{"id":7283,"date":"2011-05-01T12:47:18","date_gmt":"2011-05-01T10:47:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/?p=7283"},"modified":"2019-07-31T14:42:12","modified_gmt":"2019-07-31T12:42:12","slug":"rs_20_2011_das-lesen-schreibend-foerdern-empirisch-fundierte-folgerungen-fuer-die-praxis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/rs_20_2011_das-lesen-schreibend-foerdern-empirisch-fundierte-folgerungen-fuer-die-praxis\/","title":{"rendered":"Das Lesen schreibend f\u00f6rdern: Empirisch fundierte Folgerungen f\u00fcr die Praxis"},"content":{"rendered":"<p><strong>Werden Ergebnisse aus Leistungsstudien wie PISA publiziert, r\u00fccken auch entsprechende F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten oder -programme ins Zentrum des Interesses. <\/strong><\/p>\n<p>von <a href=\"https:\/\/www.fhnw.ch\/de\/personen\/afra-sturm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Afra Sturm<\/a><\/p>\n<p>\u2192 <a title=\"Das Lesen schreibend f\u00f6rdern\" href=\"https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/LesenSchreibendFoerdern_Rundschreiben_ZL_Mai_2011.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gesamte Unterrichtsidee als PDF herunterladen<\/a><\/p>\n<p class=\"p1\">In der Regel fokussieren sie Teilkompetenzen und setzen jeweils auch ein bestimmtes Verfahren ein wie Lautleseverfahren, Strategie-Training u.a. Noch zu wenig oder unsystematisch genutzt werden die M\u00f6glichkeiten, die das Schreiben f\u00fcr die Lesef\u00f6rderung bietet: Werden Schreibaktivit\u00e4ten \u2013 wo sinnvoll \u2013 in die Lesef\u00f6rderung integriert, wirkt sich dies \u00e4usserst positiv auf die Lesekompetenzen aus. Zu diesem Ergebnis kommen Graham\/ Hebert (2010), die 61 Studien dahingehend gesichtet haben.<\/p>\n<p class=\"p2\">Graham\/Hebert (2010: 11) formulieren auf der Basis ihrer Analyse drei Empfehlungen, wie Lesekompetenzen schreibend verst\u00e4rkt gef\u00f6rdert werden k\u00f6nnen. Eine Empfehlung legt nahe, Gelesenes schreibend zu verarbeiten. Diese wird im Folgenden dargestellt. Dabei gilt es Folgendes zu beachten:<\/p>\n<ol class=\"ol1\">\n<li class=\"li4\">Das Gelesene schreibend zu verarbeiten eignet sich insbesondere auch f\u00fcr schw\u00e4chere Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen \u2013 allerdings nur dann, wenn ihnen explizit vermittelt wird, wie sie dieses Verfahren nutzen <span class=\"s2\">k\u00f6n<\/span>nen.<\/li>\n<li class=\"li4\">Das schreibende Verarbeiten von Gelesenem eignet sich keineswegs nur f\u00fcr die Sekundarstufe: Mit geeignetenVerfahren l\u00e4sst es sich bereits auf der Mittel-, teilweise sogar auf der Unterstufe einsetzen.<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"p5\">Zu einer expliziten Vermittlung geh\u00f6rt, dass die Lernenden eine andere Person \u2013 das kann die Lehrperson oder auch jemand aus der Peer-Gruppe sein \u2013 beim L\u00f6sen einer Lese- oder Schreibaufgabe beobachten k\u00f6nnen und dass ihnen Hintergrundwissen zur vorgestellten Lese- oder Schreibstrategie vermittelt wird. Das meint auch, dass die Lehrperson (oder jemand aus der Peer-Gruppe) alle Schritte an einem konkreten Beispiel vorf\u00fchrt, bevor die Lernenden das Verfahren an einem \u00e4hnlichen oder vergleichbaren Text selber anwenden.<\/p>\n<p class=\"p6\">Graham\/Hebert (2010) betonen, dass eine regelm\u00e4ssige schreibende Verarbeitung die gr\u00f6sste Wirkung erzielt: Eine einmalige oder nur sehr sporadische Erg\u00e4nzung mit Schreibaktivit\u00e4ten kann das Textverstehen nur minimal verbessern.Werden Lesen und Schreiben systematischer verbunden, profitieren zudem die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen gleich doppelt, k\u00f6nnen sie doch auch ihre Schreibf\u00e4higkeiten trainieren.<br \/>\nAnalog zu Graham\/Hebert (2010) illustriere ich die genannte Empfehlung mit Beispielen und erg\u00e4nze konkrete didaktische Hinweise.