Moa Backe Åstot: Himmelsfeuer

Ánte lebt in einem Samendorf hoch oben im Norden von Schweden. Wie seine Vorfahren will auch er Rentierzüchter werden. Die Natur, die Tiere, der Zusammenhalt in der Gemeinschaft, das Eingebettetsein in Familie und Tradition bedeuten ihm viel. Wenn da nur dieses neue unbekannte Gefühl gegenüber seinem langjährigen Freund Erik nicht wäre. Erik ist für Ánte wie ein Magnet, dem er am liebsten Tag und Nacht folgen würde. Jede, auch zufällige, Berührung entfacht in ihm ein Feuer und lässt seinen Puls hochschnellen. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich, es macht Ánte fassungslos. Er fühlt sich allein mit seinem ganzen Gefühlsdurcheinander, weil er mit niemandem reden kann, weil ihm dazu auch schlicht die Worte fehlen. In seiner Umgebung sind die Ressentiments und Vorurteile gegenüber allem, was anders ist, sehr gross. Würde er von seiner Zuneigung zu Erik erzählen, würde er mit Sicherheit von den meisten beschimpft und ausgeschlossen. Als dann Erik von ähnlichen Gefühlen spricht, muss sich Ánte entscheiden. Er will zu sich und seinen Gefühlen stehen, doch das kostet ihn sehr viel Mut. Aber er weiss auch, dass er sich nicht länger verstellen kann, dass ihn das Reden freier machen wird und dass es auch in dieser traditionsreichen Samengemeinschaft Menschen gibt, die ihn einfach so nehmen werden, wie er ist.
Moa Backe Åstot, selbst in einem Samendorf aufgewachsen, ist ein überaus feinfühlig geschriebener Roman geglückt, in dessen Thematik sich viele Jugendliche wiederfinden können. Der 16-jährige Ánte ist auf der Suche nach seiner Identität, nicht nur, was seine sexuelle Neigung, sondern auch die Gestaltung seines künftigen Lebens betrifft. In die eindrücklich beschriebene Liebesgeschichte hat die Autorin zudem historische Fakten und viel Wissenswertes über die Tradition und Lebensweise der Samen eingeflochten. Ein leises Buch, das berührt und vieles nachempfindbar macht, was Jugendliche fühlen und denken. 256 Seiten.
Moa Backe Åstot: Himmelsfeuer. Aus dem Schwedischen von Anu Stohner. dtv, Reihe Hanser 2026. ISBN: 978-3-423-65048-9
Rezension: Maria Riss