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Als Schweizerin war ich ein Sonderfall!

Psychologiestudentin Lorena Muff hat ein Auslandssemester in Osnabrück absolviert. Hier berichtet sie von den Hürden der Bürokratie, dem Studienalltag an der Hochschule und dem Wohnen in der internationalen Studenten-WG.

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  • Studium: Bachelor Angewandte Psychologie, 6. Semester
  • Auslandssemester: Hochschule Osnabrück, Osnabrück, Deutschland (September 2019 bis Februar 2020)

Interview mit Lorena Muff

Warum hast du dich für ein Auslandssemester in Osnabrück entschieden?

Weil ich eine kleine Stadt zum Leben schätze und das Angebot an Modulen an der Hochschule Osnabrück sehr vielfältig ist. Ausserdem wurde ich von Beginn an freundlich betreut und erhielt auf Mailanfragen immer umgehend nützliche Antworten.

Wie unterscheidet sich der Studienalltag dort von dem an der FHNW?

Der Unterricht:
Die Präsenzzeit ist oft länger als an der FHNW, da mit den meisten Modulen 5 ECTS Punkte erreicht werden. Je nach Modul handelt es sich um Frontalunterricht oder um POL, das bedeutet Problemorientiertes Lernen. In diesem Format eignen sich die Studierenden den Unterrichtsstoff durch Lesen von Texten zu Hause selbst an. Im Unterricht werden anschliessend Lernfragen diskutiert. Im Gegensatz zur FHNW fanden meine gewählten Module regelmässig jede Woche statt, was die Planung erleichtert hat. Meistens unterrichten Dozierende 2 Stunden und machen dann eine Pause, was ich mir von der FHNW nicht gewohnt war. Die Interaktion zwischen Dozierenden und Studierenden ist höher als an der FHNW, insbesondere da es kleinere Klassen sind (meist 15 – 35 Studierende). Ausserdem machen viele Studierenden Notizen von Hand und bringen ihren Laptop nicht in den Unterricht mit. Am Ende der Vorlesung wird geklopft und nicht geklatscht.

Der Campus:
Der Campus der Hochschule Osnabrück ist grösser und auf verschiedene Standorte in der Stadt verteilt. Einige Standorte teilt sich die Hochschule mit der Universität. Es befinden sich verschiedene Studienrichtungen an den einzelnen Standorten, so dass man mit vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt kommt. Osnabrück ist eine sehr fahrradfreundliche Stadt, was das Herumkommen erleichtert hat. Ich genoss es, eine Zeit lang nicht an den Studienort pendeln zu müssen, sondern in Geh- resp. Fahrrad-Distanz zu wohnen. Ausserdem gibt es auf dem Campus mehrere Mensen mit sehr günstigen Angeboten und eine grosse Bibliothek mit viel Platz, sogar in der Lernphase.

Die Organisation:
Das OSCA (Osnabrücker Campus Aktivitäten) ist sowas wie das Moodle und als Internetseite oder App zugänglich. In der App kann man den Stundenplan mit Raumangaben, den Menüplan, die Prüfungsergebnisse und Weiteres einsehen. Dies fand ich sehr praktisch.

Der Studierendenausweis:
Mit dem Studierendenausweis darf man Busse in der Stadt Osnabrück und langsame Züge im ganzen Bundesland Niedersachsen kostenlos nutzen. Mit dem Zug kommt man bis nach Hamburg oder sogar in die nahe gelegene Niederlande. Ausserdem gilt der Ausweis als Kulturticket. Dieses ermächtig zum kostenlosen Eintritt in diverse Museen und zu kostenfreien Besuchen von Theatervorstellungen.

Gibt es ein besonderes Erlebnis, von dem du erzählen möchtest?

Bürokratie kann ganz schön nerven, doch sie ermöglicht auch einen spannenden Einblick in die Funktionsweisen eines anderen Landes. Und es macht stolz, wenn man die Hindernisse überwunden hat. Als Schweizerin war ich ein Sonderfall, da ich zwar Europäerin jedoch nicht EU-Bürgerin bin. Dies hat zu Beginn für einige Unklarheiten gesorgt. Noch nie habe ich den Unterschied zwischen der Schweiz und einem EU-Land so stark erlebt.

Was war der grösste Anreiz, dich für ein Austauschsemester anzumelden?

Der Kontakt mit Menschen aus aller Welt und die Erfahrung, in einem Studentenwohnheim zu leben. Dies ist etwas, was ich allen sehr empfehlen kann! Auch wenn ich «nur» in Deutschland war, habe ich meine Englischkenntnisse durch den täglichen Gebrauch in meiner internationalen WG verbessert und bin viel mit Leuten aus aller Welt in Kontakt gekommen. Wir wohnten zusammen, kochten zusammen und füreinander, nahmen gemeinsam an Ausflügen oder Anlässen der Hochschule teil, besuchten nahe gelegene Städte und feierten nächtelang. Es ist eine unvergleichliche Erfahrung. Der Kontakt zu den anderen internationalen Studierenden ist einfach, da diese meistens aufgeschlossen und in der gleichen Situation sind. So habe ich neben einem Einblick in die deutsche Kultur auch viel über Länder wie Rumänien, Italien, Finnland, Taiwan, Jemen, Brasilien, Marokko und viele mehr gelernt.

Was würdest du Studierenden raten, die ein Auslandssemester absolvieren möchten?

Egal, wohin man geht, es wird eine unvergessliche Zeit und sie verfliegt viel zu schnell. Geniesst jeden Augenblick und stellt euch den Herausforderungen – es lohnt sich! Scheut euch ausserdem nicht, Fragen zu stellen. Meistens wird euch freundlich und gerne geholfen.
Ich würde sofort wieder ein Auslandsemester absolvieren!

März 2020

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