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Forschungsstand

Dieser Abschnitt zeigt auf, wie das Konzept der interessierten Selbstgefährdung entstanden ist und welche wissenschaftlichen Erkenntnisse seine Entwicklung geprägt haben. Wir möchten Forschenden und Studierenden einen gut verständlichen Überblick über zentrale Studien, theoretische Überlegungen und methodische Zugänge bieten. Die Inhalte werden derzeit erarbeitet und in Kürze ausführlicher verfügbar sein. 

ErleuterungQuelle
Vom Philosophen Klaus Peters stammt der Begriff Interessierte Selbstgefährdung. In einer frühen, anwendungsnahen Publikation wurde die Grundidee aufbereitet:Krause, A., Dorsemagen, C., & Peters, K. (2010)
Die Erfahrungen aus ersten empirischen Studien wurden hier zusammengestellt: Krause, A., Dorsemagen, C., Stadlinger, J. & Baeriswyl, S. (2012)
Eine zentrale Hypothese lautet, dass interessierte Selbstgefährdung langfristig maladaptive Bewältigungsstrategien sind, die den Zusammenhang zwischen hohen Stressoren und negativem Befinden / Erschöpfung (teil-)mediieren. Mehrere Studien fanden entsprechende Mediationseffekte, z.B.: Baeriswyl, S., Bratoljic, C. & Krause, A. (2021)
Vor dem Hintergrund unserer Erfahrungen und Studien in Betrieben haben wir 2015 deutlich gemacht, dass die Qualität der praktizierten betrieblichen Leistungssteuerung (indirekte Steuerung) sehr unterschiedlich sein kann. Bei belastungsreicher, widersprüchlicher Umsetzung indirekter Leistungssteuerung ist deutlich mehr interessierte Selbstgefährdung zu erwarten: Krause, A., Berset, M., & Peters, K. (2015).
In dieser Zeit erschien eine englischsprachige Publikation, bei der wir «self-endangering work behavior» sprechen: Dettmers, J., Deci, N., Baeriswyl, S., Berset, M., & Krause, A. (2016).
Die Notwendigkeit der Unterscheidung zwischen einer gesundheitsförderlichen, ressourcenreichen Umsetzung indirekter Leistungssteuerung einerseits und einer überfordernden, belastungsreichen Umsetzung indirekter Leistungssteuerung andererseits haben wir empirisch weiter erhärten können:  Mustafić, M., Krause, A., Dorsemagen, C. & Knecht, M. (2023).
Die Debatten über New Work und neue Zusammenarbeitsformen können unseres Erachtens als Versuch gedeutet werden, eine höhere, ressourcenreichere und somit auch gesundheitsförderlichere Qualität indirekter Leistungssteuerung umsetzen zu können und frühere Umsetzungsprobleme zu überwinden. Empirische Evidenz haben wir im Auftrag vom Bundesamt für Gesundheit und der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz zusammengestellt:Krause, A., Kaufmann, M., Tanushaj, M., Brogli, L. & Baumgartner, M. (2025).

Bitte beachten: Indem wir von «interessierter Selbstgefährdung» sprechen, betonen wir die Bedeutung der betrieblichen Rahmenbedingungen (Qualität der indirekten Leistungssteuerung) bei der Entstehung gesundheitsförderlicher und -kritischer Routinen im Arbeitsalltag: Das Interesse am Erfolg und am Vermeiden von Misserfolg ist eine Konsequenz der praktizierten Leistungssteuerung. Es ist eben keine «freiwillige Selbstausbeutung» (Ausbeutung ist immer Fremdausbeutung). Und das Verhalten wird eben nicht als individuelles Merkmal, etwa als «Arbeitssucht» betrachtet. Zwar hängen auch Persönlichkeitsmerkmale mit den Facetten interessierter Selbstgefährdung zusammen, die Zusammenhänge mit den Arbeitsbedingungen sind jedoch stärker ausgeprägt. Weitere Klarheit können Längsschnittstudien bringen.  

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