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Die frühe sprachliche Förderung von mehrsprachigen Kindern ab 3 Jahren - MeKi

erstellt von silvana.kappeler zuletzt verändert: 12.11.2012 08:24

Leistungsvergleichsstudien wie PISA (OECD, 2001 ff.) oder IGLU (Bos et al., 2007) machen darauf aufmerksam, dass die Beherrschung der Unterrichtssprache für eine erfolgreiche Bildungslaufbahn von entscheidender
Bedeutung ist. Vor allem Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, welche die Unterrichtssprache nicht oder ungenügend beherrschen, laufen Gefahr, schon zu Beginn ihrer Bildungslaufbahn in Rückstand zu
geraten (Bundesamt für Statistik, 2007). Als besonders wirkungsvolle Massnahme gilt in der aktuellen bildungspolitischen Diskussion die frühe sprachliche Förderung (Fthenakis et al., 2007, Lisker 2010, List 2010):
Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund sollen ihre schulische Bildungslaufbahn unter ähnlichen Voraussetzungen beginnen wie deutschsprachige Kinder.
Bezüglich der Effekte von Sprachförderprogrammen zeigt die Forschung kein einheitliches Bild (Moser et al. 2008, Diez Grieser & Simoni 2008, Schöler et al. 2010). Übereinstimmend wird jedoch die Qualität der
Sprachförderung als eine der zentralen und untersuchungswürdigen Variablen angesehen: Die Wirkung der Sprachförderung hänge davon ab, wie kompetent die Förderperson den Alltag in der Kindertagesstätte und die
Sprachförderung zu gestalten vermag. In diesem Zusammenhang werden in der Literatur für Förderpersonen die Prozess- und Orientierungsqualität bzw. das Sprachverhalten hervorgehoben (Fried & Briedigkeit, 2008,
Rossbach, 2005). Während zur Qualität für den Kindergarten- und Schulbereich bereits systematische Studien vorliegen (z. B. Helmke, 2003, Tietze, 1998), ist dies für den frühkindlichen Bereich nicht der Fall. Insbesondere
die Qualität in spezifischen Inhaltsbereichen wie der Sprachförderung wurde bisher nur selten in Studien einbezogen (Gasteiger-Klicpera et al., 2010). Es ist wenig darüber bekannt, wie die Sprachförderung in den
Kindertagesstätten umgesetzt bzw. gestaltet wird. Aus der Eltern-Kind-Interaktionsforschung gibt es dagegen Belege für die Wirksamkeit eines sprachförderlichen Interaktionsverhaltens im Alltag (Ritterfeld 2000, Rüter
2004, Buschmann et al. 2010). Das gibt Anlass, genauer zu untersuchen, wie die Sprachförderung im Umgang mit jungen Kindern aus Migrationsfamilien in der familienexternen Betreuung umgesetzt und gestaltet wird.
Die Studie „Die frühe sprachliche Förderung von mehrsprachigen Kindern ab 3 Jahren – MeKi“ (04/2012 - 09/2014) setzt hier ein mit dem Ziel, die Sprachförderpraktiken von Förderpersonen auszuleuchten.
MeKi kann das Feld nutzen, das eine bestehende Fördermassnahme mit wissenschaftlicher Begleitung eröffnet hat. Es handelt sich um das Projekt „Mit ausreichenden Deutschkenntnissen in den Kindergarten“ des Erziehungsdepartements Basel-Stadt, welches Kindern mit keinen oder ungenügenden Deutschkenntnissen den Besuch einer Spielgruppe/Kindertagesstätte mit alltagsintegrierter Sprachförderung ermöglicht. MeKi läuft parallel zur wissenschaftlichen Begleitung (Pädagogische Hochschule FHNW und Universität Basel) dieses Projekts und kann deren Entwicklungsdaten sowie eigene Vorarbeiten zur Beobachtung der Förderpraxis nutzen.
Konkret geht das Projekt folgenden Hauptfragen nach:

1. Welche subjektiven Theorien von Sprachförderung mehrsprachiger Kinder haben Förderpersonen?
2. Welche Merkmale der Prozessqualität sind in den Kindertagesstätten/Spielgruppen beobachtbar?
3. Welche Merkmale der Prozessqualiät des sprachlich-kommunikativen Verhaltens der Förderpersonen sind in den Kindertagesstätten/Spielgruppen beobachtbar?

Damit parallelisiert das Projekt direkt aufeinander bezogene Aspekte der Orientierungsqualität und der Prozessqualität (Tietze 1998) im Hinblick auf die spezielle pädagogische Aufgabe Sprachförderung.

MeKi ist qualitativ ausgerichtet: Die Sprachförderung von insgesamt 16 Kindern mit Deutsch als Zweitsprache aus vier Jahrgängen, die ein Jahr vor dem Kindergarteneintritt eine Spielgruppe oder eine Kindertagesstätte mit alltagsintegrierter Sprachförderung besuchen (n = 16), wird während eines Jahres untersucht.

Zur Erhebung der Förderkonzepte der Förderpersonen werden problemzentrierte Interviews durchgeführt und Logbücher eingesetzt, in denen die Förderpersonen ihre Förderaktivitäten notieren. Das Sprachverhalten sowie das Wechselspiel zwischen Förderperson und Kind werden mittels Videoaufnahmen eines Förderhalbtags erfasst. Die kommunikativen Fähigkeiten der Kinder werden von den Förderpersonen anhand des "Pragmatischen Profils" (Dohmen, 2009) eingeschätzt. Die gewonnenen Daten können deskriptiv in Beziehung gesetzt werden zu den Ergebnissen, welche in der parallel laufenden und breiter angelegten Wirksamkeitsstudie der Universität Basel gewonnen werden, konkret zum allgemeinen Entwicklungsstand und der Sprachentwicklung der Kinder
Unsere Studie beleuchtet insbesondere jene Bereiche, über die - trotz der vermehrten Aufmerksamkeit für die sprachliche Förderung - noch kaum Informationen zur Verfügung stehen: die frühe sprachliche Förderung
mit alltagsintegrierter Förderpraxis, das sprachlich-kommunikative Verhalten Kindern gegenüber, die keine oder geringe Deutschkenntnisse haben sowie die Orientierung der fördernden Personen. Damit leistet die Studie einen Beitrag zur Professionalisierung in diesem Bereich.

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