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Fragen & Antworten rund um Thierrys Master-Studium & Forschungsarbeit im Bereich Chemical Engineering

Du absolvierst dein Masterstudium in Chemical Engineering und arbeitest zeitgleich an einem Forschungsprojekt der Hochschule für Life Sciences. Kannst du bitte kurz auf dieses Studienmodell eingehen?
Während den ersten zwei Jahren meines Teilzeit-Masterstudiums besuche ich Module und bin gleichzeitig mit einem Pensum von 50 Prozent als Mitarbeiter in der Forschungsgruppe von Prof. Andreas Zogg an der Hochschule für Life Sciences FHNW (HLS) angestellt. Als Hauptteil der Arbeit am Institut für Chemie und Bioanalytik darf ich derzeit ein einjähriges, industriebezogenes Forschungsprojekt bearbeiten, welches vom Forschungsfonds Aargau gesponsort wird. Dieses und ähnliche Projekte werden als Masterprojekt bezeichnet. Sie sind unabhängig vom offiziellen Studium und ersetzen somit auch nicht die Masterarbeit. Es besteht die Möglichkeit während den ersten zwei Studienjahren beispielsweise zwei solcher einjährigen Masterprojekte zu bearbeiten und sich dann im dritten Jahr der Masterarbeit zu widmen (Vollzeit: 8 Monate oder Teilzeit: 12 Monate). Die Arbeit an diesem Masterprojekt ist für mich ein enorm wichtiger Teil meiner Ausbildung und hilft mir, mich auf die spätere Arbeit im industriellen Umfeld vorzubereiten. Zudem bin ich dank diesem Studienmodell bereits während des Masterstudiums finanziell unabhängig.

Du entwickelst im Rahmen deines derzeitigen Masterprojekts unter anderem einen neuartigen Kleinreaktor-Typ in Zusammenarbeit mit der Firma Siegfried AG. Kannst du bitte in ein paar wenigen Sätzen erklären, worum es dabei geht?
Genauer gesagt entwickeln wir eine Strategie, mit welcher es möglich sein soll, chemische Reaktionen effizient und sicher vom Labor- in den Produktionsmassstab zu transferieren (Scale-up). Dafür bilden wir zum einen ein Computermodell vom Produktionsreaktor, um das Verhalten der chemischen Reaktionen in diesem vorherzusagen. Zum anderen entwickeln wir, mit der Hilfe des Vereins Miniplant 4.0 einen neuartigen Kleinreaktor-Typ, welcher sich möglichst ähnlich wie der Produktionsreaktor verhalten soll (sozusagen eine Miniaturausgabe des Produktionsreaktors = Scale-Down-Reaktor).

Was möchtest du im Rahmen dieses Masterprojekts erreichen?
Wir wollen den Nutzen der entwickelten Scale-up-Strategie gemeinsam mit der Siegfried AG an einem realen Beispiel aufzeigen und die Resultate dann in einer zweiten wissenschaftlichen Publikation festhalten.

Welchen Nutzen hat das?
Aufgrund der oft schwer vorhersehbaren Phänomene beim Scale-up vom Labor- in den Produktionsmassstab, wird die Grösse des Reaktors heute oft schrittweise erhöht. Die Reaktionen werden somit zuerst in mittelgrossen Reaktoren (Pilotanlagen) durchgeführt, bevor dann schlussendlich im Produktionsreaktor produziert werden kann. Mit der entwickelten Scale-up-Strategie soll ein Scale-up ohne diese Zwischenschritte möglich sein. Zusätzlich kann auch Wissen über die chemischen Reaktionen erlangt werden, um den Prozess dann mittels Computermodell zu optimieren. Dies soll ermöglichen, dass Ressourcen gespart werden können und die chemischen Zielmoleküle dann auch insgesamt nachhaltiger produziert werden können.

Was ist neuartig an diesem Kleinreaktor-Typ?
Der Scale-Down-Reaktor wird mit einem sogenannten Heiz-/Kühlfinger ausgestattet sein. Dies ist ein 3D-gedruckter Wärmetauscher aus Metall. Mit diesem soll es möglich sein, das träge Aufheiz-/ und Abkühlverhalten des Produktionsreaktors abzubilden. Zudem haben wir beim Entwickeln des Reaktors darauf geachtet, dass dieser geometrisch möglichst ähnlich zu seinem grösseren Pendant sein wird.

Wie hilft dir das im Studium Erlernte bei der Arbeit an diesem Masterprojekt?
Die breite Ausbildung, welche ich während meines Chemie-Bachelorstudiums geniessen durfte, und auch die spezifischen Module des Masterstudiums (Chemical Engineering) helfen mir bei praktisch allen Aspekten dieses Projekts. Zur Vielfalt der Themengebiete gehören zum Beispiel organische und analytische Chemie, Projektmanagement, Programmieren und natürlich auch Chemical Engineering.

Welchen Beruf hast du ursprünglich erlernt?
Ich habe ursprünglich eine Lehre als Chemielaborant (Spezialisierung Analytik) in einem Pharmaunternehmen absolviert.

Warum hast du dich zuerst für ein Bachelorstudium in Chemie an der HLS und dann für die Master-Studienrichtung Chemical Engineering entschieden?
Ursprünglich startete ich mein Bachelorstudium mit dem Ziel, später ein Analytik-Labor zu leiten. Während des Bachelorstudiums schwand mein Interesse am Sammeln von Wissen (und Nichtwissen) im Bereich der Naturwissenschaften (insbesondere Chemie) keineswegs. Zusätzlich entdeckte ich
meine Affinität zum Programmieren und fürs Ingenieurwesen. Mir wurde auch klar, dass ich später eine vielfältige und abwechslungsreiche Arbeit ausüben möchte. Das Chemieingenieurwesen kristallisierte sich somit als mehr als passend für mich heraus.

Wo siehst du dich beruflich in 5 bis 10 Jahren?
Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass ich im Bereich der chemischen Verfahrensentwicklung für ein Unternehmen in der Region arbeiten werde. Jedoch wird in der Zeit bis zu meinem Masterabschluss und vor allem während diesen 5-10 Jahren sehr viel, auch unerwartetes, passieren und ich binde mich daher nicht zu sehr an diese Zukunftsvorstellung. Wichtig für mich ist und bleibt sicher, dass ich auf die eine oder andere Weise etwas zur Verbesserung der zurzeit ungünstigen globalen Umweltsituation beitragen kann.

Wie müssten Interessierte vorgehen, um das Masterstudium im selben Modell zu absolvieren wie du?
Idealerweise nimmt der/die Student*in bereits während des Bachelorstudiums an der HLS Kontakt mit seiner/ihrer ArbeitsgruppenleiterIn/ProfessorIn auf. Falls dies nicht möglich ist, empfiehlt sich eine direkte Kontaktaufnahme mit einer ArbeitsgruppenleiterIn/ProfessorIn welche in dem entsprechenden Fachgebiet (in diesem Fall Chemical Engineering) tätig ist.

Herzlichen Dank für deine aufschlussreichen Antworten, Thierry!

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