{"id":7263,"date":"2012-05-01T09:02:13","date_gmt":"2012-05-01T07:02:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/?p=7263"},"modified":"2019-08-05T14:21:42","modified_gmt":"2019-08-05T12:21:42","slug":"rs_22_2012_was-macht-gute-kinder-und-jugendliteratur-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/rs_22_2012_was-macht-gute-kinder-und-jugendliteratur-aus\/","title":{"rendered":"Was macht gute Kinder- und Jugendliteratur aus?"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1\"><strong>Seit es das Zentrum Lesen gibt, spielt die aktuelle Kinder- und Jugendliteratur in vielen Projekten und in der Zusammenarbeit mit Lehrpersonen eine bedeutsame Rolle. Immer wieder wird Maria Riss, die Fachfrau f\u00fcr Kinder- und Jugendliteratur am Zentrum Lesen, mit der Frage konfrontiert, was denn ein gutes Kinder- oder Jugendbuch sei. Nora Kernen hat sie dazu befragt.<\/strong><\/p>\n<p>von <a href=\"https:\/\/www.fhnw.ch\/de\/personen\/nora-kernen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nora Kernen<\/a> und Maria Riss<\/p>\n<p class=\"p4\"><b>Was macht ein gutes Buch aus?<\/b><\/p>\n<p class=\"p5\">Das ist eine schwierige und auch heikle Frage. \u00dcberlegen Sie sich mal folgendes. Sie erhalten den Auftrag, f\u00fcr einen 55-j\u00e4hrigen Mann, den Sie nicht kennen, ein gutes Buch zu kaufen. Sie w\u00e4ren vermutlich ziemlich ratlos. Sie k\u00f6nnen ein besonders wertvolles Buch kaufen \u2013 Weltliteratur, das sind gute B\u00fccher, mit Sicherheit. Aber ob dieser Herr literarisch wertvolle B\u00fccher mag? oder Sie k\u00f6nnen schauen, was auf der Bestsellerliste zuoberst steht. Da ist die Wahrscheinlichkeit schon gr\u00f6sser, dass Sie den Geschmack des k\u00fcnftigen Lesers treffen. Aber schauen Sie auf der Sachbuchliste nach oder bei den belletristischen B\u00fcchern? Sie sehen, die an sich banale Frage, was ein gutes Buch sei \u2013 sie ist nicht einfach zu beantworten.<\/p>\n<p class=\"p7\"><b>Und was gibt es bei der Suche nach einem Kinder- oder Jugendbuch zu beachten?<\/b><\/p>\n<p class=\"p8\">Bei der Frage nach einem guten Buch f\u00fcr junge Leserinnen und Leser ist das genauso, wie eben berichtet \u2013 nur noch ein bisschen schwieriger: Erwachsene k\u00f6nnen in der Regel gut und kompetent lesen. Bei Kindern ist das nicht so. Nicht alle Kinder verf\u00fcgen im gleichen Alter oder der gleichen Jahrgangsstufe \u00fcber die gleiche Lesekompetenz. Das durchschnittliche achtj\u00e4hrige Kind gibt es nicht. Das Lesenk\u00f6nnen von Kindern und oft auch von Jugendlichen ist sehr unterschiedlich! Ein Kinderbuch muss also die Lesekompetenz wie auch die oft sehr spezifischen Interessen ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p class=\"p9\">Das passende Kinderbuch l\u00e4sst sich vor allem dann finden, wenn man einerseits selbst diese B\u00fccher liest, sich damit befasst, und andererseits die besonderen Interessen und die Lesekompetenz der Lesenden ber\u00fccksichtigt. Beim Lesen von Kinder- und Jugendb\u00fcchern wird man entdecken, wie viele ausgezeichnete Geschichten, Sachtexte und Romane es f\u00fcr Kinder und Jugendliche gibt. Die Kinderliteratur ist l\u00e4ngst keine kleine Literaturgattung f\u00fcr Kleine mehr!<\/p>\n<p class=\"p1\"><b>Inwieweit kann ich mich auf den Jugendliteraturpreis verlassen, wenn ich nach einem gute Kinderbuch suche?<\/b><\/p>\n<p class=\"p2\">Mit dem Jugendliteraturpreis werden B\u00fccher in Deutschland, der Schweiz und \u00d6sterreich pr\u00e4miert. Das sind in aller Regel ganz wundersch\u00f6ne und spezielle B\u00fccher. Literarisch wertvoll, k\u00fcnstlerisch gestaltet. Aber literarische Bildung und Lesef\u00f6rderung gehen leider nicht immer Hand in Hand. Und das ist ja auch verst\u00e4ndlich: Wer noch grosse M\u00fche mit dem Lesen hat, f\u00fcr den gelten andere Kriterien als jene der sch\u00f6n gestalteten Sprache und der kunstvollen Erz\u00e4hlweise. Wenn es schon so anstrengend ist, das Lesen, da muss das, was man m\u00fchevoll entziffert, auch spannend und vor allem unterhaltsam sein.<\/p>\n<p class=\"p4\"><b>Und wie bringe ich Kinder oder Jugendliche dazu, auch etwas anspruchsvollere B\u00fccher zu lesen?