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Arbeiten im Home Office während der Corona-Pandemie

Psychologisch fundierte Tipps der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Situation ist aussergewöhnlich und herausfordernd für alle. Daher ist es wichtig, die Leistungserwartungen an sich und andere herunterzuschrauben und dafür bewusst in den Lernmodus zu gehen.
  • Die Grenzen zwischen Arbeit und anderen Lebensbereichen müssen wir im Home Office neu ziehen: Zum Beispiel räumlich mit einem getrennten Arbeitsbereich, zeitlich mit klaren Anfangs- und Schlusszeiten, oder auch mit kleinen Ritualen.
  • Pausen und regelmässige Bewegung nicht vergessen. Ergonomie ist auch im Home Office wichtig, soweit es eben möglich ist.
  • Neue Grenzen braucht es auch untereinander: Erwartungen bezüglich Erreichbarkeit und Leistung klären, gegenüber den Kolleginnen und Kollegen sowie auch gegenüber der Familie.
  • Digitale Tools für Kommunikation und Zusammenarbeit bieten viele Möglichkeiten, sind aber kein automatisches Allheilmittel. Ein sinnvoller Umgang muss gemeinsam erlernt und gestaltet werden. Je komplexer die Tools, desto höher die Lernkurve.
  • Der informelle Austausch ist enorm wichtig und muss beim Zusammenarbeiten auf Distanz bewusst geschaffen werden, beispielsweise mit einer virtuellen Kaffeepause.
  • Normalerweise ist Home Office bei gleichzeitiger Kinderbetreuung nicht zu empfehlen. Arbeitende mit Kindern zu Hause sind daher derzeit besonders gefordert: Leistungserwartungen reduzieren, Grenzen ziehen, wo möglich auch gegenüber den Kindern, gut kommunizieren mit Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzten, improvisieren und das Beste draus machen.
  • Für Führungskräfte gilt: Machen Sie sich und Ihren Mitarbeitenden deutlich, dass es jetzt nicht um Perfektion geht sondern darum, das Nötige zu tun mit den Ressourcen, die eben da sind. Zeigen Sie sich mit Ihren eigenen Herausforderungen und geben Sie einen Vertrauensvorschuss.

Inhalt

Das Home Office «bauen»: Einen Arbeitsort zuhause schaffen

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Ich und meine Arbeit allein zu Haus: Sich selber Strukturen schaffen

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Gemeinsam einsam: Austausch und Zusammenarbeit

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Technologie: Ausprobieren, was passt

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Going virtual: Eine gute Meeting-Praxis ist online wichtiger denn je

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Home Office und Kinderbetreuung

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Home Office für Alleinwohnende

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Home Office und Krankheit

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Für Arbeitgeber und Vorgesetzte

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Psychologisch fundierte Tipps zum Arbeiten im Home Office während der Corona-Pandemie

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Grundsätzliche psychologische Tipps zum Umgang mit Unsicherheit

Die derzeitige Situation ist für uns alle besorgniserregend und nur schwer einschätzbar. Es ist daher verständlich, wenn Sie unsicher sind, Angst verspüren oder sich gestresst fühlen.

  • Alle Gefühle sind erst mal okay: Emotionen kann man nur bewältigen, wenn man sie zulässt und sich selber eingesteht.
  • Reden Sie über Ihre Gefühle. Und hören Sie anderen zu.
  • Schauen Sie auf sich selbst, bevor Sie andere unterstützen. Es bringt nichts, wenn Sie selber ausbrennen oder andere mit Aktionismus in Stress versetzen.
  • Wenn Sie können: Helfen und unterstützen Sie. Seien Sie aufmerksam und schauen Sie, wo Sie gebraucht werden. Eventuell werden gerade Ihre sonst wenig benötigten Fähigkeiten jetzt gebraucht.
  • Es ist unrealistisch, in der jetzigen Situation die gleiche Leistungsfähigkeit oder die sonst übliche Gelassenheit zu erwarten. Weder von sich selber noch von anderen.
  • Daher gilt: Verlangsamen und Priorisieren. Fokussieren Sie auf das, was wichtig ist. Und dies in kurzen Abständen immer wieder neu.

Auf der Plattform dureschnufe.ch finden Sie viele weitere nützliche Tipps für die psychische Gesundheit.

Über diese Inhalte

Die Coronavirus-Pandemie bringt unsere Gesellschaft, und damit auch die Arbeitswelt, in eine besondere Lage. Wir führen gerade das grösste Home Office-Experiment mit noch unbekannten Auswirkungen durch. Die permanente, nicht selbst gewählte Arbeit im Home Office stellt für alle eine Herausforderung dar.

In diesem Artikel haben wir (Fachpersonen der Arbeits- und Organisationspsychologie der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW sowie weitere Expertinnen und Experten in unserem Netzwerk) die wichtigsten Tipps und Hinweise für das räumlich verteilte Arbeiten in der derzeitigen Krise zusammengestellt. Dabei stützen wir uns, so gut es geht, auf wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse.

Da die bisherige Forschung zu Home Office aber praktisch ausschliesslich auf freiwilligem, zeitlich beschränktem Home Office beruht, ist dieses Wissen nur bedingt nützlich. Wir greifen daher grösstenteils auf Basiswissen der Arbeits- und Organisationspsychologie, unseren Sachverstand, sowie unsere Erfahrungen aus Praxisprojekten zurück. Seit vielen Jahren führen wir anwendungsorientierte Forschung sowie Weiterbildung zu diesen Themen durch.

Der Text richtet sich an alle Menschen in Erwerbsarbeit, die derzeit im Home Office arbeiten müssen. Einzelne Abschnitte betreffen besondere Situationen: Home Office mit Kindern, Home Office für Alleinwohnende, Home Office und Krankheit. Im letzten Abschnitt geht es zusätzlich darum, was Unternehmen und Vorgesetzte tun können.

Sie dürfen diesen Text gerne verbreiten und auch weiterverwenden, solange Sie die Quelle benennen.

Hauptautor

Dr. Johann Weichbrodt, Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW

Beiträge und Feedback von:

Cornelia Bader, Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW
Dr. Daniel Boos, SBB IT
Dr. Sarah Genner, GENNER.CC
Renate Jenni, Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW
Dr. Michaela Knecht, Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW
Alexandra Kühn, Work Smart Initiative
Prof. Dr. Tanja Manser, Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW
Magdalena Mateescu, Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW
Prof. Dr. Laurenz Meier, Universität Neuchâtel
Prof. Dr. Oliver Rack, Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW
Prof. Dr. Hartmut Schulze, Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW
Katrina Welge, Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW

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