Hightech, nah am Wasser gebaut
Selina Przyjemskis prämierte Schwimm-Wendehilfe für sehbehinderte Menschen fördert Inklusion im Sport.
Für viele sehbehinderte Menschen ist Schwimmen etwas Besonderes, denn im Wasser trainieren sie ihre sensorische Wahrnehmung. Ein Problem aber ist das Ende der Bahn. Ohne visuelle Orientierung braucht es ein Signal zum Wenden von einer Begleitperson.
Das brachte Prof. Dr. Hanspeter Schmid, Dozent am Institut für Sensorik und Elektronik der Hochschule für Technik und Umwelt FHNW, auf eine Idee. Eine smarte Wendehilfe könnte den Sport selbstständiger und sicherer machen. «Das wäre eine spannende Aufgabe für eine Bachelorarbeit, wenn auch knifflig.» Wasser, wechselnde Lichtverhältnisse und Temperaturschwankungen sind eine echte Härteprüfung für jede technische Lösung. Wer diese Herausforderung meistert, könnte einen wertvollen Beitrag zur Inklusion im Sport leisten.
Selina Przyjemski, Absolventin des Studiengangs Elektro- und Informationstechnik, musste nicht lang überlegen: «Mich hat das ausgeschriebene Bachelor-Thema sofort angesprochen, erstens weil es sinnstiftend ist und zweitens, weil ich es cool finde, etwas komplett Neues von Grund auf zu entwickeln.» Besonders reizvoll fand die Elektrotechnikerin die Kombination mehrerer Bereiche von (Elektro-)Technik: Hardware, Software und Mechanik.
Wie lässt sich die Distanz der Schwimmerin zum Beckenende so präzise messen, dass der richtige Zeitpunkt zum Wenden erkannt wird? Diese Frage steht im Mittelpunkt der technischen Entwicklung. Möglichkeiten gibt es auf den ersten Blick viele: Ultraschall, Kameras, Künstliche Intelligenz, Radarsensoren oder die Distanzmessung über ein elektromagnetisches Feld. Doch nichts erweist sich als tauglich. Die Kameralösung etwa scheitert an den starken Lichtreflexionen auf der Wasseroberfläche und muss aus Datenschutzgründen verworfen werden: Andere Personen im öffentlichen Raum mitzufilmen, ist keine Option.
Selina Przyjemski sucht beharrlich weiter. In der neuartigen Funktechnologie namens Ultra-Wide-Band (UWB) gelingt ihr schliesslich die präzise Abstandsmessung zwischen Schwimmerin und Beckenende (siehe Box). Das ist ein Meilenstein. Denn UWB wird typischerweise in Innenräumen genutzt, um zum Beispiel Waren in Logistiklager zu orten. In Wassernähe galt die Technologie als unzuverlässig.
Für diese Leistung gewinnt Selina Przyjemski den Preis für die beste Bachelorarbeit der Hochschule für Technik und Umwelt FHNW und der Hochschule für Informatik FHNW. Sie wird ausserdem für den Siemens Excellence Award 2026 nominiert.
Das Setup schneidet die Studentin zunächst auf den Brust-Schwimmstil einer blinden Testschwimmerin zu. Das System sei erstaunlich einfach handzuhaben, sagt diese. Vor allem gebe es ihr Autonomie und Sicherheit.
Die Anwendung eignet sich für unterschiedlichste Schwimmstile und Trainingsformen, vom gemütlichen Bahnenziehen zum leistungsorientierten Wettkampf.
Prof. Dr. Sebastian Gaulocher, Studiengangleiter Elektro- und Informationstechnik an der Hochschule für Technik und Umwelt FHNW sagt über die Arbeit: «Was am Ende einfach wirkt, ist selten leicht zu erreichen. Diesen Spagat hat Selina Przyjemski gemeistert. Sie hat ein leicht zu bedienendes, praxistaugliches Tool geschaffen, das aber auf einem komplexen technischen Fundament steht. Der Weg dorthin war anspruchsvoll. Selina Przyjemski hat ihre Idee mit grosser Ausdauer vorangetrieben.»




