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      «Stets mit Neuem und Spannendem konfrontiert»

      Anspruchsvoll und abwechslungsreich – junge Lehrpersonen erzählen von ihrem Berufseinstieg.

      Das Berufsbild der Lehrerin oder des Lehrers hat sich in den letzten 15 Jahren gewandelt, als wäre aus einem Gemälde von Albert Anker ein Pop-Art-Kunstwerk à la Andy Warhol entstanden. «Die Zeiten der Einzelmasken, in denen Lehrkräfte für sich arbeiteten, sind definitiv vorbei», sagt Andreas von Felten, Schulleiter der solothurnischen Kreisschule HOEK (Halten, Oekingen, Kriegsstetten). Heute sei Unterrichten über weite Strecken vergleichbar mit einem Teamsport: dynamisch, teamorientiert, interaktiv.

      Lehrerin und Schüler/innen schauen Dinosaurierfiguren an.Vanessa Wiestner unterrichtet auf der Primarstufe und begleitet Studierende durch ihre Praktika. FOTO: ANDRÉ ALBRECHT.

      Durchs Studium gut vorbereitet

      Auf einen solchen Praxisalltag bereitet die Pädagogische Hochschule FHNW angehende Lehrpersonen vor. So erlebt es zum Beispiel Vanessa Wiestner, die an der Primarschule Oekingen eine gemischte 3./4. Klasse unterrichtet. «Lehrerin ist ein sehr lebendiger Beruf, in dem ich immer wieder mit Neuem und Spannendem konfrontiert bin», sagt die 27-Jährige.

      Ihren Berufseinstieg vor sechs Jahren hat die junge Frau noch sehr präsent. «Durch die berufspraktischen Studien an der Pädagogischen Hochschule war ich gut vorbereitet und wusste, was mich erwartete.» Ein Sprung ins kalte Wasser sei der Einstieg trotzdem gewesen. Denn auf einmal war sie für eine ganze Klasse verantwortlich, musste Unterricht und Stoff langfristig planen, hatte Informationsabende zu bestreiten und Elterngespräche zu führen.

      Vanessa Wiestner hielt sich in ihrem ersten Berufsjahr vor allem an erfahrene Lehrkräfte ihrer Schule. Sie holte sich Tipps zu Unterrichtsmaterialien und Planung, liess sich in schwierigen Situationen von Kollegen beraten und steckte sehr viel Zeit in die Vorbereitung. «Das erste Jahr war stressig, aber ich fühlte mich gut unterstützt», erzählt sie. Auch der Schulleiter trug seinen Teil dazu bei: Andreas von Felten pflegt mit Neuangestellten die Tradition des «100-Tage-Gesprächs», und auch sonst hat er für die Anliegen seiner Lehrpersonen stets ein offenes Ohr.

      Engagiert in Nachwuchsförderung

      Nach drei Jahren Unterrichtserfahrung war Vanessa Wiestner motiviert, ihr Wissen mit anderen zu teilen: Sie liess sich an der PH FHNW zur Praxislehrperson weiterbilden. Seither unterrichtet sie in ihrem Schulzimmer in Oekingen hin und wieder zusammen mit Studierenden. «Ein tolle Sache», erzählt sie, «bei der auch ich profitiere.» Denn die Studierenden brächten nebst ihrem Wissensdurst auch neue Ideen und spannende Inputs mit. Für Schulleiter Andreas von Felten ist es ein «Muss», dass sich Schulen für diese Form der Nachwuchsförderung einsetzen. An der Kreisschule HOEK stellt sich ein grosser Teil des Kollegiums als Praxislehrpersonen zur Verfügung.

      Die Pädagogische Hochschule legt ihrerseits grossen Wert auf den Berufseinstieg: Das Weiterbildungsprogramm «First Steps» bietet jungen Lehrerinnen und Lehrern ein breitgefächertes Angebot, um sie während den ersten zwei Berufsjahren optimal zu unterstützen (siehe Fachbeitrag). «Konkrete Fragestellungen aus der Praxis können in den Veranstaltungen vertieft und im Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen bearbeitet werden», erläutert Regula Blöchlinger, Ressortleiterin Berufseinstieg an der Hochschule. Ausserdem: « Mit der Unterstützung von Fachleuten erweitern die jungen Lehrpersonen ihr Handlungsrepertoire, festigen ihre professionellen Kompetenzen und entwickeln eine eigene Berufsidentität. So gewinnen sie Sicherheit und Vertrauen in das eigene Handeln.» Dabei geht es um Themen wie Disziplin und Klassenführung, Zusammenarbeit mit den Eltern, Gesprächsführung, Beurteilung und Zeugnisse. Auch Unterrichtsbesuche samt Auswertungsgesprächen bietet die Pädagogische Hochschule an. «Die Reflexion der eigenen Klassensituation mit einer Aussensicht eröffnet neue Handlungsspielräume. », sagt Regula Blöchlinger.

      Hilfreiche «First Steps»

      Von «First Steps» profitiert hat Stefan Lüscher, Sekundarlehrer an der Kreisschule Gäu im Kanton Solothurn. «Ich fand das Berufseinstiegsangebot sehr hilfreich», erzählt der 37-Jährige. So sei zum Beispiel einmal die Organisation von Ski- und anderen Klassenlagern von A bis Z besprochen worden, mit Hinweisen auf sämtliche Dokumente, die Lehrpersonen für ein solches Vorhaben beschaffen müssen. Auch Fallbesprechungen habe er geschätzt. «In der Weiterbildung nimmt man sich für solche heiklen Gespräche genügend Zeit, und man trifft auf ein kompetentes Gegenüber.»

      Stefan Lüscher, der in seiner Freizeit Triathlon und andere Laufwettkämpfe bestreitet, ist als Quereinsteiger zum Lehrberuf gekommen. Er machte ursprünglich eine Lehre als Elektroniker und studierte anschliessend Systemtechnik an der FHNW. «Als Lehrlingsausbildner in meinem damaligen Betrieb bin ich erstmals mit Unterrichten in Berührung gekommen, und ich merkte, dass mir das liegt», erzählt er. 2009 hängte er seinen Job an den Nagel, kurz darauf wurde er per Zufall angefragt, an einer Sekundarschule eine Stellvertretung zu übernehmen. Dabei habe es ihm den Ärmel reingenommen. Stefan Lüscher absolvierte berufsbegleitend das Sek-I-Studium mit Schwerpunkt Mathematik, dabei konnte er sich Module von seinem ersten Hochschulstudium anrechnen lassen; es fehlten ihm vor allem noch Fachdidaktik und Erziehungswissenschaften.

      Nach bald sieben Jahren an der Sek I wechselt Stefan Lüscher auf das nächste Schuljahr an die Sekundarstufe II: Er wird an der gewerblich-industriellen Berufsschule Bern unterrichten. Dieser Wechsel eröffnet ihm weitere Entwicklungsmöglichkeiten, etwa als Mitglied einer Fachschaft, in spannenden Projekten oder in einer Leitungsfunktion. «So schliesst sich der Kreis zu meinem ersten Beruf», sagt Stefan Lüscher lachend.

      Fachbeitrag

      Prof. Dr. Sabina Larcher, Direktorin der Pädagogischen Hochschule FHNW

      Lehrerinnen und Lehrer lernen im Beruf

       

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