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Im Fokus: Prof. Dr. Frédéric Vogel

Der Biomasse-Spezialist Frédéric Vogel pendelt zwischen dem Paul Scherrer Institut PSI und der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW. Welche Synergien er dabei nutzt erklärt der Jazz-Enthusiast im Interview.

web_DSC4252.jpgFrédéric Vogel im Chemielabor der Hochschule für Technik FHNW (Foto: Sandro Nydegger).

Herr Vogel, Sie haben sich an der ETH Zürich zum Chemieingenieur ausbilden lassen. Was hat Sie an diesem Thema fasziniert?

Ich habe dies immer als Ausbildung gesehen, die technisch-chemische Probleme mit einer universellen Herangehensweise löst. Dies versuche ich auch in meinem Unterricht an der FHNW weiterzugeben. Persönlich haben mich Verfahren zur Abwasserreinigung oder der Rückgewinnung von Wertstoffen aus Abfällen mehr interessiert als die Herstellung reiner chemischer Substanzen. Das Zusammenspiel von chemischen Abläufen und technischen Anlagen reizt mich daran besonders.

Bevor Sie an die FHNW kamen, haben Sie am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge geforscht. Was waren dort ihre Forschungsschwerpunkte?

Mein Hauptprojekt befasste sich mit den chemischen Grundlagen eines Verfahrens, um unter hohem Druck und Temperatur giftige Abwässer vollständig und effizient zu reinigen. In einem zweiten Projekt ging es um die Herstellung von energiereichen Stoffen aus Lignin mittels eines Plasmaverfahrens. Ein besonderer Punkt an diesem Aufenthalt am MIT war, dass ich viele unterschiedliche Leute kennengelernt habe, viele Amerikaner natürlich, aber auch viele Europäer.

Heute sind Sie stellvertretender Institutsleiter am Institut für Biomasse und Ressourceneffizienz FHNW und Leiter einer Forschungsgruppe am PSI. Wie muss man sich diese Doppelfunktion vorstellen?

Am PSI führe ich ein Team von ca. zwölf Mitarbeitenden, bestehend aus Doktoranden, Wissenschaftlern und Technikern. Dieses Team forscht an längerfristig ausgerichteten Themen, für die es heute meist noch keinen Industriepartner gibt. An der FHNW liegt mein Schwerpunkt bei der Lehre und den Studierendenprojekten mit Industriepartnern. Auch hier betreue ich ein kleines Team von drei Mitarbeitenden, das an Forschungsprojekten arbeitet, die meine Forschung am PSI ergänzen. Natürlich muss ich mich an beiden Orten auch mit den administrativen Arbeiten herumschlagen. Bildlich gesprochen kommt mir meine Doppelfunktion daher manchmal vor als Jongleur, der mit Eiern unterschiedlicher Grösse und Masse jongliert.

Wo liegen die Synergien zwischen PSI und der Hochschule für Technik FHNW?

Durch die Forschungsinfrastruktur, die ich mit meinem PSI-Team aufgebaut habe, können wir eine Vielzahl chemischer Experimente und Analysen durchführen, die auch den FHNW-Projekten zugutekommt. Ich achte darauf, komplementäre Dinge anzuschaffen, um die Möglichkeiten an beiden Standorten zu vergrössern. Meine FHNW-Mitarbeitenden werden umgekehrt auch oft am PSI in Projekten eingesetzt, was den Austausch und das Zusammenwachsen beider Teams fördert. Dieser Vorgang ist aber noch nicht abgeschlossen, da beide Institutionen doch recht unterschiedliche Anforderungen und Vorstellungen haben.

Woran forschen Sie gegenwärtig?

Mein Hauptthema ist die hydrothermale Vergasung von nassen Abfällen wie Klärschlamm zu einem erdgasähnlichen Gasgemisch. Wir bilden sozusagen die geochemische Erdgasentstehung stark beschleunigt in einer Anlage unter kontrollierten Bedingungen nach und gewinnen so einen erneuerbaren Energieträger. In einem anderen Projekt hat ein Doktorand neuartige Treibstoffe für den Benzinmotor gesucht – und auch gefunden! Das sind sehr spannende Ergebnisse, die möglicherweise ein grosses Aufsehen verursachen werden. Das macht für mich Forschung so spannend: etwas herauszufinden, das dann einerseits fast naheliegend erscheint aber dennoch von niemandem beachtet wurde.

Sie sind stellvertretender Leiter des Swiss Competence Center for Energy Research BIOSWEET. Wo liegt das Potential der Biomasse im Kontext der Energiewende in der Schweiz?

Es ist einerseits klar, dass – zumindest land-basierte - Biomasse nur einen kleinen Beitrag zu einem nachhaltigen Energiesystem leisten kann. Biomasse ist eine wertvolle und begrenzte Ressource. Biomasse hat einen wichtigen Vorteil: sie stellt einen lagerbaren und transportierbaren Energieträger dar. Wird sie mit den richtigen Technologien verarbeitet, kann Biomasse sehr interessante und saubere Lösungen für Energieengpässe darstellen. Als Vision streben wir im SCCER BIOSWEET bis 2050 eine Bereitstellung von 100 Petajoule Bioenergie in der Schweiz an – ein ehrgeiziges Ziel.

Was machen Sie, wenn Sie nicht an der FHNW oder am PSI sind?

Meine grosse Leidenschaft ist die Musik. Ich spiele in mehreren Blasorchestern in der Region Saxophon und habe kürzlich meine eigene Band, das Bluebird Jazz Ensemble, gegründet. Ich bin sehr dankbar, dass mir meine Familie diesen Freiraum gewährt.


Prof. Dr. Frédéric Vogel

Seit 2014: Stellvertretender Leiter des SCCER BIOSWEET

Seit 2013: Stellvertretender Institutsleiter Institut für Biomasse und Ressourceneffizienz FHNW

Seit 2012: Professor für erneuerbare Energien am Institut für Biomasse und Ressourceneffizienz FHNW

2010-2013: Fachdozent Bioenergie am Bildungszentrum für Technologie und Management sfb in Dietikon

2006-2014: Dozent für Verfahrenstechnik an der ETH Zürich

Seit 2003: Gruppenleiter Katalytische Verfahrenstechnik

2000-2002: Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Labor für Energie und Stoffkreisläufe des PSI

1997-1999: Postdoc am MIT in Cambridge (USA) bei Prof. J. W. Tester

1993-1997: Dissertation "Nassoxidation von Phenol mit Sauerstoff bei milden Bedingungen" am Institut für Verfahrens- und Kältetechnik der ETH bei Prof. Dr. Ph. Rudolf von Rohr

1988-1992: Studium Chemieingenieurwissenschaften an der ETH Zürich

Kontakt

Prof.
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