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Audiovisuelles Mediendesign in tertiären Bildungslandschaften (MOOCs)

Das von der Gebert Rüf Stiftung geförderte Projekt „Audiovisuelles Mediendesign in tertiären Bildungslandschaften“ wird von folgenden weiteren Projektpartnern mitgetragen: Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel, Universität Basel, École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), Universität Passau.

MOOC’s («Massive Open Online Courses», MOOCs) gehören zu den zukunftsweisenden Formaten in der tertiären Lehre. Sie werden als Formate bei der strategischen und kommunikativen Positionierung von Bildungs- und Lehrinhalten genutzt und stellen in Aussicht, analoge und digitale Lehre zusammenzuführen. Das Projekt untersucht die Chancen und Risiken bei der Implementierung von MOOCs. Es analysiert die wechselseitige Abhängigkeit von Wissensinhalten und Wissensdesign. Das Design von MOOCs und der Einsatz reflektierter ästhetischer Paradigmen gehört zu der grössten Herausforderung der Entwicklung des neuen Lehrformats.

An der Schnittstelle von Mediendesign, Bild- und Medienwissenschaften wird das Potenzial von MOOC-Videos in einer interdisziplinären Kooperation der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel FHNW (HGK) mit der Universität Basel, der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) und der Universität Passau untersucht.

MOOC-Videos variieren stark hinsichtlich ihrer ästhetischen und technischen Implementierung. Der Fokus dieses Projektes liegt bei der Evaluation und Optimierung der ästhetisch-filmischen Implementierung vor und hinter der Kamera. Die Implementierung von MOOC-Videos wird unter zu Hilfenahme von Techniken aus dem audiovisuellen Mediendesign untersucht, weiterentwickelt und experimentell evaluiert.

Das Projekt setzt bei einer bild- und medienwissenschaftlichen Analyse existierender MOOC-Videos an und entwickelt darauf aufbauend ein innovatives Mediendesignkonzept zur Implementierung von Videos für die tertiäre Lehre. Wichtigste Erkenntnis aus den Analysen ist, dass MOOCs eine starke Redundanz der Formate aufweisen, deren Design jedoch einen nachweisbaren Einfluss auf die zu vermittelnden Wissensinhalte besitzt.

Kenntnisse aus dem audiovisuellen Mediendesign werden mit Schweizer Experten reflektiert, in Entwurfsprozessen und Workshops erprobt sowie zu einem neuartigen gestalterischen Konzept für die Lehre ausgearbeitet. Die Entwicklung neuer MOOC-Formate geschieht in enger Kooperation mit der EPFL Lausanne. Ein im Netzwerk der MOOC-Community erarbeitetes „Video Manifesto“ liefert modellhafte Vorschläge zu einer Weiterentwicklung von MOOCs.

Obgleich das Projekt eine grundsätzlich entwicklungs- und produktorientierte Ausrichtung besitzt, sollte das hohe Potenzial, das in MOOCs bezüglich der Lehrdynamik selbst liegt, nicht unberücksichtigt bleiben. MOOC-Formate bieten die Chance, Formen der analogen und der digitalen Kommunikation, Techniken der Interaktion sowie Formate der Produktion und der Veröffentlichung im Kontext der Lehre neu zu denken.

Was ist das Besondere an diesem Projekt?

Anliegen des Projekts ist es, neue Erkenntnisse über die tertiäre Hochschulbildung und deren Transformation durch die Einbettung von MOOC Videos zu gewinnen. Auf die im Allgemeinen zu wenig beachtete, wechselseitige Abhängigkeit von Wissensinhalt und Wissensdesign richtet das Projekt den Hauptfokus. Darin besitzt es Pilotcharakter: Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit der HGK FHNW mit der Universität Basel, der EPFL und der Universität Passau kann die Wichtigkeit von reflektiertem Mediendesign in einem breiteren Rahmen kommuniziert werden.

