{"id":7429,"date":"2005-10-01T13:18:37","date_gmt":"2005-10-01T11:18:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/?p=7429"},"modified":"2019-09-10T15:50:58","modified_gmt":"2019-09-10T13:50:58","slug":"rs_9_2005_lesetraining-ueberlegungen-zur-konzeption","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/rs_9_2005_lesetraining-ueberlegungen-zur-konzeption\/","title":{"rendered":"Lesetraining \u2013 \u00dcberlegungen zur Konzeption"},"content":{"rendered":"<p>von <a href=\"https:\/\/www.fhnw.ch\/de\/personen\/andrea-bertschi#q=andreas+steinh%C3%B6fe\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Andrea Bertschi-Kaufmann<\/a>, Petra Hagendorf, Gerd Kruse, Maria Riss, Hansjakob Schneider und Thomas Sommer<\/p>\n<p class=\"p1\">Lesen lernen die einen Kinder scheinbar beil\u00e4ufig: bei der Begegnung mit Texten, aufwachsend in einer Buch- und Medienumgebung. Andere Kinder brauchen eine systematische Unterst\u00fctzung. Unter anderem hat auch PISA deutlich darauf hingewiesen, dass die Schule zur Erreichung des Lernziels Lesen weit mehr Anstrengungen unternehmen soll als bisher. Lesetraining ist also angesagt, nicht nur in der Primarschule, wo man schon immer damit gerechnet hat, dass Kinder eine konsequente F\u00f6rderung brauchen, sondern auch in der Sekundarstufe I, wo entwickelte Lesekompetenzen bei den Jugendlichen keineswegs einfach vorausgesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"p2\">Viele Verlage sind unterdessen aktiv geworden und bieten den Schulen Lesetrainingsmaterialien an. Zum Teil sind die \u00dcbungssammlungen allerdings noch wenig strukturiert und kommen als eher zuf\u00e4llige Zusammenstellungen daher.<\/p>\n<p class=\"p3\">Im Rahmen unseres Projektes \u00abLese- und Schreibkompetenzen f\u00f6rdern\u00bb (es wurde im Rundschreiben 6\/2004 vor- gestellt) haben wir Trainingspakete zusammengestellt. 58 Lehrerinnen und Lehrer aus der Primar- und der Realschule (Sekundarstufe C) sind nun daran, die Materialien mit ihren Klassen zu erproben. Im Projekt interessieren wir uns zum einen f\u00fcr die Effekte, welche das Lesetraining f\u00fcr die Entwicklung der Lesekompetenz bei Kindern und Jugendlichen hat, dies im Vergleich zu einer offenen Lesef\u00f6rderung, die ein Teil der Schulklassen ebenfalls durchf\u00fchrt. Zum anderen sind wir neugierig auf die Erfahrungen mit dem vergleichsweise eng strukturierten Lesetraining in der Praxis. Wir werden die R\u00fcckmeldungen aufnehmen, die Materialien weiter ausarbeiten und anschliessend mit einer Publikation allen Interessierten zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n<p class=\"p4\">Nachfolgend ein erster Einblick in die Grundlagen und in die Struktur des dreiteiligen Lesetrainings. Ein ausgew\u00e4hltes Beispiel zu einem der Trainingsteile findet sich im Beitrag \u00abLesegel\u00e4ufigkeit trainieren\u00bb von Thomas Sommer.<\/p>\n<p class=\"p1\"><b>Entwicklung von Lef\u00e4higkeiten und\u00a0<\/b><b>Lesestrategien<\/b><\/p>\n<p class=\"p3\">Lesekompetenz ist zum einen die F\u00e4higkeit zum Entziffern von W\u00f6rtern und S\u00e4tzen (\u2039Dekodierung\u203a), zum anderen aber<\/p>\n<ul class=\"ul1\">\n<li class=\"li4\">sehr viel umfassender \u2013 die F\u00e4higkeit zur Bedeutungskonstruktion und damit zum Leseverstehen. Leseverstehen <span class=\"s2\">er<\/span>fordert das Herstellen von Sinnzusammenh\u00e4ngen, das heisst Koh\u00e4renzbildung einerseits mit den Elementen, welche der jeweilige <span class=\"s3\">Text <\/span>anbietet, und Einordnung der Textelemente in bestehende Wissenszusammenh\u00e4nge andererseits. Wichtige Faktoren im Verstehensprozess sind\n<ol class=\"ol1\">\n<li class=\"li5\">die Wahrnehmung von Textelementen: das <span class=\"s4\">Wiedererken<\/span>nen von Buchstaben und Wortbausteinen.<\/li>\n<li class=\"li5\">die Wort- und Satzerkennung: viele bekannte und wieder erkannte W\u00f6rter und Satzelemente erleichtern das <span class=\"s4\">Er<\/span>schliessen von Bedeutungen.<\/li>\n<li class=\"li5\">das Vorwissen: es erleichtert das Herstellen von Sinnzusammenh\u00e4ngen innerhalb des <span class=\"s4\">Textes <\/span>und das <span class=\"s4\">Einord<\/span>nen der Textinformationen in einen weiteren Bedeutungszusammenhang.<\/li>\n<li class=\"li5\">die Motivationen und die Leseziele: Interessen, Erwartungen und Intentionen beeinflussen die Wahl von Lesezielen und diese leiten den Lese- bzw. den Konstruktionsprozess.<\/li>\n<li class=\"li5\">die Lernziele und die Lesestrategien: Strategien k\u00f6nnen als mentale Programme verstanden werden, welche die Abfolge und die Gewichtung von Verarbeitungsschritten <span class=\"s8\">im <\/span>Umgang mit dem jeweiligen <span class=\"s3\">Text<\/span> beeinflussen.