Buch des Monats Januar 2026

J.P. Rose: Birdie Eine Freundschaftsgeschichte
Die Geschichte spielt im Jahr 1952 in einem Dorf in Südengland. Hauptperson ist die etwa dreizehnjährige Birdie. Sie wurde als Neugeborenes ausgesetzt und lebte bis anhin in einem Waisenhaus. Aber jetzt, nach so vielen Jahren, melden sich Verwandte, die Birdie bei sich aufnehmen wollen. Was ihr Onkel und ihre Tante zu diesem Zeitpunkt nicht wissen, ist die Tatsache, dass Birdie schwarz ist. Die Ankunft im Dorf ihrer Verwandten könnte für das sonst so lebenslustige Mädchen kaum schlimmer sein. Das Entsetzen im Gesicht ihrer Tante, die Kinder, die ihr «Vogelscheuche» hinterherrufen, die Lehrerin, die Birdie, obwohl früher Klassenbeste, in der Rechenstunde ein Puzzle auf den Tisch legt. Das schwarze Mädchen wird ja sicher nicht in der Lage sein, ihrem Unterricht zu folgen. Im Dorf gibt es ein Bergwerk, das nächstens ganz schliessen wird. Als eine Schar Jungen Birdie verfolgt, rennt sie zu dieser alten Zeche und versteckt sich in einer Eisenwanne, die kurz darauf in einen Schacht hinabgelassen wird. Nach dem riesengrossen Schreck kommt die wunderschöne Überraschung: Tief unter der Erde trifft Birdie ein Grubenpony, das jahrelang in diesem Stollen Kohlenwagen zog. Dieses Tier ist genauso verlassen von allen und einsam wie sie. Das Pony wird zum Vertrauten, zum einzigen Freund, den Birdie nun täglich besucht. Sie wird dieses Pony befreien, es ans Tageslicht führen und mit ihm aus dieser schrecklichen Umgebung fliehen. Schliesslich helfen Freunde einander, halten zusammen, ganz egal, was passiert. Wie diese Geschichte ausgeht, soll an dieser Stelle nicht weiter verraten werden. Nur so viel: Birdie schafft es mit ihrer Empathie und ihrem grossen Mut nicht nur das Pony vor dem sicheren Tod zu retten, es gelingt ihr auch, dass ihre Tante, ja sogar das ganze Dorf, stolz auf sie ist. Birdie verschafft sich mit ihrem Handeln und ihrer unglaublichen Willenskraft Respekt und bekommt endlich eine Heimat.
Rassismus und Ausgrenzung, das hat die dunkelhäutige, englische Autorin in ihrer Kindheit selbst erlebt. Viele ihrer Erfahrungen fliessen in diese Geschichte ein. Wohl deshalb wirkt das Buch so stimmig, die Figuren so glaubhaft und deren Dialoge so lebendig. So müssen gute Jugendbücher, die aus vergangenen Zeiten erzählen, geschrieben sein: Spannend, mit fundierten Fakten hinterlegt, einfühlsam und voller Anknüpfungspunkte zum realen Leben heutiger Leserinnen und Leser. Das Buch ist in kurze, überschau-bare Kapitel gegliedert und sei Lesenden ab 12 Jahren und Erwachsenen wärmstens zur Lektüre empfohlen. Birdies Geschichte eignet sich auch sehr gut zum Vorlesen. 400 Seiten.

J.P. Rose: Birdie Eine Freundschaftsgeschichte. Aus dem Englischen von Sandra Knuffinke und Jessica Komina. Insel 2025. ISBN: 978-3-458-64534-4

Rezension: Maria Riss

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