qualität ihrer Schulen gewährleisten. In den Kantonen Aargau und Solothurn ist die Pädagogische Hochschule FHNW damit betraut, das Verfahren durchzuführen. «Dabei ist die Kontrollfunktion aber nur ein Teil der externen Evaluation», erklärt Schulevaluator Adrian Bucher von der Pädagogischen Hochschule. «Ebenso wichtig ist der sogenannte Feedback-Teil, in dem wir sozusagen den Rhythmus der einzelnen Schule aufnehmen und ein der Situation angepasstes Profil aufzeigen.»

      Sorgfältiges Qualitätsmanagement

      Die Schule Breitenbach wurde 2008 und 2012 einer externen Evaluation unterzogen, eine dritte ist für 2018 bereits anberaumt. «Wir hatten bislang immer grüne Ampeln», erzählt Felix Schenker nicht ohne Stolz. Ein solches Ergebnis kommt allerdings nicht von ungefähr: Der Schulleiter pflegt an seiner Schule ein sorgfältiges Qualitätsmanagement, um schulische Entwicklungen zu begleiten und Veränderungen proaktiv zu gestalten. So sehen es die kantonalen Behörden in ihren Neuregelungen der schulischen Qualitätssicherung auch vor. Ein wesentlicher Teil davon ist die interne Schulevaluation, eine Verwandte der externen Evaluation.

      Eine solche interne Evaluation hat die Schule Breitenbach vor kurzem abgeschlossen. Dabei fokussierten Schulleiter Schenker und sein Team auf das Thema altersdurchmischtes Lernen und Heterogenität im Unterricht. Der Hintergrund: «Wir haben vor sechs Jahren flächendeckend altersgemischte Klassen eingeführt», erklärt Schenker, «zudem pflegen wir seither auch den integrativen Unterricht mit Heilpädagogik.» Diese Neuerungen hätten an der Schule eine veränderte Unterrichtskultur bewirkt; die Unterschiede zwischen den Kindern, die im selben Klassenzimmer sitzen, sind zum Teil sehr gross. Die interne Evaluation sollte zeigen, wie gut die Schule diese Herausforderungen meistert, und an welchen Stellen möglicherweise der Schuh drückt.

      Für die Durchführung liess sich die Schule von Fachleuten der Pädagogischen Hochschule begleiten. «Die PH unterstützte uns auf der ganzen Linie – Planung, Fragebögen und Fragetechniken bis zur Auswertung der Daten», erzählt Felix Schenker. Die Resultate machten deutlich, dass die Heterogenität an der Schule tatsächlich Probleme bereitet. Das altersgemischte Lernen schien sich zu bewähren, doch beim integrativen Unterricht zeichnete sich Handlungsbedarf ab: «Wir fanden heraus, dass wir uns räumlich anders organisieren, die spezielle Förderung besser bündeln und zum Teil die Lehrmittel ändern müssen», so Felix Schenker. Zehn Handlungsfelder identifizierte die Schule insgesamt, die nach Abschluss der internen Evaluation nun umgesetzt werden.

      Den richtigen Fokus suchen

      Diese Umsetzung ist ein ganz wesentlicher Teil und hier engagiert sich auch die Pädagogische Hochschule stark. «Unsere Hauptbotschaft lautet: von den Daten zu den Taten», sagt Schulevaluator Adrian Bucher. Denn: «Die interne Evaluation soll keine Pflichtübung sein, die sich auf das Erstellen von Fragebögen reduziert, sondern etwas bewirken und die Schule vorwärtsbringen.» Als Berater freue er sich immer wieder, wenn es gelinge, den «richtigen Fokus» einer Schule zu eruieren und dort dann Energie reinzubringen. «Dann greifen die Beteiligten unsere Anregungen auf, und vieles entwickelt sich ohne unser Zutun.»

      Eine solche Eigendynamik lässt sich beispielhaft am Vorgehen der Primarschule Berikon AG schildern, deren Schulleiter Ewald Keller ein überzeugter Vertreter der Selbstevaluation ist. «Eine Schule muss sich regelmässig selbst überprüfen, um ihre Qualitätsentwicklung voranzutreiben», sagt dieser. Der 59-Jährige hatte früher während vieler Jahre an der Oberstufe unterrichtet und war parallel dazu als Inspektor im Aargau tätig, bevor er 2004 in Berikon Schulleiter wurde. Kaum hatte er seine neue Funktion übernommen, schuf Keller mit seinem Kollegium ein schulisches Qualitätsleitbild.

      Die Betroffenen-Perspektive interessiert

      Die 35 Leitsätze, 2008 erstmals intern evaluiert, stehen 2015 erneut im Fokus einer internen Evaluation. Keller und sein Team arbeiteten in minuziöser «Knochenarbeit» einen Fragebogen aus, zugeschnitten auf vier Zielgruppen: Kindergartenkinder, Erst- bis Sechstklässler, Eltern und Lehrpersonen. Ziel des Prozesses: Man will aus jeder Betroffenen-Perspektive Antworten zur gleichen Frage erhalten. Am Schluss hat das Team rund 650 Fragebogen ausgewertet. Für die Präsentation liessen sich Kellers Leute etwas Besonderes einfallen: An einem Samstagmorgen organisierten sie eine Ausstellung im Kulturzentrum des Dorfs, öffentlich mit Kaffee und Kuchen. Die Resultate wurden grafisch dargestellt auf Plakaten, auf denen die Besucher überdies Lösungsideen notieren konnten. «Aus dem Input aller Beteiligten haben wir dann unsere Massnahmen abgeleitet», erzählt Keller.

      Der ehemalige Inspektor findet es wichtig und wertvoll, dass die Pädagogische Hochschule die Schulen mit Know-how ausstattet, solche Prozesse durchzuführen. Denn: «Eine Schule muss sich heute dauernd selbst erneuern», sagt Keller, «und dies tut sie am besten in Eigenregie.»

      - Irène Dietschi -

      Fachbeitrag

      Peter Steiner, Leiter der Schulevaluationen an der Pädagogischen Hochschule
      Schulevaluation – zentrales Element des schulischen Qualitätsmanagements

      Weitere Informationen

      http://www.fhnw.ch/ph/bsq/dienstleistungen

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