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Buchvorschläge für die Oberstufe Frühling 2003

Unter Verdacht

Carol Joyce Oates
Hanser

Math ist ein lieber Kumpel, gross schlaksig, ein Sprücheklopfer und deswegen überaus beliebt, nicht nur auf der High School. Es passiert mitten in der Deutschstunde, Math wird von zwei Polizisten aus dem Unterricht geholt, verhaftet, verhört, als möglicher Bombenleger beschuldigt. Seine Freunde schweigen, ziehen sich zurück, wollen nichts mehr mit Math zu tun haben. Es ist Ursula Riggs, die ihn da rausholt, ausgerechnet! "Ugly Girl" nennt sie sich selbst, Ugly Girl, die keine Angst hat, die sich einen Deut um das Geschwätz anderer kümmert, Ugly Girl, die genau das tut, was sie will, immer. Auch äusserlich spielt Ursula Riggs nicht mit, ihre Kleidung passt, Ugly Girl hat ihren ugly Stil.
Die Autorin wechselt immer wieder die Erzählperspektive, einmal beschreibt sie als Zuschauende, dann wieder ist es Ugly Girl, die durch die Geschichte führt. Vor allem diese inneren Dialoge machen dieses Buch einmalig. Detailliert, aber nie geschwätzig schildert Carol Oates die Entwicklung der beiden Jugendlichen, die sich am Schluss des Buches in inniger Freundschaft begegnen. Beeindruckend gelingt zudem die Schilderung der Atmosphäre auf einer High School, die Beschreibung des Miefs einer amerikanischen Kleinstadt. Für Jugendliche.

Der mechanische Prinz

Andreas Steinhöfel
Carlsen

Max hat von sich selbst das Gefühl, das "egalste" Kind der Welt zu sein. Seine Eltern sind kaum da, und wenn sie daheim sind gibt es Streit. Max ist viel unterwegs, das U-Bahnnetz von Berlin wird für ihn immer mehr zum Fluchtpunkt. Es ist ein einarmiger Bettler, der Max das goldene Ticket zusteckt. Dieses Ticket erlaubt es Max, die Refugien zu betreten. Geheime, magische Plätze und Welten sind das, für jeden anders. In den Refugien wird Max mit seinen Ängsten, mit seiner Traurigkeit, seiner Wut und Sprachlosigkeit konfrontiert. Gelingt Max die Reise durch die Refugien, kann er sein Herz retten und wird dadurch auch sein Leben ändern können.
Andreas Steinhöfel hat ein überaus phantastisches Buch geschrieben, dies im doppelten Sinne des Wortes. Im Unterschied zu anderen Büchern dieser Gattung sind seine Refugien voller Symbole, Bilder und Gleichnisse. Andreas Steinhöfel unterbricht die Handlung immer wieder, er beschreibt sich selbst als einer, der Max zuhört, der dessen Geschichte für ihn aufschreibt. Dies gibt Raum zum Nachdenken und macht die phantastischen Erlebnisse des Jungen sehr glaubhaft. So schreibt der Erzähler am Schluss des Buches:
"Ich sah ihm nach, wie er über den Damm davonging, ein kleiner Junge, der seine Angst besiegt hatte. Der mutigste Junge, dem ich je begegnet bin."

He, Kleiner!

