{"id":7292,"date":"2011-10-01T13:47:32","date_gmt":"2011-10-01T11:47:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/?p=7292"},"modified":"2019-07-31T15:10:17","modified_gmt":"2019-07-31T13:10:17","slug":"rs_21_2011_mit-kamera-maus-und-farbtopf-auf-entdeckungsreise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/rs_21_2011_mit-kamera-maus-und-farbtopf-auf-entdeckungsreise\/","title":{"rendered":"Mit Kamera, Maus und Farbtopf auf Entdeckungsreise"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Alltag von Kindern spielen die Medien und ihre Angebote eine selbstverst\u00e4ndliche Rolle. In der Regel kennen Kinder die Medien vor allem als Rezeptionsmittel. Sie schauen, h\u00f6ren, spielen Angebote der professionellen Medienindustrie. Um diese zu verarbeiten, brauchen sie Gelegenheiten, ihre Medienerlebnisse einzubringen und zu reflektieren.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Medienp\u00e4dagogische Projektideen zur Identit\u00e4tsarbeit mit Kindern<\/p>\n<p>von <a href=\"https:\/\/www.phzh.ch\/personen\/friederike.tilemann\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prof. Friederike Tilemann<\/a>, PH Z\u00fcrich<\/p>\n<p>\u2192 <a href=\"https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Kamera_Maus_Farbtopf_Rundschreiben_ZL_Nov_2011.pdf\">gesamte Unterrichtsidee als PDF herunterladen<\/a><\/p>\n<p class=\"p1\">Die f\u00fcr Kinder so wichtige weitere Form der Mediennutzung ist in den Familien eher selten vertreten: das eigenst\u00e4ndige, kreative Gestalten von Medienprodukten. So ist es auch Aufgabe des Kindergartens und der Unterstufe, Kindern zu erm\u00f6glichen, die Medien als Werkzeuge \u2013 und nicht nur als Rezeptionsmittel \u2013 entdecken zu k\u00f6nnen, mithilfe derer sie sich mit ihren Themen und Fragen auseinandersetzen k\u00f6nnen. Wenn Kinder die Chance bekommen, kleine Medienprodukte selbst zu erstellen, k\u00f6nnen sie zunehmend lernen, die Medien und ihre Gestaltungsmittel zu entdecken und zu verstehen.<\/p>\n<p class=\"p3\"><b>Medien durchschauen lernen<\/b><\/p>\n<p class=\"p4\">Kinder haben oft Schwierigkeiten, mediale Darstellungen als solche zu entschl\u00fcsseln. Da ihnen u.a. das Erkennen von Einstellungsgr\u00f6ssen noch nicht vertraut ist, erscheint manchen z.B. die Aufnahme einer Hausstaubmilbe wie ein echtes riesiges Monster, vor dem man sich f\u00fcrchten kann, wenn man abends in das eigene Bett steigt. Medienp\u00e4dagogische Projekte helfen Kindern, sich in der komplexen Medienwelt besser zu orientieren und eine altersgem\u00e4sse Medienkompetenz aufzubauen. So ist f\u00fcr Kinder das Erproben und Durchschauen der Film- und Bildsprache eine hilfreiche F\u00e4higkeit, die sie unterst\u00fctzt, die Medieninhalte als konstruierte Darstellungen zu entlarven. Im Folgenden werden Ideen aufgef\u00fchrt, die sich f\u00fcr die medienp\u00e4dagogische Arbeit mit der Altersgruppe der Vier- bis Achtj\u00e4hrigen eignen. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit sich und dem eigenen Bild. Gerade die Fotografie und das Videofilmen sind f\u00fcr diese Altersstufe besonders geeignet. Denn mit dem eigenen Bild\/Film kann man problemlos das \u00abOriginal\u00bb mit der \u00abmedialen Darstellung\u00bb vergleichen. Ein Kind kann beides nebeneinander betrachten und z.B. feststellen \u00abAuf dem <span class=\"s3\">Foto<\/span> wirke ich viel gr\u00f6sser als in \u2039echt\u203a!