2005

2005 – Nach der Reform eine Reise nach Bologna

9. August 2021

Die Einführung des Bologna-Systems war mit einer umfassenden Erneuerung von Strukturen und Inhalten der Studiengänge verbunden. Für die Hochschulen bedeutete dies vor allem eines: viel Arbeit. Nachdem die Verantwortlichen der Solothurner Fachhochschule diese Herausforderung gemeistert hatten, gönnten sie sich ein paar Tage gemeinsame Ferien. Wo? In Bologna!

Die Reise nach Bologna sei eine Belohnung gewesen. Eine Belohnung zum Abschluss einer äusserst intensiven Zeit. Dies sagt Regula Dällenbach, heute Dozentin an der Hochschule Soziale Arbeit FHNW. Die intensive Zeit, die sie anspricht, liegt nunmehr rund 20 Jahre zurück. Dällenbach arbeitete damals als Leiterin des Leistungsbereichs Ausbildung an der Fachhochschule Solothurn Nordwestschweiz (FHSO). der ehemaligen Höheren Wirtschafts- und Verwaltungsschule Olten, der Höheren Technischen Lehranstalt Grenchen-Solothurn, der Höheren Technischen Lehranstalt HTL Oensingen und der Höheren Fachschule für Soziale Arbeit Solothurn entstanden. Und es war jene Zeit, in der die Soziale Arbeit auch in der Schweiz als akademische Disziplin anerkannt wurde. Dies gab Regula Dällenbach und ihren Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit, die Ausbildung in Sozialer Arbeit ganz neu zu konzipieren. Das Resultat: An der FHSO wurde der Diplomstudiengang Allgemeine Soziale Arbeit, der sieben Semester dauerte und zwei Praktika sowie eine Projektwerkstatt beinhaltete, entwickelt. Während der Projektwerkstatt mussten die Studierenden einen konkreten Auftrag einer Organisation der Sozialen Arbeit (z.B. Konzeptentwicklung für die Jugendarbeit in einer Gemeinde oder Evaluation eines sozialen Dienstes) von der Projektplanung bis zum Projektabschluss umsetzen. «Dieser Studiengang zeichnete uns aus, er war schweizweit einzigartig.»

Doch er hatte in dieser Form nicht so lange Bestand. Denn kaum hatte sich die FHSO formiert und eine Identität aufgebaut, sollte schon bald die nächste Herausforderung folgen: die Einführung des Bologna-Systems. 1999 hatte die Schweiz die Bologna-Deklaration unterschrieben. Damit verpflichtete sie sich, ihre Ausbildung im hochschulischen Tertiärbereich den europäischen Vorgaben anzupassen. Konkret bedeutete dies, dass ein zweistufiges und modularisiertes Studiensystem eingeführt werden sollte, bei dem es einen Bachelor und später einen Master zu erlangen gilt. Klar war auch, dass Studierende dereinst eine bestimmte Anzahl ECTS-Punkte erreichen mussten, um ihren Abschluss zu erhalten. Die Ziele hinter der geplanten Reform waren hoch gesteckt: Mit der Einführung des Bologna-Systems sollte ein europäischer Hochschulraum aufgebaut und die Wettbewerbsfähigkeit Europas als Bildungsstandort gestärkt werden. Durch das einheitliche System sollte die Mobilität erhöht, die Zusammenarbeit der verschiedenen Hochschulen und Universitäten gestärkt werden.

Für die einzelnen Hochschulen hiess es vor allem eines: viel Arbeit. Denn ihnen stand eine umfassende Erneuerung von Strukturen und Inhalten ihrer Studiengänge bevor. Die Entwicklung des Bachelor-Studienganges «Allgemeine Soziale Arbeit» wurde an der FHSO im Jahr 2004 gestartet. Regula Dällenbach war mitten im Geschehen. Das Curriculum des bisherigen Diplomstudiengangs, in dem so viel Herzblut steckte, musste überarbeitet werden. Einschneidend war dabei vor allem, dass der Studiengang abgespeckt werden musste: er sollte fortan, um «Bologna-tauglich» zu sein, nur noch sechs anstatt sieben Semester dauern. Damit stand die innovative Projektwerkstatt als drittes Element der Praxisausbildung zur Disposition. Nach intensiven Auseinandersetzungen und Diskussionen, sowie einer Befragung der Studierent*innen zur Projektwerkstatt, wurde entschieden, die allseits geschätzte Projektwerkstatt als verbindliches Element des Bachelor-Studienganges «Allgemeine Soziale Arbeit» zu behalten und dafür eines der zwei Praktika zu streichen. «Wir haben uns damals akribisch an all die Vorgaben gehalten», sagt Dällenbach heute. Rückblickend sei das vielleicht etwas brav gewesen, sagt sie. Und sie gibt zu, dass sie dem siebensemestrigen Bachelor noch heute etwas nachtrauere.

Doch während des ganzen Prozesses habe das FHSO-Team stets an einem Strick gezogen, der Austausch untereinander habe funktioniert. Das sei sehr wertvoll gewesen, auch später, im Hinblick auf den Zusammenschluss mit den Fachhochschulen Aargau und Basel zur Hochschule für Soziale Arbeit FHNW.

Und dann war da eben diese Reise nach Bologna. Nachdem das Bologna-System für das Studium der Sozialen Arbeit an der FHSO im Jahr 2005 eingeführt worden war, war es für Regula Dällenbach und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter an der Zeit, sich etwas Gutes zu tun. «Und da fuhren wir für ein paar Tage nach Bologna, natürlich auf privater Basis.» Es sei ein Erlebnis gewesen und habe alle noch enger zusammengeschweisst. Manche treffen sich noch heute regelmässig. Denn: «Diese Zeit hat uns geprägt.»

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