Lilly Bogenberger: Narbenmädchen

Lara ist 15 Jahre alt, als sie eine vierwöchige Kur für verhaltensauffällige Jugendliche antritt, ihre letzte Chance vor der Einweisung in die Psychiatrie. Lara verletzt sich selber, überall am Körper. Sie will diese Kur über sich ergehen lassen und glaubt, dass die vielen Psycholog:innen sie dort heilen würden. Sie findet all diese Therapien schon sehr bald völlig nervig und nutzt jede Möglichkeit, um wenigstens für eine Zigarette kurz abzuhauen. Im nahen Raucherversteck trifft sie Finn und Neo. Neo hat schon mehrere Selbstmordversuche hinter sich, Finn flüchtet, wenn immer möglich, in die Welt der Drogen. Mit den beiden kann Lara reden, sie wissen, wovon sie spricht, wenn sie über den Unsinn der Therapien schimpft. Sie sind für sie da, als sie von dem ganzen geschehenen Mist daheim und von ihrem kaputten Leben erzählt. Die drei fangen sich gegenseitig auf, nehmen sich auch ab und zu in den Arm. Lara erzählt im Buch zudem, was eine innere Stimme ihr ständig ins Ohr flüstert. Es sind fast ausschliesslich negative Aussagen über ihr Verhalten oder ihr Äusseres. Und immer wieder weist diese Stimme sie darauf hin, dass sie an allem selbst schuld sei.
Lilly Bogenberger ist mit ihrem Debütroman «Narbenmädchen» ein Wurf geglückt. Selten ist es Bücherschreibenden dermassen glaubhaft geglückt, sich in ein psychisch krankes und verletztes Mädchen hineinzuversetzen. Plot und Sprache wirken überaus authentisch und lassen Lesende ganz nah an der Gedankenwelt von Lara teilhaben. Das ist manchmal recht hart: Ich kann mit niemandem zusammen sein, weil ich schlecht bin, weil ich nicht richtig funktioniere… Ich kann nicht normal sein, egal, wie sehr ich mich anstrenge… Lara schreibt offen, ehrlich und stellenweise schonungslos. Am Ende sind es nicht die Therapien, sondern das Zusammensein mit ihren Freunden, das hilft und die Geschichte mit einem Hoffnungsschimmer enden lässt. 352 Seiten.

Lilly Bogenberger: Narbenmädchen. dtv 2026. ISBN: 978-3-423-74135-4

Rezension: Maria Riss

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