Stand/Resultate

Es wurde ein Datenset aus ca. 450 MOOC Videos der Anbieter edX, Coursera, Futurelearn und Iversity aus den Jahren 2014/15 analysiert und ausgewertet. Zudem wurden 15 Experteninterviews mit Protagonisten aus den Bereichen der Filmproduktion, dem E Learning, dem Bildungsfilm, der Wissenschaft und der Hochschuldidaktik durchgeführt. Das Projekt kommt zu folgenden Ergebnissen und Hypothesen: Wollen sich MOOCs nachhaltig erfolgreich platzieren, so sind ästhetische Kriterien stärker zu berücksichtigen. Hierzu gehört unter anderem eine bessere Performance-Schulung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Vorlauf, der Verzicht auf die stereotype Verwendung sogenannter „talkings heads“ gefolgt von Power Point-slides. Überdies sollte die Möglichkeit, Wissen „on location“ zu vermitteln, von MOOCs stärker genutzt werden. Weitere neue Perspektiven bieten 360°-Formate, die es erlauben, den Lernenden in eine Wissenssituation unmittelbar hineinzustellen und damit Wissen auf ganz neue Weise erlebbar zu machen.

Durch MOOC Videos werden Lehrformate, Vermittlungsstrategien sowie der Einsatz von Medien in der tertiären Lehre erstmals weltweit vergleichbar. MOOC’s haben damit einen massgeblichen Anteil an einer Debatte über die Neu-Positionierung der tertiären Lehre im Kontext des digitalen Wandels.

Dauer: 06.2015 – 05.2017

Publikationen

  • Reutemann, J (2015): Into the forest. Über die gegenseitige Unterwanderung von Wissenschaft und Film, in: Marcus Maeder: Kunst, Wissenschaft, Natur. Zur Ästhetik und Epistemologie der künstlerisch-wissenschaftlichen Naturbeobachtung, Bielefeld 2015, S. 113—168.
  • Reutemann, J. (2016): "Too close to be true. VR images bring the visible speaker into your face (literally)" in: IMAGE EMBODIMENT – New Perspectives of the Sensory Turn, Publisher: Büchner-Verlag, Editors: Grabbe Lars, Rupert-Kruse Patrick, Schmitz Norbert M., pp.161-182.
  • Reutemann, J.: "Video ergo scio - Bildung als Stilfrage". In: Weiterbildung. Zeitschrift für Grundlagen, Praxis und Trends. 03/2016.
  • Blogartikel (german): „Simulierter Blickkontakt“ – Wie digitales Lehren in Videos die Wissensvermittlung verändert" auf 06. Juli 2016: http://www.digitallernen.ch/2016/06/lehren-in-videos/#more-5690.
  • Reutemann, J. (2016), "Differences and Commonalities – A comparative report of video styles and course descriptions on edX, Coursera, Futurelearn and Iversity", in: European Stakeholders Summit on experiences and best practices in and around MOOCs, Editors: Khalil Mohammad, Ebner Martin, Michael Kopp, Lorenz Anja, Marco Kalz, 383-392.
  • Reutemann, J.: To Tease Somebody – A Quantitative Comparison of Advertised Educational Course Intro Videos and Actual Lecture Videos, Notice: in Print for Conference Proceedings; presentation at the ICEM Conference 2017 in Naples, 22-23 of September 2017.
  • Reutemann, J. (2016): Differences and Commonalities – A comparative report of video styles and course descriptions on edX, Coursera, Futurelearn andIversity
  • (in Arbeit) van der Meulen, N./Wiesel, J. (2017): Connectivity. Aesthetic Practice between social and digital Engagement, Bielefeld 2017.

Projektleitung

Prof.
Prof. Dr. Nicolaj van der Meulen Co-Leitung Ästhetische Praxis und Theorie Telefon : +41 61 228 41 15 E-Mail : nicolaj.vandermeulen@fhnw.ch

Kooperationspartner

Universität Basel
Prof. Dr. Maarten Hoenen, Vizerektor Lehre & Entwicklung
Dr. Gudrun Bachmann, Leitung Bildungstechnologien, Hochschuldidaktik
Dr. Thomas Lehmann, New Media Center, Produktionsleiter MOOCs

École Polytechnique Fédérale de Lausanne
Prof. Dr. Pierre Dillenbourg, Academic Director of the Center for Digital Education
Dr. Patrick Jermann, Center for Digital Education, Leitung EPFL- MOOCs
Gwénaël Bocquet, Center for Digital Education, Produktion der MOOCs

Universität Passau
Prof. Dr. Hans Krah, Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft

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