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Blockmodule, Studienreisen

Modul Industrialisierung – Studienreise nach England

29. April 2026

Autoren: Studierende aus dem Modul «Industrialisierung»

Die Studierenden des Moduls «Industrialisierung» haben jeweils die Gelegenheit, an einer Studienreise nach England teilzunehmen. Die WIng-Studierenden teilen ihre Erlebnisse, Eindrücke und gewonnenen Einsichten während dieser viertägigen Reise in diesem Blogbeitrag. Die Highlights der Studierenden wurden in kurzen Filmbeiträgen festgehalten.

Tag 1 – Vom Terminal zur Taktzeit

Ein entspannter Start in Heathrow, sonnige Stunden in Oxford und ein faszinierender Einblick in die MINI-Produktion machten unseren ersten Tag besonders.

Am Dienstagmorgen traf sich unsere Gruppe am Flughafen Heathrow. Vom Terminal 2 ging es direkt nach Oxford, wo wir bei bestem Wetter unsere erste Pause einlegten. Burger, Bier und Sonnenschein in der charmanten Altstadt sorgten für einen gelungenen Einstieg.

Kurz darauf folgte das Highlight des Tages, die MINI Plant Oxford. Nach einem kurzen Besuch im Ausstellungsbereich, dem einzigen Ort mit Fotoerlaubnis, mussten wir unsere Handys abgeben. Danach begann die Tour der eigentlichen Produktion.

Mit rund 1100 Robotern und einem Automatisierungsgrad von etwa 95 Prozent arbeitet die Anlage sehr präzise und effizient. Die Produktion läuft täglich rund 20 Stunden. Besonders eindrücklich ist hierbei das Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Maschinen.  Die trotz des hohen Automatisierungsgrades von Mitarbeitern Ausgeführten Arbeitsschritte am Fliessband waren dennoch ebenfalls faszinierend.

Ein zentrales Prinzip ist Just in Time und Just in Sequence. Produziert wird erst, wenn ein Fahrzeug tatsächlich bestellt ist, und das exakt in der Reihenfolge der Kundenaufträge. Trotz nahezu unbegrenzter Individualisierungsmöglichkeiten läuft die Produktion dadurch hoch effizient und strukturiert.

Alle 67 Sekunden verlässt ein fertiger MINI die Linie, rund 800 Fahrzeuge pro Tag, jedes individuell konfiguriert. Am Wochenende steht die Produktion still, da die Kapazitäten unter der Woche ausreichen.

Besonders beeindruckt hat uns die Kombination aus enormer Grösse, technologischer Präzision und gleichzeitig hoher Flexibilität. Ein eindrücklicher erster Einblick in moderne industrielle Fertigung.

Tag 2 Vormittag – Wo Holz auf PS trifft

Unser Car stand um 07:10 Uhr vor dem Hotel – die Gruppe weniger. Die meisten schmierten noch Sandwiches am Buffet. Nach der Fahrt von Oxford nach Malvern waren alle froh, im Experience Centre den verpassten Kaffee nachzuholen.

Frisch koffeiniert starteten wir die Factory Tour bei Morgan Motors – einer der letzten unabhängigen Sportwagenmanufakturen Englands. Mit Headsets führte uns ein Guide durch die Werkstätten, in denen seit 1909 Sportwagen in reiner Handarbeit entstehen. Besonders beeindruckend: die Eschenholz-Rahmenfertigung, bei der jedes Chassis von Hand aus Holz geformt wird. Auch die Blechbearbeitung und Lederpolsterei – alles handgemacht, kein einziger Roboter. Am Vortag bei MINI Oxford hatten Maschinen im Sekundentakt Karosserien geschweisst. Bei Morgan war der Kontrast gewaltig: Hier zählt Handwerkskunst statt Automatisierung, Exklusivität statt Massenproduktion.

Tag 2 Nachmittag – Triumph ist Trumpf

Die Besichtigung von „Triumph“ in Hinckley zeigte Einblicke in Lager, Produktion und Automatisierung. Besonders beeindruckend war das handgefertigte «Pinstriping» der Motorradtanks.

Für alle Motorradfans und Liebhaber der Industrialisierung wartete in Hinckley das nächste Highlight unserer Reise: die Besichtigung der bekannten Motorradmarke „Triumph“. Nach der Ankunft gönnten wir uns zuerst einen Kaffee und wurden anschliessend von unserem Tourguide empfangen. Zu unserer Enttäuschung waren Fotos während der Betriebsbesichtigung nicht erlaubt, da das Risiko bestand, Prototypen zu sehen.

Zu Beginn des Rundgangs erhielten wir spannende Einblicke in das Hochregallager, wo hunderte fertige Motorräder auf den Versand in alle Welt warteten. In der Fabrikhalle sahen wir jedoch weniger Roboter und Automationen als erwartet. Ein grosser Teil der Fertigung findet in einem Werk in Thailand statt. Der Automatisierungsgrad zeigte sich vor allem in den Montagelinien und in der Lackierung, etwa durch Förderbänder und fahrzeugspezifische Montagehinweise. Besonders eindrücklich war das sogenannte «Pinstriping», bei dem die Tanks mit grosser Sorgfalt von Hand bemalt werden.