Inge Meyer-Dietrich
Ravensburger

In der Schule hat Max nicht sehr viele Freunde. Max ist kleiner als alle anderen, und er hat nie gelernt sich zu wehren. Weghören, nicht ernst nehmen, runterschlucken, sich ducken. So wird Max in der Schule immer mehr zur Zielscheibe, er wird schikaniert und gequält. Auch daheim ist Max still. Auch daheim hört er weg, wenn sein Vater ihm von innerer Grösse erzählt oder vom Mut einfach zurückzuschlagen. Die Mutter von Max tut zurzeit sowieso nichts anderes, als sich um ihren Sohn Sorgen zu machen. Aber dann traut Max sich, Kim anzusprechen. Kim ist es egal, wie gross Max ist, Kim scheint Max zu mögen, trifft sich mit ihm, geht mit ins Kino. Für Max ist das eine unglaublich gute Erfahrung.
Beim Thema Gewalt in der Schule ist die Handlung voraussehbar, da werden zu viele Klischees erzählt. Da wirken dir Figuren eher flach und oberflächlich.
Differenziert und facettenreich beschreibt die Autorin aber eine deutsche Kleinfamilie. Sie erzählt vom Wegschauen, von der Isolation, von der Unfähigkeit miteinander zu kommunizieren. Auch die Schilderung der inneren Dialoge von Max gehen unter die Haut. Für Leserinnen und Leser ab 12 Jahren.

Eva & Adam

Mans Gahrton & Johan Unenge
Carlsen

Schule, Scherereien und erste Liebe
Eva und Adam sind etwa zwölf Jahre alt. Eigentlich sind sie Freunde, nur Freunde. Das glaubt ihnen allerdings keiner. Und es stimmt schon, wenn Eva ihren Freund sieht, flattert es in ihrem Magen, und bei Adam ist das ziemlich ähnlich.
Soweit die Handlung. Dieses Buch überzeugt trotzdem, und dies in zweierlei Hinsicht. Die beiden Freunde wechseln sich beim Erzählen ab. Das macht das Lesen sehr abwechslungsreich. Die einzelnen Szenen sind wie Blitzlichter: Kurze Episoden werden in einer knappen, leicht lesbaren Sprache erzählt. Der Text ist sehr nahe an der Alltagssprache und wirkt doch nicht anbiedernd. Auch der Satz des Textes ist grosszügig: Cartoons, weisse Seiten, recht gross gedruckte Buchstaben lockern auf und helfen beim Verständnis. Diese Bücher sind zuerst als Comic erschienen, einzelne Filme sind im KIKA (Kinderkanal arte) zu sehen. Lesende kennen die Protagonisten schon. Die Bücher eignen sich aus den erwähnten Gründen sehr gut für Kinder und Jugendliche, die mit dem Erschliessen von literarischen Texten keine Übung haben.
Weitere Titel dieser Reihe:
Eva &Adam - Ja oder nein oder doch
Eva & Adam- Beste Freundin, beste Feindin

Blacky, Lovely und der ganze Bullshit

Philip Gwynne
Sauerländer

Port, ein Kaff in Australien, am Ende der Welt: arme Fischer, ein paar Farmer, ein heruntergekommenes Lokal, ein Laden, ein Campingplatz ohne Touristen, Jugendliche ohne Zukunft. Hier ist Blacky zu Hause. Blacky, sechzehn Jahre alt, ein guter Footballspieler, ein guter Schüler und so verliebt, dass er an nichts anderes als an Clarence denken kann. Leider hat sich aber Blacky in die Falsche verliebt. Clarence ist ein Aborigines - Mädchen, wohnt im Nachbardorf unter ihresgleichen. Port und das Nungadorf sind zwei völlig getrennte Welten. Blacky macht sich mit seiner Liebe in beiden Dörfern Feinde. Er wird zusammengeschlagen, ausgestossen, aber aufgeben und Clarence lassen, das wird er niemals.
Philipp Gwynne ist ein fantastischer Erzähler. Temporeich und doch überaus stimmungsvoll führt er seine Leserschaft durch das 350 Seiten dicke Buch. Eindrücklich gelingt ihm vor allem die Schilderung des Lebens in diesem Dorf am Ende der Welt, wo keiner hinkommt, wo sich alle kennen, wo Jugendliche wie Blacky nur eine Chance haben: wegziehen, so schnell und so weit wie möglich. Eine ganz wunderschöne Liebesgeschichte ist dieses Buch dazu. Für Jugendliche.
Der Vorgängerband dieses Buches (Wir Goonayas, ihr Nungas) erschien 2001 und war auf der Auswahlliste des deutschen Jugendliteraturpreises.

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