{"id":7192,"date":"2017-05-01T14:26:23","date_gmt":"2017-05-01T12:26:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/?p=7192"},"modified":"2019-09-10T15:13:31","modified_gmt":"2019-09-10T13:13:31","slug":"rs_32_2017_kinderliteratur-keine-kleine-literatur-fuer-kleine-interview-mit-maria-riss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/rs_32_2017_kinderliteratur-keine-kleine-literatur-fuer-kleine-interview-mit-maria-riss\/","title":{"rendered":"\u00abKinderliteratur \u2013 Keine kleine Literatur f\u00fcr Kleine\u00bb Interview mit Maria Riss"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1\"><strong>Maria Riss, Mitbegr\u00fcnderin des Zentrums Lesen, l\u00e4sst sich im M\u00e4rz 2017 pensionieren. Im Interview erz\u00e4hlt sie, wie das Zentrum Lesen entstanden ist, was die St\u00fctzpfeiler einer wirksamen Lesef\u00f6rderung sind und was sie nach ihrer Pensionierung vorhat.<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Interview und Foto: Julienne Furger<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-7193 \" src=\"https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Maria_Riss-1024x560.jpg\" alt=\"\" width=\"405\" height=\"222\" srcset=\"https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Maria_Riss-1024x560.jpg 1024w, https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Maria_Riss-300x164.jpg 300w, https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Maria_Riss-768x420.jpg 768w, https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/Maria_Riss.jpg 1416w\" sizes=\"auto, (max-width: 405px) 100vw, 405px\" \/><\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Nach sechs Jahren Unterrichtst\u00e4tigkeit als Primarlehrerin hast du 1980 einen Kinderbuchladen er\u00f6ffnet und diesen fast 20 Jahre lang erfolgreich gef\u00fchrt. Nach dem Verkauf der Buchhandlung hast du dich als Verlagsmitarbeiterin und Lehrbeauftragte weiterhin mit Kinderliteratur besch\u00e4ftigt und 2001 zusammen mit Andrea Bertschi-Kaufmann das Zentrum\u00a0Lesen gegr\u00fcndet. Wie kam es dazu?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\">Andrea Bertschi-Kaufmann und ich haben seit l\u00e4ngerer Zeit gemeinsam an der HPL (H\u00f6here P\u00e4dagogische Lehranstalt) in Zofingen unterrichtet. Immer wieder wurden wir f\u00fcr Weiterbildungen angefragt. Es war offensichtlich ein Bed\u00fcrfnis vieler Lehrpersonen, sich im Bereich der Lesef\u00f6rderung weiterzubilden. Dies brachte uns auf die Idee, ein Zentrum f\u00fcr Forschung und Entwicklung im Bereich Lesef\u00f6rderung zu gr\u00fcnden. Ich hatte mir zudem seit \u00fcber 20 Jahren ein fundiertes Wissen \u00fcber die Kinder- und Jugendliteratur angeeignet, dies wollte ich weiterhin vertiefen und mein Wissen f\u00fcr die Praxis zug\u00e4nglich machen.<\/p>\n<p class=\"p1\"><b>In den 16 Jahren seit seiner Gr\u00fcndung ist das Zentrum Lesen stark gewachsen und ist zu einem erfolgreichen Kompetenz<\/b><b>zentrum im Bereich der forschungsbasierten Sprachdidaktik geworden. Wie hast du diese Ver\u00e4nderungen erlebt?