Tag 3 – Kater, Karossen & königliches Chaos
Nach einer Nacht zwischen indischem Curry und britischem Bierkult starteten wir… sagen wir mal «sensibel» in den Tag. Während die Letzten noch heldenhaft das Frühstücksbuffet plünderten und sich diskret Sandwiches einpacken liessen, ging’s um 08:00 los – raus aus dem (sagen wir mal speziell charmanten) Birmingham, Richtung Land Rover Experience Solihull.
Dort angekommen, wurden wir direkt wieder weggeschickt – falsches Eingangstor. Also einmal Ehrenrunde ums Gelände mit seinen rund 160’000 m² – also gross genug, um sich kurz zu verirren. Mit etwas Glück und Google Maps fanden wir schliesslich doch noch rein.

Begrüsst wurden wir mit Kaffee – lebensrettend – und Snacks, bevor es ins knackige Safetybriefing ging. Dann kam Molly: quirlig, motiviert und mit einem 12-plätzigen Land Rover unterwegs, der eher an eine rollende Stretchlimo erinnerte. Parkieren? Sagen wir so: Es blieb unterhaltsam. Rückwärts einparkieren war Pflicht, Tempo über 20 Meilen tabu – Nervenkitzel auf britisch.


In der Produktion dann: eigentlich pure Technikekstase – zumindest in der Theorie. In der Praxis bewegte sich im Vergleich zu MINI leider erstaunlich wenig. Viele Anlagen standen still, auffallend viele Lämpchen leuchteten rot statt grün. Trotzdem: Die Dimensionen der Hallen und die Roboterarme, die da waren, beeindruckten. Hier wurde das Chassis der Land Rover zusammengesetzt, millimetergenau und mit einer Ruhe, die fast schon verdächtig war. Begriffe wie «Marriage» (die Zusammenführung von Chassis und Fahrwerk – ja, sogar mit Musik), einmal mehr «Crankshaft», «Body» und natürlich das legendäre «Land Roooowaa» blieben hängen.
Nach Museum, Design-Insights und Parkplatz-Show (anschauen ja, einsteigen leider nein) ging’s weiter Richtung Manchester.

Tag 3 Abend – Zwischen roten Ziegeln und fettigem Fisch in Manchester

Manchester – Wiege der Industrie, Fussball-Mekka und legendär als „Madchester“. Ein besserer Ort für den Abschluss unserer Studienreise hätte es kaum geben können.

Nach der Anreise aus Birmingham landeten wir am späten Nachmittag im Stadtzentrum. Der Hotel-Check-in war ein Erlebnis für sich: Die Organisation erinnerte stark an die britische Wirtschaft – irgendwie überfordert, etwas verschlafen und noch nicht ganz bereit für den Ansturm. Aber nach einigem Hin und Her waren wir alle untergebracht.

Der erste Weg führte uns direkt in die Stadt. Manchester wird nicht umsonst als „Brickstadt“ bezeichnet; die massiven roten Backsteinfassaden ziehen sich durch jedes Viertel. Während wir uns durch die Shopping-Meilen im Zentrum arbeiteten, gab es die volle Ladung England-Vibe: rote Ziegel an den Wänden und der Geruch von Fish & Chips in der Luft.

Nach der Shopping-Tour war die Luft raus – Zeit für das „The Old Wellington“. Der Pub ist eine Institution. 1552 erbaut, ist es das älteste Fachwerkhaus im Zentrum und hat eine kuriose Geschichte: In den 90ern wurde das komplette Gebäude nach einem Bombenattentat Stein für Stein abgetragen und 300 Meter weiter originalgetreu wieder aufgebaut. Das Guinness und die Pies dort waren genau das, was wir nach dem Tag gebraucht hatten.

Gut gestärkt machten wir uns daran, das Nachtleben unsicher zu machen. Wir landeten in einer vierstöckigen Karaoke-Bar, in der man die raue Rockkultur der Stadt noch richtig spüren konnte. Mit Songs von Oasis und den Smiths haben wir die Bar beschallt, bis wir spät nachts (oder früh morgens) den Rückzug antraten.

Der nächste Morgen begann wenig entspannt: Der Feueralarm riss uns aus den Betten. Die Evakuierung lief reflexartig, bis sich vor dem Hotel herausstellte, dass es ein Fehlalarm in der Hotelküche war. Ein Kommilitone hatte seinen Toast im Toaster schlichtweg vergessen und damit das gesamte Haus geweckt. Immerhin war die Gruppe danach pünktlich und hellwach für den nächsten Teil unserer Industriereise.

Tag 4 – Vom Fehlalarm zur Quarry Bank
Unser letzter Tag in Manchester begann turbulent mit einem unerwarteten Ereignis. Kurz vor der Tagwache löste ein defekter Toaster einen Feueralarm aus und weckte das ganze Stockwerk. Noch etwas verschlafen standen wir auf dem Gang, bis sich schnell herausstellte, dass es ein Fehlalarm war.
Nach einer kurzen Carfahrt besuchten wir die Weberei «Quarry Bank» die uns einen Einblick in die Industrialisierung gab. Manchester galt als Vorreiter der Textilindustrie. Die Produktion war geprägt von langen Arbeitstagen, niedrigen Löhnen und harter Arbeit, auch für Lehrlingskinder. Diese erhielten nur einen Schlafplatz und einfaches Essen. Die Maschinen wurden mit Wasserkraft betrieben. Die Arbeitsbedingungen waren laut, staubig und gesundheitsschädlich. Dieser Einblick zeigte uns, wie stark sich die Arbeitsbedingungen bis heute verändert haben.

Persönliche Highlight der Studierenden

Der Student Aaron Rüegger hat die persönlichen Highlights der Studierenden in kurzen Filmbeiträgen festgehalten.

Eine Zusammenfassung der Studienreise auf eine etwas andere Art:

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