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Mitarbeitende

Die Mitarbeitenden werden in den Unternehmen je länger desto weniger als Betriebsmittel, als Mittel zum Leistungsvollzug verstanden, sondern immer mehr als eine zentrale Anspruchsgruppe, welche die wirtschaftliche und gesellschaftliche Legitimation und damit die Existenz eines Betriebes mitbestimmt. Im Zuge dieser Emanzipation des Personals kommt den Mitarbeitenden eines Unternehmens eine für konstitutive, das heisst seine Existenz begründende, im Gegensatz zur nur konsekutiven, das heisst als Folge der Existenz des Unternehmens entstehende Bedeutung zu. Vor allem die privatwirtschaftliche Unternehmung ist eine wirtschaftliche Veranstaltung, an der sich verschiedenste Anspruchsgruppen mit ihren Ressourcen so lange beteiligen, als ihrem minimalen Anspruchsniveau entsprochen wird, oder solange sie keine Möglichkeit sehen, ihre Ansprüche in einer anderen Unternehmung besser zu erfüllen. Neben den Eigen- oder Fremdkapitalgebern, den Kunden, dem Staat und der Öffentlichkeit werden die Mitarbeitenden zunehmend

  • als zentrale Anspruchsgruppe
  • wie auch als partnerschaftlicher Ressourcenlieferant

Im Unternehmen gesehen. Aus den "Arbeit-Nehmern" werden damit eher "Arbeit-Geber", die genau wie die "Kapitalgeber" Ressourcen in die wirtschaftliche Veranstaltung "Unternehmung" einbringen. Gleichzeitig sind die Kapitalgeber nicht mehr die alleinige konstitutive Gruppe und die befriedigende Verzinsung des Kapitals ist nicht mehr der alleinige Gradmesser der Legitimation des Unternehmens. Dies entspricht der Betrachtungsweise einer Unternehmung, deren Zweck nicht primär die Erzielung von Gewinn ist, sondern die Schaffung und Verteilung von Werten auf eine Art, die den Fortgang der Unternehmung sicherstellt. Die Mitarbeitenden haben dabei Einfluss auf die Entstehung der Wertschöpfung, wie auch auf die Verteilung der geschaffenen Werte.

In der heutigen Betrachtungsweise des Unternehmens ist dementsprechend der Status der Mitarbeitenden ein anderer. Wenn er früher vom Personalwesen beschafft, verwaltet und einsatzbereit gemacht wurde, nimmt er je länger je mehr eine Subjektposition ein und wird zum mündigen Anspruchsträger. In unserem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen System ist er nicht mehr ohne weiteres austauschbar wie ein materielles Betriebsmittel, sondern hat Verhandlungs(gegen)gewicht und ist dadurch besser in der Lage, sowohl seine monetären als auch nicht monetären Anliegen durchzusetzen. Oder mit anderen Worten: In jedem Unternehmen werden Ansprüche ausgehandelt, es wird Personalpolitik betrieben.

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