<\/p>\n<p class=\"p10\"><b>Schreibend Fragen beantworten und eigene Fragen verfassen<\/b><\/p>\n<p class=\"p11\">Fragen zu einem Text werden i. d. R. eher m\u00fcndlich beantwortet: M\u00f6chte man den Austausch unter den Lesenden f\u00f6rdern, ganz im Sinne der Anschlusskommunikation, ist der M\u00fcndlichkeit der Vorzug zu geben. Das schriftliche Beantworten von Fragen dagegen bietet den Vorteil, dass es das Memorieren unterst\u00fctzt und Zeit zum Nachdenken verschafft.<\/p>\n<p class=\"p12\">Bei der Auswahl der Fragen ist darauf zu achten, dass nicht nur Detailfragen gestellt werden, insbesondere dann nicht, wenn sie wenig oder nichts zum Verstehen des Textes beitragen. Graham\/Hebert (2010: 17) f\u00fchren dazu eine Studie an, die zur Auswahl der Fragen eine Faustregel vorgibt, die sich in Anlehnung an die Sprachstarken (2007) wie folgt formulieren l\u00e4sst (die Fragetypen stimmen auch mit den drei in PISA verwendeten Subskalen \u00fcberein):<\/p>\n<ul class=\"ul1\">\n<li class=\"li13\">1 bis 2 Fragen zum Nachschauen, d.h. Detailfragen, die f\u00fcrs Verst\u00e4ndnis des <span class=\"s6\">Textes<\/span> eine wichtige Rolle spielen<\/li>\n<li class=\"li4\">2 bis 3 Fragen zum Verstehen, d.h. die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen m\u00fcssen z.B. Zusammenh\u00e4nge herstellen<\/li>\n<li class=\"li4\">1 bis 2 Fragen zum Nachdenken, die \u00fcber den <span class=\"s2\">Text <\/span>hinausreichen, bei denen die Sch\u00fcler und <span class=\"s6\">Sch\u00fclerin<\/span>nen das Gelesene mit eigenen \u00dcberlegungen erweitern und verkn\u00fcpfen<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"p1\">Die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen k\u00f6nnen auch dazu angeleitet werden, selber Fragen zu formulieren, die anderen zur Beantwortung vorgelegt werden sollen. Ab Mittelstufe lohnt es sich, ihnen zuvor zus\u00e4tzlich den Unterschied zwischen guten und schlechten Fragen zu vermitteln. Dazu kann auch obige Faustregel beigezogen werden: Formulieren die Lernenden selber Detailfragen, die zentral f\u00fcrs Textverstehen sind, m\u00fcssen sie zum einen ihr eigenes Textverstehen hinterfragen und kl\u00e4ren, zum anderen aber auch m\u00f6gliche Schwierigkeiten mitbedenken, die f\u00fcr das Textverstehen hinderlich sind.<\/p>\n<p class=\"p3\"><b>Auf einen Text antworten: pers\u00f6nlich, analytisch oder interpretierend<\/b><\/p>\n<p class=\"p4\">Textanalysen werden haupts\u00e4chlich auf der Sekundarstufe eingesetzt und fokussieren f\u00fcr gew\u00f6hnlich bei Erz\u00e4hltexten z.B. den Charakter der Hauptfigur, bei Sachtexten das Weiterverarbeiten von zentralen Aspekten. EinfachereTextinterpretationen sind auch schon auf der Primarstufe \u00fcblich. Pers\u00f6nliche Antwortverfahren wie das Verfassen von Briefen an eine Hauptfigur eines Erz\u00e4hltextes zielen ebenfalls auf eine Verarbeitung des Textverst\u00e4ndnisses.<\/p>\n<p class=\"p5\">Eine Variante oder Erg\u00e4nzung des letzteren Verfahrens ist die schreibende Entwicklung von Figurenportraits im Verlauf einer Lekt\u00fcre (Hermann\/Riss\/Schlachter 2010: 98f.): Werden zu Beginn noch eher \u00e4usserliche und klar beschriebene Merkmale notiert, werden diese laufend erg\u00e4nzt und vielleicht sogar ge\u00e4ndert. Hinzu kommen k\u00f6nnen auch Einsch\u00e4tzungen und Hypothesen zum weiteren Handeln der Figur. Insgesamt m\u00fcssen die Lesenden dazu einen Perspektivenwechsel vornehmen, sich mit der Figur intensiv auseinandersetzen.Wenn einzelne Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit der Aufgabe \u00fcberfordert sind, k\u00f6nnen ihnen gezielte Stichworte und Fragen weiterhelfen, etwa zum Aussehen oder Alter der Figur, zur Wohnsituation, wor\u00fcber sich die Figur besonders freut u.\u00c4.