<\/li>\n<li class=\"li4\">Metakognition und Monitoring: damit eine flexible, dem <span class=\"s8\">je<\/span>weiligen <span class=\"s3\">Text<\/span> angepasste Verarbeitung m\u00f6glich ist, m\u00fcssen die verf\u00fcgbaren Strategien situations- und anforderungsgerecht ausgew\u00e4hlt, koordiniert und \u00fcberpr\u00fcft werden. Souver\u00e4ne Leserinnen und Leser bauen auf die F\u00e4higkeit, ihre Verfahren im Verlauf des Leseprozesses zu \u00fcberpr\u00fcfen und allenfalls zu korrigieren.<\/li>\n<li class=\"li5\">die allgemeine Denkf\u00e4higkeit und das Arbeitsged\u00e4chtnis: sie erlauben ein ad\u00e4quates Erfassen neuer Informationen und ihre Einordnung in weiter zur\u00fcckliegende Rezeptionen.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"p1\">Diese weitgehend kognitiven Leistungen stellen unterschiedliche und vor allem auch unterschiedlich hohe Anforderungen an die Lesenden. Die kognitionspsychologische Forschung unterscheidet diesbez\u00fcglich zweierlei Arten von Vorg\u00e4ngen: <i>Hierarchieniedrige Prozesse, <\/i>innerhalb derer mehrheitlich automatisierte Abl\u00e4ufe beim Lesen erfolgen:<\/p>\n<p class=\"p2\">A Die Erkennung von Wort und Satz und die Verkn\u00fcpfung von Satzfolgen sind wichtige Teilleistungen im Leseverstehensprozess. Es geht hier um den Aufbau einer Textbasis durch lokale Koh\u00e4renzbildung. Wir bezeichnen die in diesen Prozessen geforderten Kompetenzen als <i>Lesefertigkeiten; <\/i>je besser sie trainiert sind, desto eher laufen sie \u2039automatisch\u203a ab.<\/p>\n<p class=\"p3\">B \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit dem Lesefluss. Wer gewohnheitsm\u00e4ssig liest und durch Texte verh\u00e4ltnism\u00e4ssig schnell hindurch kommt, verf\u00fcgt zwar nicht zwingend \u00fcber ein besseres Sinnverst\u00e4ndnis, aber er hat doch g\u00fcnstigere Voraussetzungen daf\u00fcr. <i>Lesegel\u00e4ufigkeit <\/i>ist also ein weiteres Ziel jenes Trainingsteils, in welchem Leseprozesse automatisiert werden.<\/p>\n<p class=\"p4\"><i>Hierarchieh\u00f6here Prozesse, <\/i>die mehrheitlich ein zielorientiertes Lesen und die bewusste Planung des Lesevorgangs verlangen:<\/p>\n<p class=\"p5\">C Hier geht es um das Herstellen von Zusammenh\u00e4ngen innerhalb des Textes sowie zwischen dem Text und dem eigenen Vorwissen, um das Erkennen von Textsorte und Textstruktur und um das Erfassen von textsortenspezifischen Darstellungsweisen und der damit verbundenen Textabsicht. Mit Leistungen dieser Art steuern Leserinnen und Leser \u2013 mehr oder weniger bewusst \u2013 ihren Leseverstehensprozess. Die Verfahrensweisen bezeichnen wir als\u00a0<i>Lesestrategien.<\/i><\/p>\n<p class=\"p1\"><strong>Aufbau des Lesetrainings<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-7430 \" src=\"https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/lesetraining.jpg\" alt=\"\" width=\"470\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/lesetraining.jpg 965w, https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/lesetraining-300x128.jpg 300w, https:\/\/www.fhnw.ch\/plattformen\/zl\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/lesetraining-768x328.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 470px) 100vw, 470px\" \/><\/p>\n<p class=\"p1\">Im Rahmen unserer Trainingsanlage sollen Kompetenzen in den Bereichen <i>Lesefertigkeiten <\/i>(A) und <i>Lesestrategien <\/i>(C) mit entsprechenden Aufgabenstellungen gezielt aufgebaut und ausgebaut werden. Parallel dazu wird die <i>Lesegel\u00e4ufigkeit <\/i>(B) gef\u00f6rdert, indem die Kinder und Jugendlichen ausgew\u00e4hlte Textstellen repetierend lesen und vorlesen.<\/p>\n<p class=\"p2\">Ziel des gesamten Trainings ist es, Lesegel\u00e4ufigkeit bei den Kindern und Jugendlichen so aufzubauen, dass sie einerseits im Sinne des angloamerikanischen Fluency-Konzepts m\u00fchelos decodieren, fl\u00fcssig lesen und sinngestaltend vorlesen k\u00f6nnen, andererseits im bewussten, zielgerichteten und probleml\u00f6senden Umgang mit Texten trainiert werden.<\/p>\n<p class=\"p3\">Auf die R\u00fcckmeldungen der Kolleginnen und Kollegen aus der Schulpraxis und auf die Ergebnisse zum Fortschritt der Kompetenzentwicklungen sind wir gespannt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Andrea Bertschi-Kaufmann, Petra Hagendorf, Gerd Kruse, Maria Riss, Hansjakob Schneider und Thomas Sommer Lesen lernen die einen Kinder scheinbar beil\u00e4ufig: bei der Begegnung mit Texten, aufwachsend in einer Buch- und Medienumgebung. 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