{"id":7260,"date":"2016-01-01T23:35:15","date_gmt":"2016-01-01T22:35:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/?p=7260"},"modified":"2019-07-31T13:51:18","modified_gmt":"2019-07-31T11:51:18","slug":"rs_30_2016_kommunikation-zwischen-mensch-und-tier-interview-mit-susanne-grassmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/rs_30_2016_kommunikation-zwischen-mensch-und-tier-interview-mit-susanne-grassmann\/","title":{"rendered":"Kommunikation zwischen Mensch und Tier \u2013 Interview mit Susanne Grassmann"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1\"><b>Die Zeigegeste ist f\u00fcr Kleinkinder sozusagen der Ein<\/b><b>stieg in die Kommunikation.<br \/>\n<\/b><b>Ein Interview mit Susanne Grassmann \u00fcber die kommunikativen F\u00e4higkeiten\u00a0<\/b><b>von Hunden, Affen und Menschenkindern.<\/b><\/p>\n<p class=\"p1\">Interview: Julienne Furger<br \/>\nFoto: Sandra Bru\u0308gger<\/p>\n<p class=\"p1\"><b>Wie kommt man dazu, sich als Sprachwissenschaftlerin und Psychologin mit tierischer Kommunikation zu besch\u00e4ftigen?<\/b><\/p>\n<p class=\"p2\">Das war bei mir eigentlich ein Zufallsereignis. W\u00e4hrend meiner Zeit am Max-Planck-Institut in Leipzig habe ich zum Wortschatzerwerb gearbeitet. In einem meiner Forschungsprojekte habe ich untersucht, wie Kinder Zeigegesten und W\u00f6rter, die gemeinsam auftreten, interpretieren. Als ich die Ergebnisse 2007 an einem grossen internationalen Kongress vorstellte, kam ein amerikanischer Wissenschaftler auf mich zu und fragte: \u00abWie w\u00fcrden denn eure sprachtrainierten Hunden das machen?\u00bb Ich fand die Frage so spannend, dass ich mich n\u00e4her damit besch\u00e4ftigen wollte. Und so bin ich sozusagen auf den Hund gekommen (lacht).<\/p>\n<p class=\"p4\"><b>Was heisst \u00absprachtrainiert\u00bb? Verstehen Hunde die menschliche Sprache?<\/b><\/p>\n<p class=\"p5\">Nein, nach derzeitigem Forschungsstand verstehen Hunde Sprache nicht, oder zumindest nicht so, wie wir Menschen das tun. Verschiedene Studien weisen jedoch darauf hin, dass Hunde in der Lage sind zu erkennen, dass mit ihnen kommuniziert wird. Um zu untersuchen, ob Hunde (oder andere Tiere) das auch k\u00f6nnen, sind extrem ausget\u00fcftelte Versuchsaufbauten n\u00f6tig. Ausgel\u00f6st wurde das wissenschaftliche Interesse am Hund aber durch einen ganz einfachen Versuchsaufbau: Man nimmt zwei Becher und stellt sie 4\u20135 Meter voneinander entfernt auf. Dann wird unter einem Becher ein Leckerli versteckt. Zeigt die Versuchsleiterin anschliessend auf einen der beiden Becher, finden Hunde sehr zuverl\u00e4ssig das Leckerli. Das erregte um das Jahr 2000 grosses Aufsehen, denn die Zeigegeste ist ein wichtiger Pr\u00e4diktor f\u00fcr den kindlichen Spracherwerb.<\/p>\n<p class=\"p4\"><b>Weshalb spielt die Zeigegeste f\u00fcr die Kommunikation eine wichtige Rolle?<\/b><\/p>\n<p class=\"p7\">Die Zeigegeste ist f\u00fcr Kleinkinder sozusagen der Einstieg in die Kommunikation. Im Alter von ungef\u00e4hr neun bis zw\u00f6lf Monaten verstehen Kinder, dass die Zeigegeste ein Mittel ist, um in der Interaktion gegenseitig die Aufmerksamkeit zu lenken. Etwas sp\u00e4ter nutzen Kinder die Zeigegeste, um neue W\u00f6rter zu lernen.<br \/>\nDas Spannende an der Zeigegeste ist, dass ihr Verstehen ein Erkennen voraussetzt: Erst wenn ich erkannt habe, DASS kommuniziert wird, kann ich auch \u00aberraten\u00bb, WAS kommuniziert wird. Aber allein aus der angemessenen Reaktion auf die Zeigegeste kann man noch nicht auf echtes Verstehen bei Hunden schliessen.<\/p>\n<p class=\"p1\"><b>Verstehen denn auch andere Tiere menschliche Zeigegesten?<\/b><\/p>\n<p class=\"p2\">Naja, zumindest befolgen ziemlich viele Tiere die Zeigegeste. Zum Beispiel Elefanten, Pferde, Ziegen, Frettchen, Seel\u00f6wen oder Flederm\u00e4use \u2013 aber Affen scheinen Schwierigkeiten damit zu haben, diese Geste zu verstehen. F\u00fcr die Unf\u00e4higkeit der Affen gibt es verschiedene Erkl\u00e4rungen: fehlende Erfahrung mit Menschenh\u00e4nden, fehlendes Kooperationsverhalten oder einfach unfaire Versuchsanordnungen. Ich bin mittlerweile zu dem Schluss gekommen, dass das Befolgen der Zeigegeste im Experiment kein Beleg f\u00fcr menschen\u00e4hnliche Kommunikationsf\u00e4higkeiten bei Tieren ist.<\/p>\n<p class=\"p4\"><b>Was nimmst du aus deinen bisherigen Forschungsarbeiten mit f\u00fcr deine T\u00e4tigkeit an der P\u00e4dagogischen Hochschule? <\/b>Es gibt extrem spannende Ber\u00fchrungspunkte. Um gleich bei den Affen zu bleiben: Es gibt drei F\u00e4higkeiten, die den Menschen und den Affen unterscheiden: Das Gedankenlesen, das pr\u00e4zise Nachahmen und eine nat\u00fcrliche P\u00e4dagogik. Dieses Wissen, das wir aus der vergleichenden Forschung haben, ist f\u00fcr p\u00e4dagogische Kontexte hochrelevant.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7261 alignleft\" src=\"https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/susanne_grassmann-291x300.jpg\" alt=\"\" width=\"176\" height=\"182\" srcset=\"https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/susanne_grassmann-291x300.jpg 291w, https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/susanne_grassmann.jpg 408w\" sizes=\"auto, (max-width: 176px) 100vw, 176px\" \/><\/p>\n<p class=\"p1\">Susanne Grassmann ist promovierte Entwicklungspsychologin und Psycholinguistin. In ihrer bisherigen Forschungst\u00e4tigkeit hat sie sich mit dem fr\u00fchkindlichen Spracherwerb, der fr\u00fchen sozial-kognitiven Entwicklung sowie mit den kommunikativen F\u00e4higkeiten von Tieren besch\u00e4ftigt. Seit November 2015 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum Lesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zeigegeste ist f\u00fcr Kleinkinder sozusagen der Einstieg in die Kommunikation. Ein Interview mit Susanne Grassmann \u00fcber die kommunikativen F\u00e4higkeiten\u00a0von Hunden, Affen und Menschenkindern. Interview: Julienne Furger Foto: Sandra Bru\u0308gger Wie kommt man dazu, sich als Sprachwissenschaftlerin und Psychologin mit tierischer Kommunikation zu besch\u00e4ftigen? Das war bei mir eigentlich ein Zufallsereignis. 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