<\/p>\n<p class=\"p6\">Im Hinblick auf Sachtexte kann ein strukturiertes \u00abGedankenjournal\u00bb die Auseinandersetzung mit dem Text vertiefen (mit Leitlinien wie \u00abdas war neu f\u00fcr mich\u00bb, \u00abda hab ich noch Fragen\u00bb, \u00abdamit bin ich nicht einverstanden\u00bb u. \u00c4.). Die Eintr\u00e4ge aus dem Journal k\u00f6nnen auch f\u00fcr weiterf\u00fchrende Arbeiten genutzt werden, so etwa f\u00fcr das Vorbereiten eines Referats.<\/p>\n<p class=\"p10\"><b>Einen Text zusammenfassen<\/b><\/p>\n<p class=\"p11\">Dass das Zusammenfassen von Texten das Leseverstehen f\u00f6rdert, l\u00e4sst sich nach Graham\/Hebert (2010: 15) teilweise bereits f\u00fcr Klasse 3 nachweisen. Sie kommen sogar zum Schluss, dass diese Strategie vor allem f\u00fcr Primarsch\u00fclerinnen und -sch\u00fcler sehr hilfreich ist. Da das Zusammenfassen eine Strategie ist, die sich nicht von selbst versteht, ist eine explizite Vermittlung unumg\u00e4nglich, gerade f\u00fcr die schw\u00e4cheren Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen.<\/p>\n<p class=\"p13\">Als Beispiel sei hier das von Graham\/Hebert (2010: 15) angef\u00fchrte Vorgehen nach Rinehart\/Stahl\/Erickson (1986) erl\u00e4utert, das diese mit einer 6. Klasse erprobt haben. Sie formulieren folgende Regeln f\u00fcr das Zusammenfassen von Abschnitten:<\/p>\n<ol class=\"ol1\">\n<li class=\"li15\">Identifiziere die Hauptinformation; w\u00e4hle \u2013 falls <span class=\"s1\">meh<\/span>rere zentrale Informationen darin enthalten sind \u2013 jene aus, die dir am wichtigsten erscheint.<\/li>\n<li class=\"li15\">Lass Informationen, die nicht wichtig oder zu einfach, zu \u2039trivial\u203a sind, weg.<\/li>\n<li class=\"li15\">Lass Informationen, die schon woanders im <span class=\"s1\">Text <\/span><span class=\"s6\">ang<\/span>ef\u00fchrt wurden, weg.<\/li>\n<li class=\"li15\"><span class=\"s1\">Fass <\/span>die von dir ausgew\u00e4hlten Informationen <span class=\"s8\">zusam<\/span>men.<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"p16\">Denkbar ist auch, dass die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen eine solche Aufgabe im Tandem l\u00f6sen und sich so z.B. gegenseitig begr\u00fcnden m\u00fcssen, weshalb sie eine Information als zentral oder irrelevant erachten. F\u00e4llt es einzelnen Sch\u00fclern oder Sch\u00fclerinnen schwer, Informationen auszuw\u00e4hlen, kann es hilfreich sein, wenn sie zun\u00e4chst jene Stellen, die sie als nicht relevant erachten, durchstreichen. Dieses Verfahren eignet sich bei k\u00fcrzeren Texten.<\/p>\n<p class=\"p18\"><b>Literatur<br \/>\n<\/b>Die Sprachstarken (2007): Deutsch f\u00fcr die Primarschule 2.\u20136. Klasse. Sprachbuch, Arbeitsheft, CD-Rom. Zug: Klett und Balmer.<br \/>\nHermann, Svenja; Riss, Maria; Schlachter, Dieter (2010): Kommentar zum Lesebuch \u00abmittendrin &amp; hoch hinaus\u00bb. Bern: Schulverlag plus AG.<br \/>\nGraham, Steve; Hebert, Michael (2010): Writing to Read. Evidence for How Writing Can Improve Reading. Washington DC: Alliance for Excellent Education. [<a href=\"https:\/\/all4ed.org\/webinar-event\/writing-to-read-evidence-for-how-writing-can-improve-reading\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.all4ed.org\/events\/WritingToRead<\/a><a href=\"http:\/\/www.all4ed.org\/events\/WritingToRead%3B\">; <\/a>18.1.2011]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werden Ergebnisse aus Leistungsstudien wie PISA publiziert, r\u00fccken auch entsprechende F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten oder -programme ins Zentrum des Interesses. von Afra Sturm \u2192 gesamte Unterrichtsidee als PDF herunterladen In der Regel fokussieren sie Teilkompetenzen und setzen jeweils auch ein bestimmtes Verfahren ein wie Lautleseverfahren, Strategie-Training u.a. 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