<\/b><\/p>\n<p class=\"p3\">Es war eine sehr spannende Zeit. T\u00e4glich gab es neue Herausforderungen zu bew\u00e4ltigen. Vor allem der Austausch innerhalb des Teams war immer sehr anregend, da viele Leute mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten im Zentrum Lesen arbeiten. Dabei wurde und wird der Zusammenhalt immer gross geschrieben, es gibt kein gegenseitiges Ausstechen und das Miteinander war vor allem in der Anfangszeit einmalig. Der Bereich der Entwicklung war manchmal schwierig, vor allem mit der zunehmenden Akademisierung der Lehrerbildung nahm die Forschung einen immer gr\u00f6sseren Platz ein. Und auch die Strukturen innerhalb der Hochschule sind sehr viel komplexer geworden. Das machte die Arbeit nicht eben einfacher. F\u00fcr die Zukunft hoffe ich, dass der direkte Kontakt zu den Lehrpersonen weiterhin gepflegt und vielleicht auch wieder ausgebaut werden kann. Dieser enge Kontakt zur Basis hat den Erfolg des Zentrums Lesen bestimmt und macht auch die Forschung glaubhaft.<\/p>\n<p class=\"p5\"><strong><span class=\"s1\">Die Lesef\u00f6rderung hat seit dem sogenannten \u00abPisa-Schock\u00bb 2001 an Bedeutung gewonnen und es wurde viel zu diesem Thema geforscht. Was sind f\u00fcr dich aufgrund deiner jahrelangen Erfahrung die St\u00fctzpfeiler einer wirksamen Lesef\u00f6rderung? <\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"p5\">Kontinuit\u00e4t ist wichtiger als einmalige grosse Aktionen. Es braucht ab und zu solche H\u00f6hepunkte wie Lesen\u00e4chte, das sind sch\u00f6ne, gewinnbringende Anl\u00e4sse, die auch in Erinnerung bleiben. Aber was mir noch wichtiger scheint, ist das Einbinden von Leseerfahrungen in den schulischen Alltag. Zentral ist dabei, dass man die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen beim Lesen begleitet, sich ernsthaft f\u00fcr ihre Lekt\u00fcre und ihre Leseerfahrungen interessiert. Zu viele Kinder werden mit ihren B\u00fcchern allein gelassen. Dabei w\u00fcrden sie sich so gerne mit Erwachsenen austauschen, vor allem j\u00fcngere Kinder. In der Pubert\u00e4t sind es dann vor allem die Gleichaltrigen. Es braucht also Erwachsene, die sich f\u00fcr die Lesestoffe der Kinder interessieren, die selbst auch Kinderb\u00fccher lesen und es braucht eine grosse Auswahl an unterschiedlichen Lekt\u00fcreangeboten.<\/p>\n<p class=\"p5\">Im schulischen Kontext scheint es mir zudem zentral, nicht zu jedem Text Lerneinheiten vorzubereiten, die die Lesekompetenz f\u00f6rdern, sondern die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler immer wieder auch einfach die Sch\u00f6nheit von Texten geniessen zu lassen.<\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Was ist f\u00fcr dich ein gutes Kinderbuch?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p2\">Im Grunde genommen gelten f\u00fcr Kinderb\u00fccher die gleichen Kriterien wie f\u00fcr die Lekt\u00fcren von Erwachsenen: B\u00fccher m\u00fcssen gute Geschichten erz\u00e4hlen. Leserinnen und Leser brauchen Figuren, in denen sie sich wiederfinden, an deren Schicksal sie sich beteiligen, an deren Gl\u00fccksmomenten sie sich mitfreuen k\u00f6nnen. Ohne emotionale Beteiligung macht das Lesen von Geschichten keinen Spass.<br \/>\nBei der Kinderliteratur kommt erschwerend hinzu, dass nicht alle Kinder im gleichen Alter oder der gleichen Jahrgangsstufe \u00fcber die gleiche Lesekompetenz verf\u00fcgen.<br \/>\nFr\u00fcher, als ich noch meine Buchhandlung hatte, kamen oft Kinder in meinen Laden. Sie durften sich ein Buch aussuchen mit dem Gutschein von der Tante oder dem Opa. Die Frage nach dem Alter war da bei der Beratung wenig hilfreich, ich habe sie gar nicht mehr gestellt. Was mich interessierte, war die Frage nach dem letzten tollen Buch, das die Kinder gelesen haben. Da wusste ich sofort, wof\u00fcr sie sich interessieren, da war auch klar, wie schwierig das Buch etwa sein darf.