Zur Neuausgabe der Werke Paul Hallers
Die Herausgeber sind der Überzeugung, dass ein Werk vom Rang Paul Hallers jederzeit greifbar sein muss. Seine Mundartgedichte zählen zu den schönsten der Schweizer Literatur, Marie und Robert gehört zu den besten Theaterstücken, die in der Schweiz geschrieben worden sind, und Hallers Meisterwerk, das er sein «Jurachind» genannt hat, ist das in 1700 Blankversen geschriebene Juramareili. Dieses Werk im Bewusstsein zu halten, es zu pflegen und einer neuen Leserschaft bekannt zu machen, ist neben der literarischen, auch eine kulturpolitische Aufgabe.
Die vorliegende Neuausgabe bietet gegenüber den vergriffenen Gesammelten Werken unveröffentlichte Texte aus dem Nachlass, erstmals publizierte Fotos sowie Zeichnungen des Dichters Paul Haller. Zudem ist eine Lesung des Juramareili von Hans-Rudolf Twerenbold in einer Aufnahme des Jahres 1996 als CD beigefügt. Ebenfalls neu ist die Einteilung des Textes. Der Band wird mit einem Vorwort von Hansjörg Schneider Der heimliche Poet Paul Haller eingeleitet und ist in zwei Teile gegliedert: 1) Die Werke in Mundart mit s Juramareili, Marie und Robert und Gedichte und 2) Die Werke in hochdeutscher Sprache mit Die Spinne, Unter der Treppe, Gedichte. Der Band schliesst mit einem detaillierten Inhaltsverzeichnis, einem Verzeichnis der Gedichtanfänge, einer kurzen Bibliographie zum Werk sowie den Quellen- und Bildnachweisen.

Erstmals wird die Gesamtheit aller Mundartgedichte in dieser Neuausgabe abgedruckt. Hingegen ist bei den hochdeutschen Gedichten eine Auswahl getroffen worden, in der Absicht, durch wenige, jedoch besondere Texte, Paul Haller auch als deutschen Dichter entdeckbar zu machen. Zudem sind einige bisher unveröffentlichte frühe Gedichte aus dem Nachlass aufgenommen worden. Sowohl die Mundartgedichte als auch die hochdeutschen Gedichte sind – so weit bestimmbar – chronologisch geordnet. Unter den Prosatexten wird erstmals aus dem Nachlass Die Spinne veröffentlicht. Diese Novelle hat Paul Haller in den ersten Studienjahren von 1902 bis 1904 in Basel geschrieben. Der Text ist – was früh den begabten Theaterautor verrät –dramaturgisch geschickt gebaut, spannend bis zum Schluss und zeigt alle Motive des späteren Dichters Paul Haller. Er hat aber auch Schwächen, die nicht nur literarischer Art sind. Einige Formulierungen, die das Frauenbild betreffen, sind – obschon im Kontext der Zeit anfangs des 20. Jahrhunderts zu lesen – heute anstössig, wie das eingearbeitete Pygmalion-Motiv zwar ein altes, nichts desto weniger diffamierendes Motiv ist. Dennoch haben wir uns entschlossen, den Text integral abzudrucken. Die Novelle gibt wichtige Hinweise auf die literarische Entwicklung Paul Hallers, ist aber auch mit Blick auf die Biographie aufschlussreich. Gegenüber den Gesammelten Werken verzichtet die Ausgabe auf die Auszüge aus Paul Hallers Dissertation über Pestalozzis Dichtung sowie auf die zahlreichen Briefe.
Zu Lebzeiten des Dichters Paul Haller (* 13. Juli 1882 in Rein bei Brugg; † 10. März 1920 in Zürich) sind zwischen 1901 und 1918 dreizehn Gedichte in den Brugger Neujahrsblättern (im Inhaltsverzeichnis vermerkt) erschienen, in denen Paul Haller 1916 auch die Erzählung Unter der Treppe veröffentlicht hat. 1912 ist bei Sauerländer Aarau sein Epos s Juramareili sowie 1916 bei Francke Bern das Theaterstück Marie und Robert verlegt worden. 1922 hat Erwin Haller bei Sauerländer die Gedichte herausgegeben; er ist es auch gewesen, der sich um das Werk seines Bruders zeit seines Lebens verdient gemacht hat und von dem 1931 unter dem Titel Paul Haller − Ein Lebensbild eine erste Biographie erschienen ist. 1956 erfolgte eine erste Ausgabe der Gesammelten Werke von Paul Haller, die 1964 wieder aufgelegt worden ist. 1980 sind seine Werke als Taschenbuch in dritter Auflage und schliesslich 1995 in vierter Auflage – alle bei Sauerländer Aarau – erschienen. Sie sind heute vergriffen.
Die Herausgeber erwägen die Möglichkeit, weitere Bände zum Werk Paul Hallers nachfolgen zu lassen. Gedacht wird an einen Materialienband, der ältere und jüngere Arbeiten zum Werk Paul Hallers enthält, an eine vollständige Herausgabe der Briefe oder die bis heute noch ungesichteten Predigten, die im Nachlass, feinsäuberlich geordnet und in grosser Zahl, vorhanden sind.
Laufenburg und Aarau, im September 2007
Christian Haller und Fridolin Stähli
Herausgeberschaft
Christian Haller; Fridolin Stähli; Paul Bieger; Sabina Binggeli; Hans-Ulrich Glarner; Dominik Sauerländer
Mitarbeit im Staatsarchiv in Aarau
Isabelle Böhmler (Juni bis Dezember 2007); Monique Meier (April bis Juni 2008)
Dauer des Projekts
2007 bis 2010
Publikation
Paul Haller: So dunkelschwarzi Auge. Neuausgabe der Werke. Baden-Verlag 2007.

