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27.04.2022 | Hochschule für Gestaltung und Kunst

INITULA - Ambassador & Bird

Oliver Klauser, Student im Masterstudio Scenography, installierte «INITULA – Ambassador & Bird» im neuen Zuhause des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH) in Allschwil. Seine überdimensionale weisse Skulptur erinnert an die Geschichte der Senufo-Vögel und die ersten Forschungsstationen des Swiss TPH in Westafrika.

Das Swiss TPH besitzt eine grössere Anzahl Objekte, die vorwiegend aus dem afrikanischen und asiatischen Raum stammen und deren Herkunft, Erwerb und Überführung nach Basel ungeklärt sind, ebenso wie deren künstlerisch/ ethnografischer «Wert» nicht aufgearbeitet ist.

Die Beschäftigung mit «Kunstobjekten» aus ungeklärtem ethnologischem Hintergrund bildete den inhaltlichen Ausgangs- und Drehpunkt des Semesterprojekts «Swiss THP Fragments» im Masterstudio Scenography an der HGK, in dessen Rahmen die Skulptur INITULA* von Oliver Klauser entstand.

Fragen der Restitution – des «Zurückgebens» von Kult- und Kultururobjekten boten mitunter die Chance einer Auseinandersetzung mit der eigenen kulturellen Heterogenität in der direkten Umgebung und in der Gesellschaft der heutigen Schweiz.

Das von Oliver Klauser für die Semesterarbeit gewählte Objekt ist im Katalog des Instituts (Kunstgegenstände_Art07.2019) als Inventar Nummer: #006187 geführt. Oberbegriff: Kunstgegenstände / Art. Bezeichnung: Holzfigur Pelikan, grau mit Dekor, 70 x 140 cm. Anzahl: 1. Zusatztyp: Statue. Unit: DIR, Standort: Treppe Föhre.

Die Inventar Nummer #006187, welche in der Sammlung des Swiss TPH fälschlicherweise als Pelikan bezeichnet ist, konnte nach kurzer Nachforschung als eine der Senufo-Ethnie zugehörigen Skulptur identifiziert werden. Die sogenannten «Senufo-Vögel» sind beliebte Sammlerobjekte. Hochwertige Originale erzielen bei Versteigerungen stolze Preise.

Oliver Klauser baute auf der Vorlage des Senufo-Vogels #006187 eine überdimensionale weisse Skulptur nach, eine Erinnerung an die Geschichte der Senufo-Vögel, an die Geschichte des Swiss TPH und seinen ersten Forschungsstationen in Westafrika: Eine Erinnerung an das «alte Afrika», «Touristenkunst», «Raubkunst» und an eine Zeit in der kolonialisiert wurde, in der es «Pioniere» gab, an Europäer und Nordamerikaner und ihr Handeln in Afrika. Ohne seine Bemalung und ohne seinen Schmuck, ohne sein Federkleid, ist INITULA aber zuallererst ein Objekt.

INTULA steht darüber hinaus für die metaphysische Qualität des Institutes, das sich in stetem Wandel befindet und sich entsprechend den Herausforderungen seiner Aufgaben anpasst und weiterentwickelt. Die unterschiedlichen Sparten des Institutes, die Forschungscluster und -gebiete und die Abteilungen des Swiss TPH können sich an INTULA wenden und sich in diesem als Teil eines grossen Ganzen wiedererkennen.

Ohne seinen Schmuck ist INITULA ein neutrales Objekt, das nicht wertet. Sobald es über seinen Projektor seine Muster und sein Federkleid erhält, wird der Vogel wieder flügge und erzählt aus der ganzen Welt, von den verschiedenen Menschen, von Kindern und Alten, es zeigt uns Farben und Formen, Krankheiten und Genesung, Sternbilder und Atome – schlicht alles, was die Mitarbeitenden des Swiss TPH dem Objekt mit auf den Weg geben wollen. Dadurch, dass INTULA all diese Stimmen aufnimmt und reflektiert, kommt es wieder ganz nahe dahin, wo der Ursprung der Senufo-Vogel vermutet wird, zu den Überlieferungen über die ersten lebenden Wesen – zum Anbeginn der Zeit und der Verknüpfung zum hier und heute. Nur, dass der Vogel über die Zeit wachsen wird und sich immer weiter verändern wird.

INITULA von Oliver Klauser wird am 06.05.2022 in der Eingangshalle des neuen «Zuhauses» des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH), dem «Belo Horizonte», an der Kreuzstrasse 2 in Allschwil, zum Leben erweckt.

Mentor:innen Martina Ehleiter, Prof. Andreas Wenger,
Masterstudio Scenography HGK FHNW
Prof, Dr. med. Christoph Hatz, Swiss TPH

*INITULA ist ein Kunstwort bestehend aus zwei Teilen.
1. Dem Satz: „I ni tile“ – Wörtlich: «Du und die Sonne» – welcher in der Bambara-Sprache zur Mittagszeit zur Begrüssung gesprochen wird.
2. Dem Vornamen: Tula – welchem mitunter nordische, hinduistische und arabischen Wurzeln zugesprochen werden und weltweit als Vorname für weiblich und männliche Geschlechter. sowie als Nachname Verwendung findet. Ausserdem enthält er die Bedeutung «der im Zeichen der Waage geborenen».

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