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Symposium «Darf man das?» – Historische Musikpraxis zwischen Quellen und ästhetischer Gegenwart, 29. November - 1. Dezember 2018

Das internationale Symposium zielt auf eine der Kernfragen der Arbeit der Schola Cantorum Basiliensis und berührt verschiedenste Ebenen der aufführungspraktischen wie der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Musik – bis hin zur Frage nach der Instanz, die hinter der ironisch gemeinten Titelfrage «Darf man das?» steht und die damit auch die Rechtfertigungsgrundlage einer Ausbildungsstätte einbezieht.

Die Themen wurden so ausgewählt, dass sie auch bei der Behandlung von Detail- oder Spezialfragen zugleich immer eine Anknüpfung an eine Metaebene zulassen. Dabei ist es klar nicht die Absicht, thetische Antworten zu geben, sondern diskursiv die Fragen in ihren Implikationen zu beleuchten. Eine grosse Rolle werden demnach einerseits Präsentationen und Gespräche mit externen Gästen, mit Dozierenden und Studierenden spielen sowie andererseits auch beispielhafte Aufführungen, die sich sozusagen zur Diskussion stellen.

Das Symposium ist in vier verschiedene Einheiten gegliedert:

  • Im Reich der Sinne (Emotionen und Emotionalisierung)
  • In Szene setzen (Inszenierung)
  • In Frage stellen (Hinterfragen von Konventionen)
  • Instanzen (Konzertleben, Ausbildung, Medien)

Die Initialidee für das Symposiumsthema stellte vor einigen Jahren die kontrovers geführte Diskussion dar, inwieweit auch Musik des Mittelalters und der Frühen Neuzeit in heutigen Aufführungen «emotionalisert» werden sollte, also inwieweit die in dieser Hinsicht «leeren» oder «blinden» musikalischen Aufzeichnungen mit «Gefühl» angereichert oder aufgefüllt werden dürfen oder gar müssen. Dieses Thema soll in verschiedenen Querschnitten mit Beiträgen zur Musik des Mittelalters oder und der Analyse von frühen Gesangsaufnahmen diskutiert werden, aber auch durch einen Blick von «aussen» aus der Perspektive eines Historikers, der «Emotionen» historisch einordnen hilft.

Eine andere grundsätzliche Frage betrifft die Inszenierung von Aufführungen Alter Musik, die sich stets im Spannungsfeld von historischer Rekonstruktion und modernen Erwartungen bewegt. Hier werden unterschiedliche Zugänge und Erfahrungen zur Diskussion gestellt, vom Umgang mit mittelalterlicher liturgischer Musik über den Einbezug von Gestik bis zu einem «historisch informierten Hören», der die Inszenierung der Musik in die Hörerperspektive verschiebt.

Wichtiger Motor für die Entwicklung der historischen Musikpraxis war nicht nur die Rekonstruktion von historischen Konventionen, sondern auch die Infragestellung von sogenannten klassisch-romantischen Konventionen. Inzwischen haben sich aber auch in der Alten Musik nicht weiter hinterfragte Konventionen etabliert (etwa in Bezug auf Spielweisen, Aufführungsmodi, Instrumentarium), die es wiederum zu hinterfragen gilt.

Die Frage nach den Instanzen soll vor allem in moderierten Gesprächsrunden thematisiert werden, in denen Vertreter von Festivals und Ausbildungsinstituten zu Wort kommen. Wichtiges Element ist in der sich anschliessenden offenen Diskussionsrunde auch eine sogenannte «fishbowl»: Gemeint ist damit ein dynamisches Gesprächsformat, bei dem vier in der Raummitte stehende Stühle von jeweils nur drei Diskutanten besetzt werden. Will sich jemand aus dem Publikum beteiligen, setzt er sich auf den freien Stuhl, wobei einer der drei Diskutanten seinen Platz verlassen muss.

Neben einer Vielzahl von kürzeren musikalischen Interventionen, die von Studierenden gestaltet werden und das Symposiumsthema sozusagen hörbar umsetzen, sind drei Konzerte eingeplant: Das belgische Ensemble «Graindelavoix» wird in einem gemeinsam mit der FAMB veranstalteten Konzert ihren speziellen Zugang zur Vokalmusik des späten 16. Jh. vorstellen. Das aus Absolventen der Schola Cantorum Basiliensis hervorgegangene Ensemble «Domus Artis» wird gemeinsam mit Johannes Keller (Arciorgano) erst vor kurzer Zeit entdeckte Madrigale von Michelangelo Rossi in einer besonderen Konzertform aufführen, die eine musikalische Akademie des 17. Jahrhunderts nachempfindet, in der Aufführende und Zuhörende eine Gemeinschaft sozusagen auf Augenhöhe (Ohrenhöhe?) bilden. Ein weiteres Ensemble aus Schola-Absolventen, «sollazzo ensemble», ist zu hören, das sich auf die Musik des Spätmittelalters mit einem frischen Zugang widmet. Von jedem Ensemble wird es auch im eigentlichen Symposium Beiträge gehen, von Referaten bis zu einer offenen Probe, die Einblick in die Gestaltung der Konzerte geben.

Der Eintritt zum Symposium ist frei. Um Anmeldung wird gebeten.
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