\u00bb oder \u00abWenn\u00a0man unseren eigenen Film anguckt, sieht alles pl\u00f6tzlich ganz gruselig aus mit der Dunkelheit, der Taschenlampe und der Musik!\u00bb. Zudem k\u00f6nnen auch junge Kinder die ben\u00f6tigten Medien leicht bedienen. Als p\u00e4dagogische Chance der Projektarbeit werden die Medien sowohl zur Identit\u00e4tsarbeit von Kindern als auch zur F\u00f6rderung der kindlichen Medienkompetenz genutzt. So k\u00f6nnen Kinder mithilfe von Foto- und Videokamera<\/p>\n<ul class=\"ul1\">\n<li class=\"li2\">unterschiedliche emotionale Gesichtsausdr\u00fccke <span class=\"s1\">er<\/span>proben,<\/li>\n<li class=\"li2\">sich mit Schminke und Verkleidungsmaterial ver\u00e4ndern, sich gegenseitig fotografieren und gemeinsam ihre Wirkung erproben,<\/li>\n<li class=\"li2\">sich mit Hilfe von Kameraperspektiven (z.B. <span class=\"s9\">Vogel- <\/span>und Froschperspektive) und Einstellungsgr\u00f6ssen m\u00f6glichst unterschiedlich wirkend fotografieren und die Fotos vergleichen,<\/li>\n<li class=\"li3\">sich im selbst gew\u00e4hlten und ggf. auch arrangierten Umfeld fotografieren und anderen pr\u00e4sentieren (\u00abWas geh\u00f6rt zu mir? <span class=\"s9\">Was <\/span>ist mir wichtig?\u00bb),<\/li>\n<li class=\"li4\">Fotos von sich ausdrucken, ausschneiden und als \u00abBild\u00bb und \u00abSkulptur\u00bb weitermalen, als Teil einer Collage verwenden oder dreidimensional gestalten,<\/li>\n<li class=\"li4\">\u00fcber eine l\u00e4ngere Zeit (z.B. die Jahre im Kindergarten) eine Fotoreihe von sich erstellen, die sich erweitert und ver\u00e4ndert und zu Betrachtung anregt,<\/li>\n<li class=\"li4\">die Konstruiertheit von Medienaufnahmen an <span class=\"s9\">klei<\/span>nen <span class=\"s6\">Tricks <\/span>erproben (Stopptrick mit der Videokamera, einfache Trickfilme, Bildmanipulationen [z.B. mit Programmen wie \u00abPhoto Booth\u00bb] oder raffiniert <span class=\"s15\">ar<\/span>rangierte Ausschnitte [optische Ph\u00e4nomene mit der Kombination von <span class=\"s11\">Vor- <\/span>und Hintergrund, z.B. steht die Kirche auf der Handfl\u00e4che eines Kindes], Ketchup als Filmblut bei einer M\u00e4rchenverfilmung),<\/li>\n<li class=\"li4\">gemeinsam eine Ausstellung im Kindergarten mit den audio(-visuellen) Produkten der Kinder gestalten <span class=\"s9\">(z.B.\u00a0<\/span>\u00abIch und du\u00bb oder \u00abWie ich mir die Zukunft w\u00fcnsche\u00bb) und \u00fcber die individuellen W\u00fcnsche von Kindern und Erwachsenen zum Gespr\u00e4ch einladen.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"p8\"><b>Medienbildung als p\u00e4dagogische Chance<\/b><\/p>\n<p class=\"p9\">Bei der medienp\u00e4dagogischen Projektarbeit sind regelm\u00e4ssige Reflexionsrunden mit den Kindern sinnvoll, in denen das Erlebte besprochen wird. Es dient zum einen\u00a0dem tieferen Verst\u00e4ndnis des Themas. Zum anderen k\u00f6nnen emotionale Aspekte und Konflikte im Gruppenprozess aufgearbeitet und somit soziale Lernprozesse angestossen werden. Die gemeinsame Reflexion hilft den Kindern, das Erlebte einzuordnen, eigene und fremde Befindlichkeiten wahrzunehmen und in ihrem Handeln zu ber\u00fccksichtigen. Durch die distanzierte Betrachtung k\u00f6nnen wertvolle Erfahrungen gebildet werden.