<\/p>\n<p class=\"p4\">Das gute Kinderbuch l\u00e4sst sich vor allem dann finden, wenn man einerseits selbst diese B\u00fccher liest, sich damit befasst, und andererseits die besonderen Interessen und die Lesekompetenz der Kinder <span class=\"s1\">ber\u00fcck<\/span>sichtigt. Beim Lesen von Kinderb\u00fcchern entdeckt man selbst, wie viele ausgezeichnete Geschichten, Sachtexte und Romane es f\u00fcr Kinder gibt. Die Kinderliteratur ist l\u00e4ngst keine kleine Literatur f\u00fcr Kleine mehr!<\/p>\n<p class=\"p1\"><b>Vor deinem Engagement am Zentrum Lesen hast du als Primarlehrerin gearbeitet und einen Kinderbuchladen er\u00f6ffnet. Was waren f\u00fcr dich Highlights deiner beruflichen Laufbahn?<\/b><\/p>\n<p class=\"p2\">Dass ich als junge Primarlehrerin 38 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler unterrichtet habe und dass diese wirklich alle lesen gelernt haben. Das war f\u00fcr mich ein Wunder (lacht). Oder die Kindersendungen bei Radio SRF 1, wo ich w\u00e4hrend fast 3 Jahren die Sendung \u00abDas kleine literarische Quartett\u00bb leitete. Ich diskutierte mit jeweils vier Kindern \u00fcber B\u00fccher und habe selber dabei viel gelernt, beispielsweise wie differenziert j\u00fcngere Kinder Lekt\u00fcren beurteilen k\u00f6nnen. In Erinnerung bleiben wird mir auch die Tagung \u00abZukunft Lesen\u00bb im Joggeli Basel 2004. Die Tagungsatmosph\u00e4re in der Fussballarena war einmalig. Oder die grosse \u00abPisa-Tagung\u00bb in Aarau, als die damalige Bundesr\u00e4tin Ruth Dreifuss zu Gast war. Unvergessen bleiben mir auch die \u00fcberaus spannenden und freundschaftlichen Begegnungen mit Autorinnen und Autoren wie Andreas Steinh\u00f6fel, Mirjam Pressler oder dem leider verstorbenen J\u00fcrg Schubiger.<\/p>\n<p class=\"p1\"><b>Im April dieses Jahres l\u00e4sst du dich pensionieren und verl\u00e4sst das Zentrum Lesen. Wie sieht deine Zukunft aus? Schreibst du vielleicht selbst noch ein Kinderbuch?<\/b><\/p>\n<p class=\"p2\">Nein, der Markt ist voll mit guten Kinderb\u00fcchern. Aber es gibt noch so viel anderes, was mich interessiert, was ich noch lernen oder tun will. Ich wohne in einem uralten kleinen Haus, da gibt es immer etwas zu reparieren, in der Werkstatt zu hobeln. Ganz fest freue ich mich auch darauf, mehr Zeit f\u00fcr Freunde, f\u00fcr Begegnungen zu haben.<\/p>\n<p class=\"p3\">Ich werde aber sicher dem Kinder- und Jugendbuch weiterhin die Treue halten. Ich werde hoffentlich auch mehr Zeit zum Lesen haben. Vielleicht schreibe ich auch ein paar Buchempfehlungen. Dazu kommt ein kleiner Job im B\u00fccherladen Appenzell, wo ich die Abteilung Kinder- und Jugendb\u00fccher betreue. B\u00fccher zu verkaufen und zu empfehlen, das macht mir nach wie vor grossen Spass.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Maria Riss, Mitbegr\u00fcnderin des Zentrums Lesen, l\u00e4sst sich im M\u00e4rz 2017 pensionieren. Im Interview erz\u00e4hlt sie, wie das Zentrum Lesen entstanden ist, was die St\u00fctzpfeiler einer wirksamen Lesef\u00f6rderung sind und was sie nach ihrer Pensionierung vorhat. 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