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Buchvorschläge Oberstufe Sommer 2003

Daddy ganz cool

Domenica Luciani
Arena

Ozzy, dreizehn Jahre alt, ist ein Loser, ein Schlaffi eben, und coole Klamotten bekommt er auch keine. Er ist der Sohn einer allein erziehenden Mutter, da ist das Geld stets sehr knapp. In seiner Freizeit spielt er Kontrabass, er interessiert sich für klassische Musik. Klar, dass er Aussenseiter ist und kaum Freunde hat.
Aber dann taucht Ozzys Vater auf, direkt aus Kalifornien. Er ist der absolut schrille Leadsänger einer berühmten Hard-Rock-Band und gerade auf Tournee in Italien. Ozzys Vater will seinem Sohn auf die Sprünge helfen, er nimmt ihn mit auf seine Tournee und – es ist kaum zu glauben – am Schluss des Buches steht Ozzy selbst auf der Bühne.
Endlich, endlich gibt es wieder einmal ein Buch mit einem Cinderella-Motiv für Jungen. Die Handlung an sich ist recht einfach, vielleicht kitschig (in dem Sinn, dass einem so etwas im richtigen Leben ganz sicher nie passiert), aber unterhaltend ist diese Geschichte auf jeden Fall. Lesen und Träumen vom Glück, das man vielleicht haben könnte, das tut einfach gut – auch den männlichen Lesern.
Für Jugendliche ab 12 Jahren.

In Afrika war er nie

Marjaleena Lembcke
Nagel&Kimche

Es war ein Sonntag im Mai, als sich Julian in Milja verliebte und die Harley Davidson entdeckte. Seither ist sein Leben aus den Fugen geraten. Julian sucht seinen Vater seit über vier Jahren. Der verschwand damals einfach, fuhr weg auf seiner Harley Davidson. Er war ein Hulivili, ein Windbeutel, man konnte sich nicht auf ihn verlassen, meint Mutter. Er war ein Tangosänger mit wunderschöner Stimme, ein Abenteurer, der jetzt in Afrika grosse Konzerte gibt, davon ist Julian überzeugt. Und jetzt hofft Julian einmal mehr, sein Vater sei zurückgekommen, einmal mehr umsonst. Dafür ist Milja da, Milja mit ihren wunderschönen blauen Augen, mit ihrem hellen Haar. Und als Julian vor lauter Liebe zu Milja die Suche nach seinem Vater schon fast vergessen hat, hält eines Tages ein fremdes Motorrad vor dem Haus.
Marjaleena Lembckes Sprache zu beschreiben ist nicht einfach: rau, karg und doch einfühlsam, voll warmer Poesie. Vielleicht am ehesten so, wie die finnische Landschaft, in der die Geschichte spielt? Ein literarischer Leckerbissen für Jugendliche.

Die Braut meines Bruders

Nava Semel (aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler)
Beltz

Die Geschichte spielt vor etwa siebzig Jahren in Palästina. Usik, der elfjährige Nichtsnutz, der Schelm und Rumtreiber, der sich weigert, lesen zu lernen, versteht die Welt nicht richtig. Da reist also sein geliebter älterer Bruder Imri nach Polen, heiratet dort eine Frau, bringt sie her, lässt sich gleich wieder von ihr scheiden, um erneut in Polen ein Mädchen zu heiraten. Und das alles gleich viermal. Und was ist mit der Liebe? Erst allmählich begreift Usik, dass die jüdischen Siedler damit die britischen Einwanderungsbehörden unterlaufen, dass sie Menschen vor dem Holocaust, dem sicheren Tod retten. Anna, Imris erste Braut, wird bald vom ganzen Dorf geliebt, vor allem vom kleinen Usik. Anna hilft ihm, Anna nimmt Usik ernst und Anna gelingt es schliesslich sogar, dem kleinen Schulversager das Lesen beizubringen.
Einmal mehr hat uns Mirjam Pressler mit ihrer Übersetzung ein Buch zugänglich gemacht, welches zum Feinsten gehört! Nava Semel ist eine Meisterin im Erzählen, stellenweise lässt sie beim Lesen Verbindungen zur arabischen Erzählkunst erahnen.
Ein wunderschöner, warmherzig geschriebener, eindrücklicher und mit feinem Schmunzelhumor gespickter, literarischer Hochgenuss für Jugendliche und Erwachsene.

Rattenfänger

Karlijin Stoffels
Beltz

Lori lebt mit ihrer psychisch angeschlagenen Mutter zusammen. Häufig allein ist sie, isoliert durch Mutters Krankheit, von Haushalt und Schule völlig überfordert. Da zieht Marc in die Wohnung unter Lori ein. Marc ist Psychologiestudent im ersten Semester, Marc interessiert sich für Menschen, Marc ist ein unglaublich guter Zuhörer, er behandelt Lori wie eine Erwachsene. Lori und Marc kommen sich näher. Lori fühlt ein Kribbeln, wenn Marc sie berührt und bald schon ist Lori von seiner Liebe und Zuwendung abhängig. Ist das wirklich Liebe? Oft schämt sich Lori, will nicht mehr, möchte einfach ein normales junges Mädchen sein und ihre Zeit mit Gleichaltrigen verbringen. Erst mit Hilfe ihrer neuen Freundin Marie-Louise kann sich Lori von Marc lösen, kann sie sich befreien aus diesem Durcheinander von Gefühlen wie Lust, Schuld und Scham.
Eindringlich und sehr glaubhaft beschreibt die Autorin Loris Ambivalenz. Sexuelle Übergriffe sind manchmal auch von Lust begleitet, gerade dies macht den Umgang damit so schwierig. Wo liegt die Grenze, was macht Angst, wo beginnen Scham und Ekel? Ein äusserst wichtiges Buch über ein Thema, das selten so einfühlsam und direkt beschrieben wurde. Für Jugendliche.

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