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Alternde Belegschaft und Einfacharbeit

Unsere Gesellschaft altert und mit ihr auch die Mitarbeitenden der Unternehmen. Dies hat Auswirkungen – vor allem im Bereich der Einfacharbeit. Dennoch wird auf diesem Feld, laut FNHW-Professor Thomas Geisen, noch viel zu wenig geforscht. Mit der FHNW-Studie «Alternde Belegschaften und Einfacharbeit ABEA» wurde ein erster Schritt getan, um dies zu ändern.

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Einfacharbeit wird von der Gesellschaft meist als anspruchslos abgetan. Obwohl man für die Ausführung solcher Tätigkeiten keine formalen Qualifikationen braucht, bedingen sie in vielen Bereichen ein hohes Mass an Verantwortung und Zuverlässigkeit, zum Beispiel in der industriellen Produktion im Reinraum oder im Schichtbetrieb.

Hinzu kommt der hohe Zeitdruck, der für viele Tätigkeiten in Einfacharbeit charakteristisch ist. Eine gute physische und psychische Konstitution sind daher Voraussetzung für Einfacharbeit. Doch welche Herausforderungen bringt die Einfacharbeit für ältere Mitarbeitende und wie gehen Unternehmen damit um?

Diese Fragen interessierten Professor Thomas Geisen vom Institut Integration und Partizipation der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW. Mit der Studie «Alternde Belegschaften und Einfacharbeit ABEA» hat er jetzt die bisherige Forschungslücke in diesem Bereich zu einem Teil geschlossen.

Befragung von Experten

Dafür haben Geisen und sein interdisziplinär zusammengesetztes Team von Forschenden der FHNW zehn Expertinnen und Experten aus dem Sozialversicherungsbereich sowie aus Gewerkschaften und Verbänden befragt. Ausserdem haben die Forschenden Personalverantwortliche sowie die Unternehmensleitung in 25 Firmen interviewt, in denen es Einfacharbeit gibt.

Um die Perspektive der direkt betroffenen Personen einzuholen, wurden in einem weiteren Schritt auch Vorgesetzte und Mitarbeitende direkt in den Firmen befragt. Hier lag der Fokus auf den Bedürfnissen der älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und wie sie mit Herausforderungen der Einfacharbeit umgehen. Die Studie war die erste in der Schweiz, die sich überhaupt mit diesem Thema auseinandergesetzt hat.

Körperliche Belastung und Monotonie beeinträchtigen Arbeitende

Ihre Ergebnisse zeigen, dass sowohl die körperliche Belastung, wie auch die Monotonie und Routine der Einfacharbeit die Gesundheit der Arbeitenden in vielen Tätigkeiten merklich beeinträchtigen. Insbesondere Arbeitnehmende ab dem 55. Lebensjahr können ihre Tätigkeit oft nicht mehr ausüben. Dies hat für alle Beteiligten negative Folgen: Der oder dem Mitarbeitenden droht Erwerbslosigkeit und das Unternehmen verliert frühzeitig eine gute Fachkraft.

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Der Sozialarbeiter Geisen sieht deshalb Handlungsbedarf. Er will nun mit den Unternehmen ins Gespräch kommen und das generierte Wissen aufarbeiten. «Aus unserer Sicht gilt es, neue Wege zu erproben, denn bestehende Konzepte in der Personalentwicklung oder in der Weiterbildung können nicht immer gut auf die Einfacharbeit angewendet werden», so der Forscher. Einseitigen Belastungen und Monotonie könne beispielsweise durch Arbeitsplatzrotationen entgegengewirkt werden. Geisen zufolge werde dies in Unternehmen bereits vielfach umgesetzt, allerdings gebe es dabei insbesondere bei älteren Beschäftigten oftmals Herausforderungen. Hier bedürfe es neuer Impulse für eine bessere Umsetzung, die gemeinsam von Forschenden und Unternehmen entwickelt werden können. Firmen sollen Mitarbeitende in Einfacharbeit bei der Laufbahnplanung sowie in den Bereichen Gesundheit und Weiterbildung mehr unterstützen, fordert Geisen. Dies könne sich positiv auf die Motivation der Einfacharbeitenden auswirken.

Die Ergebnisse der Studie sowie Empfehlungen, die Geisen und sein Team entwickelt haben, stehen den befragten Firmen nun zur Verfügung. Somit können sie eigene und an ihr Unternehmen angepasste Lösungsansätze ausarbeiten.

Ansprechperson

Prof.
Prof. Dr. Thomas Geisen Dozent, Institut Integration und Partizipation, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW
Telefon : +41 62 957 20 57 (Direkt)
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