<\/p>\n<p class=\"p2\">Ein Hinweis zu der Arbeit mit Fotos und Filmaufnahmen: Jedes Kind entscheidet selbst, ob es fotografiert oder gefilmt werden m\u00f6chte. Lehnt ein Kind ab, ist dies unbedingt zu respektieren. P\u00e4dagogisch sinnvoll ist es dann, ein Kind im Laufe des Projektes immer wieder einzuladen, seine Entscheidung zu ver\u00e4ndern, wenn der Wunsch besteht. Ebenso bedeutsam ist, dass Kinder lernen, mit den Aufnahmen von anderen respektvoll umzugehen, also z. B. Bildmanipulationen nur mit dem eigenen Foto zu machen \u2013 ausser wenn das ausdr\u00fcckliche Einverst\u00e4ndnis des\/der anderen besteht. \u00dcber die Ver\u00f6ffentlichung des eigenen Fotos entscheidet (neben den Eltern) ebenso das abgebildete Kind. Bei der Publikation von Fotos der Kinder im Internet ist Vorsicht geboten. Wenn \u00fcberhaupt, so sollte lieber die kreative T\u00e4tigkeit der Kinder beschrieben oder gezeigt werden und nicht sie selbst als Personen erkennbar sein*.<br \/>\nBereits in dieser Altersstufe k\u00f6nnen die Grundlagen f\u00fcr einen sensiblen, respektvollen Umgang mit den W\u00fcnschen und Emotionen anderer Menschen und ihren Fotos und Videoaufnahmen gelernt werden.<\/p>\n<p class=\"p5\">Kinder erz\u00e4hlen mithilfe der Medien eigene Geschichten von sich und ihrer Sicht auf die Welt, erproben neue F\u00e4higkeiten und entdecken sich selbst und andere neu. Es gibt \u2013 begleitet durch eine kompetente und einf\u00fchlsame Lehrperson \u2013 vielseitige Lernchancen f\u00fcr die Kinder auf medienp\u00e4dagogischer, individueller und sozialer Ebene. Begeben Sie sich mit den Kindern auf eine spannende Reise &#8230;<\/p>\n<p class=\"p5\"><span style=\"font-size: small;\">*Der Pers\u00f6nlichkeitsschutz und das Urheberrecht sind unbedingt zu beachten.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"p1\"><b>Weiterf\u00fchrende Empfehlungen<\/b><\/p>\n<p class=\"p2\"><em><span class=\"s1\">Eine F\u00fclle von wertvollen Methoden<br \/>\n<\/span><\/em>Sabine Eder; Christiane Orywal; Susanne Roboom (2010<span class=\"s2\">2<\/span>): Pixel, Zoom und Mikrofon. Medienbildung in der Kita. Ein medienpraktisches Handbuch f\u00fcr Erzieher\/- innen.<\/p>\n<p class=\"p5\"><em><span class=\"s1\">Wirklichkeitsvorstellun<\/span>g<span class=\"s1\">en von Kindern und die Bedeu<\/span><span class=\"s1\">tun<\/span>g<span class=\"s1\"> der Medien mit Methodenhinweisen<br \/>\n<\/span><\/em>Friederike Tilemann (2011): \u00abEcht oder Spiel? \u2013 Medien durchschauen lernen.\u00bb In: Zeitschrift \u00ab4 bis 8\u00bb Januar\/ <span class=\"s3\">Februar, <\/span><span class=\"s4\">Nr. <\/span>1\/2 und als PDF zum Download unter: <a href=\"http:\/\/www.medienbildung.ch\/webautor-data\/23\/echt-\">http:\/\/www.medienbildung.ch\/webautor-data\/23\/echt-<\/a> oder-spiel_4bis8_jan-feb_2011_tilemann.pdf<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.medienbildung.ch\/\">www.medienbildung.ch <\/a>\u00bb Vortr\u00e4ge \u00bb Downloads<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Alltag von Kindern spielen die Medien und ihre Angebote eine selbstverst\u00e4ndliche Rolle. 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