Geschichtliches

Murgänge und Ausbrüche durch die Wildbäche Glyssibach, Schwanderbach und Lammbach überführten in der Vergangenheit periodisch Gebiete von Schwanden b. Brienz. Eine der grössten Katastrophen fand im Juli 1797 statt, als diese drei Bäche bei einem Unwetter gleichzeitig ausbrachen.

Sie überführten teilweises das Siedlungs- und Landwirtschaftsgebiet der Gemeinden Schwanden b. Brienz, Hofstetten und Brienz mit gewaltigen Schuttmassen und verschütteten damals das Dorf Kienholz am Brienzersee gelegen so stark, dass es nicht wieder aufgebaut wurde.

Schwanden b. Brienz ist zum einen von den oben genannten Wildbächen und zum anderen von einem Bergsturzgebiet bedroht, welches aus lockerem Felsmaterial besteht. Nach mehreren Felsstürzen bildete sich bis 1893 eine längere Spalte, die sogenannte „Ägerdi-Spalte“. Sie erstreckt sich auf rund 1’000 m.ü.M. von Westen gegen Osten und weist heute eine Länge von rund 900 Metern auf. Das darunterliegende Gebiet, welches in Bewegung ist, umrahmt eine Grundrissfläche von über 60 Hektaren. Im April 1901 stürzte aus dem unteren Teil des „Ägerdi“ ca. eine Million Kubikmeter Fels und Geröll zu Tal in Richtung „In Brichen“.

Gebiet „In Brichen“ nach dem Bergsturz von 1901
Schwergewichtsmauer (Sperre) zur Sicherung des Hanges; 1911 fertig erstellt

In der Folge wurden zwei Schwergewichtsmauern (Sperren) gebaut, die im Jahre 1911 fertiggestellt wurden. Diese ermöglichten das Gebiet zu stabilisieren und entsprechende Aufforstungen durchzuführen, welche bis heute die Einwohner von Schwanden b. Brienz vor weiteren Bergstürzen verschont haben. Nach verhältnismässig grossen Bewegungen (5-15 cm pro Jahr) in den 1990-er Jahren haben sich die Verschiebungen seit dem Jahre 2000 wieder deutlich verlangsamt (1-2 cm/Jahr). Heute (2018) betragen die Bewegungen 2-3 cm/Jahr.

Interessanterweise hatten die gewaltigen Wassermassen (über 200 Liter pro m²), die beim verheerenden Unwetter im August 2005 über die Region Brienz niedergingen, keine Beschleunigung der Verschiebungen im Bergsturzgebiet „Schwanderbärgli“ zur Folge. Das „Schwanderbärgli“ verhält sich diesbezüglich atypisch im Vergleich zu ähnlichen Bergsturzgebieten. Dies hat schon der berühmte Geologe Albert Heim (1849-1937) festgestellt und in seinen Untersuchungen und Berichten zur Ägerdi-Spalte festgehalten.

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