<\/b><\/p>\n<p class=\"p2\">Ich denke, es braucht bei vielen Kindern Erwachsene, die vermitteln, die ihnen helfen, einen Zugang zu finden. Vorlesen heisst hier wohl das Zauberwort, miteinander in Geschichten eintauchen. Am besten gelingt dies, wenn sich Erwachsene selber von den Texten begeistern lassen, wenn sie sich ebenso f\u00fcr den Fortgang einer Geschichte interessieren wie die Zuh\u00f6renden selbst. Das Heranf\u00fchren an literarische Texte kann schon sehr fr\u00fch beginnen. Denken wir nur an all die vielen wundersch\u00f6nen\u00a0Kindergedichte oder Nonsensverse, welche bei so vielen Kindern die Freude an der Sprache wecken. oder an Bilderb\u00fccher, die oft ungewohnt und vielleicht gar sperrig illustriert sind \u2013 Kinder wollen Geschichten immer wieder h\u00f6ren. Besonders wichtig ist die Begleitung, wenn wir als Erwachsene gar nicht mehr so sehr daran denken, n\u00e4mlich dann, wenn die Kinder zwar lesen k\u00f6nnen, aber noch keine grosse \u00dcbung darin haben. Da geht das Lesen meist noch sehr langsam, ist so anstrengend und m\u00fchevoll, dass die Versuchung sehr gross ist, mit der ganzen Plackerei aufzuh\u00f6ren. Hier sind erwachsene Begleiter gefragt, V\u00e4ter, M\u00fctter, Onkel, Omas, die vorlesen, die ein echtes Interesse f\u00fcr die Lesestoffe der Kinder zeigen, die mit den Kindern gemeinsam lesen, mit ihnen diskutieren, ihnen Zug\u00e4nge auch zu anspruchsvolleren Texten geben. Ein gutes Hilfsmittel sind da auch H\u00f6rbuchversionen von B\u00fcchern, dies gilt vor allem auch f\u00fcr Jugendliche. Wenn die Texte von guten Sprecherinnen oder Sprechern vorgelesen werden, kommt oft die Sch\u00f6nheit der Sprache erst richtig zur Geltung. Zudem k\u00f6nnen Kinder die gleiche Geschichte immer wieder anh\u00f6ren. Manche tun dies unglaublich gern \u2013 und sie tun es tagelang.<\/p>\n<p class=\"p3\"><b>Was macht ein gutes Kinder- und Jugendbuch aus?<\/b><\/p>\n<p class=\"p4\">Im Grunde genommen gelten f\u00fcr Kinderb\u00fccher die gleichen Kriterien wir f\u00fcr die Lekt\u00fcren von Erwachsenen: B\u00fccher m\u00fcssen gute Geschichten erz\u00e4hlen. Leserinnen und Leser brauchen Figuren, in denen sie sich wieder finden, an deren Schicksal sie sich beteiligen, an deren Gl\u00fccksmomenten sie sich mitfreuen k\u00f6nnen. ohne emotionale Beteiligung macht das Lesen von Geschichten keinen Spass, ohne Figuren, mit denen sich Kinder gef\u00fchlsm\u00e4ssig identifizieren k\u00f6nnen, bleiben geschriebene S\u00e4tze f\u00fcr sie belanglose Phrasen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Andreas Steinh\u00f6fel hat es so formuliert: <i>Ich kann eine\u00a0<\/i><i>Geschichte episch erz\u00e4hlen oder sie als hektische Wortflut inszenieren: In beiden F\u00e4llen wird sie unwirksam sein, wenn ich nicht mir \u2013 und dem Leser \u2013 die Zeit nehme, die darin agierenden Figuren psychologisch glaubhaft zu entwickeln, ihr Leiden und ihr Gesunden in und an der Welt wahrhaftig zu formulieren.<\/i><\/p>\n<p class=\"p3\">F\u00fcr mich kommt hinzu, dass gute Autorinnen und Autoren die lesenden Kinder ernst nehmen, dass sie sich nicht anbiedern, dass sie von keiner Zwergenphilosophie ausgehen, die Kinder klein macht und sie entm\u00fcndigt. Es braucht in den Geschichten Ankn\u00fcpfungsm\u00f6glichkeiten an ihren Alltag und ihre Erfahrungen. Dabei kann es aber durchaus auch mal das Fremde sein, das interessiert, das Unbekannte. <i>Ich denke, ich will informieren, und ich will, dass meine B\u00fccher das bringen, was ich selbst von allen B\u00fcchern erwarte: Erweiterung des Blickfelds. Man kann nicht alles selbst erleben, aber man kann sehr wohl gelesene Erfahrung sammeln<\/i>, meint Mirjam Pressler dazu.<br \/>\nEs gibt B\u00fccher, die f\u00fcr mich all die Kriterien f\u00fcr ein gutes Kinder- oder Jugendbuch erf\u00fcllen, nicht nur hinsichtlich der guten Geschichte, sondern auch in Bezug auf ihre literarisch-\u00e4sthetische Gestaltung. Mirjam Presslers \u00abNathan und seine Kinder\u00bb oder die \u00abRico-Trilogie\u00bb von Andreas Steinh\u00f6fel \u2013 das sind f\u00fcr mich wirklich gute Kinder- und Jugendb\u00fccher, vorbehaltlos. Und wen wundert\u2019s? Sowohl Mirjam Pressler wie auch Andreas Steinh\u00f6fel, beide sind Jugendliteratur-Preistr\u00e4ger.<\/p>\n<p class=\"p1\">\u2192 <a href=\"https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/rezensionen\/\">Empfehlungen fu\u0308r gute Kinder- und Jugendbu\u0308cher<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit es das Zentrum Lesen gibt, spielt die aktuelle Kinder- und Jugendliteratur in vielen Projekten und in der Zusammenarbeit mit Lehrpersonen eine bedeutsame Rolle. Immer wieder wird Maria Riss, die Fachfrau f\u00fcr Kinder- und Jugendliteratur am Zentrum Lesen, mit der Frage konfrontiert, was denn ein gutes Kinder- oder Jugendbuch sei. 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