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Geschlechtsspezifische MINT-Interessen im Vorschul- und Primarschulalter

MINT-Interessen schon frühzeitig stärken

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Im Vorschulalter interessieren sich Mädchen und Jungen gleichermassen für naturwissenschaftlich-technische Phänomene. Doch mit zunehmendem Alter verlieren insbesondere Mädchen ihre anfängliche Neugier und entscheiden sich dann viel seltener für eine spätere Ausbildung in den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Deshalb sollten MINT-Förderprogramme nicht erst auf der Sekundarstufe einsetzen, sondern am besten schon im Kindergarten und in den ersten Primarschulklassen. Das ist das Fazit einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, an der 800 Kinder teilgenommen haben.

Für ihre Studie haben Dr. Katja Pässler und ihr Team von der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW Kindergarten- und Primarschulkinder befragt. Über drei Jahre hinweg wollten die Psychologinnen von den Kindern wissen, wofür sie sich interessieren. Da die Jüngsten noch nicht lesen konnten, haben die FHNW-Forscherinnen eigens einen Test im Bilderbuchformat entwickelt. Diesen haben die Kinder jeweils individuell mit einem Mitglied des Forschungsteams bearbeitet.

Neugier der Kinder nutzen

«Kinder im Vorschulalter und in der frühen Primarschule lassen sich für sehr viele verschiedene Aktivitäten begeistern», betont die Psychologin, «natürlich auch für MINT-Themen.» In der Primarschule sind vor allem Mädchen besonders neugierig, wenn es um naturwissenschaftliche Themen geht – stärker sogar als Jungen. Beim Übertritt in die weiterführende Schule flaut diese Begeisterung zunehmend ab, und zwar bei beiden Geschlechtern. Dann entwickeln sich auch die Interessen der Schülerinnen und Schüler auseinander.

Mädchen begeistern sich dann eher für Tätigkeiten, bei denen der Mensch im Mittelpunkt steht und für künstlerisch-sprachliche Aktivitäten. Trotzdem kann man auch sie für MINT-Fächer motivieren, davon ist Pässler überzeugt: wenn sie erkennen, welchen Nutzen Technik für die Umwelt hat oder wie Technik Menschen helfen kann. Demgegenüber interessieren sich Jungen schon am Ende der Primarschulzeit viel stärker für praktisch-technische Tätigkeiten. Diese Unterschiede in den beruflichen Interessen haben sich im Jugendalter dann weitgehend gefestigt.

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Selbstvertrauen fördern

Wer Interessen und Kompetenzen im MINT-Bereich stärken will, müsse frühzeitig mit der Förderung beginnen, um die kindliche Begeisterungsfähigkeit für naturwissenschaftlich-technische Themen möglichst lange aufrechtzuerhalten, findet die Psychologin. «Wir müssen bei den Kindern nicht nur Interesse und Neugier wecken, sondern auch ihr Selbstwertgefühl im Bereich der MINT-Fächer stärken», betont Pässler. «Wenn Mädchen immer wieder hören, dass sie in MINT-Fächern weniger gut seien als Jungen, entwickeln sie darin auch kein Selbstvertrauen.» Auch die Motivation spielt eine wichtige Rolle: Je mehr sich Kinder für ein Thema interessieren, desto mehr Zeit verbringen sie damit. Dadurch erleben sie sich selbst als kompetent, was wiederum ihr Selbstvertrauen steigert. Auch Eltern sollten in die MINT-Förderung eingebunden werden. Wenn sie mit ihren Kindern in ein technisches Museum gehen oder gemeinsam ein Wasserrad basteln und dann in einem Bach testen, ob es sich auch dreht, weckt das ihr naturwissenschaftlich-technisches Interesse.

Für die Unterrichtgestaltung empfiehlt Pässler, dass Lehrpersonen naturwissenschaftlich-technische Themen so behandeln, dass die Schülerinnen und Schüler eine Verbindung zu ihrem Alltag herstellen können. Sobald Kinder von etwas direkt betroffen sind, wächst ihre Begeisterungsfähigkeit. Um kindliche Interessen und deren Entwicklung bis ins Jugendalter weiter zu untersuchen, planen die Forschenden eine Weiterführung des Projekts.

Ansprechperson

Dr.
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