Programm

7. Internationale Tagung Soziale Arbeit und Stadtentwicklung

Donnerstag, 20. Juni 2024

09.15 – 09.45Begrüssung und Einführung
Agnès Fritze, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW
Lukas Ott, Leiter Kantons- und Stadtentwicklung, Kanton Basel-Stadt
09.45 – 10.30
Keynote I
Prof.in Dr.in Anke Strüver, Institut für Geographie und Raumforschung
Universität Graz
10.30 – 11.00Pause
11.00 – 11.45Keynote II
Erfahrungen mit digitaler Bürgerbeteiligung in Hamburg
Claudius Lieven, Leiter Stabsstelle Stadtwerkstatt und Partizipation
Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen, Stadt Hamburg 
11.45 – 12.30Keynote III
Elizabeth Caldéron Lüning, Democratic Society (Demsoc), Brüssel
12.30 – 14.00Pause
14.00 – 18.00Hands-on Workshops
18.30Netzwerkanlass & Abendessen in der Markthalle Basel-Stadt

Freitag, 21. Juni 2024

09.00 – 10.30Workshop / Panel
10.30 – 11.00Pause
11.00 – 12.30Workshop / Panel
12.30 – 14.00Pause
14.00 – 14.45Plenumsdiskussion (Moderation: Dr. Anna Becker)
14.45 – 15.00Verabschiedung

Keynotes, Donnerstag 20. Juni 2024, Vormittag

Prof.in Dr.in Anke Strüver
Institut für Geographie und Raumforschung, Universität Graz

Claudius Lieven, Leiter Stabsstelle Stadtwerkstatt und Partizipation
Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen, Stadt Hamburg

Der Vortrag schildert die Entwicklung der digitalen Bürgerbeteiligung in Hamburg. Vor gut 10 Jahren wurde in dem Stadtstaat eine Leitstelle für die Bürgerbeteiligung in der Stadtentwicklung eingerichtet, die Stadtwerkstatt. Diese entwickelte zusammen mit Partnern aus der Forschung ein „Digitales Partizipationssystem“ (DIPAS), um digitale Bürgerbeteiligung für alle Verwaltungsakteure in Hamburg anbieten zu können (online www.dipas.org). Ausgangspunkt war der Gedanke, dass mit digitalen Beteiligungsangeboten viele Menschen erreicht werden können und diese leicht und kostengünstig skalierbar sind. Seit 2016 ist DIPAS in Betrieb und mittlerweile wurden damit in Hamburg über 100 Beteiligungsverfahren durchgeführt. DIPAS wird primär für informelle Beteiligungsverfahren in einem weiten Themenspektrum genutzt, von Mobilität, Städtebau, Grünplanung, Sozialraum, Klima bis zu Spielplatzplanungen. Der Vortrag skizziert die Funktionsweise des Systems und schildert Erfahrungen, die beim Einsatz in verschiedensten Beteiligungsverfahren und Einsatzgebieten gemacht wurden. DIPAS kann online und bei Veranstaltungen genutzt werden. Letzteres stellt besondere Anforderungen an die Gestaltung digital-unterstützer co-creativer Workshopkonzepte. Dazu wird kurz das DIPAS_stories Feature vorgestellt, einem Tool für digitales Storytelling. Eine Besonderheit von DIPAS ist die starke Nutzung von GIS-Daten, Karten, Plänen bis hin zu 3D-Stadtmodellen zur Veranschaulichung von Planungsvorhaben. Bei der Entwicklung des Systems gab es neben technischen Herausforderungen auch methodische und strukturelle Probleme zu lösen. Themen wie Open-Source und Open-Data Strategie, Datenschutz, digitale Barrierefreiheit, Einsatz-, Betriebs- und Rollenkonzepte und Schulungsangebote spielen dabei eine Rolle. Relevant sind aber auch Fragen der Einbindung der Nutzer:innen bei der (Weiter)Entwicklung des Systems, der Gestaltung von Transparenzfeatures, User-Interfaces, und algorithmischen Auswertungswerkzeugen. Beleuchtet werden kurz auch Herausforderungen, Zielkonflikte und Limitierungen wie der Trade-off zwischen Niedrigschwelligkeit und Erfassung von Nutzer:innendaten und die Vermeidung missbräuchlicher Nutzung. Mittlerweile wird DIPAS von mehreren Städten in Deutschland eingesetzt. Zum Austausch von Erfahrungswissen und zur kollaborativen Weiterentwicklung wurde 2023 eine Anwender-Community gegründet. Ziel der Community ist es, digitale Beteiligungsangebote zu verbessern, ihre Nutzung zu verbreitern und das DIPAS-System gemeinsam weiterzuentwickeln

Elizabeth Caldéron Lüning
Democratic Society (Demsoc), Brüssel

Hands-on Workshops, Donnerstag, 20. Juni 2024, 14.00 – 18.00 Uhr

Lars Kaiser (Urban Equipe)

Die aus Barcelona stammende Online-Partizipationsplattform «Decidim» hat sich seit 2016 zu einer internationalen Community entwickelt und findet weltweit ihren Einsatz. So auch in der Schweiz: Die Städte Köniz, Lausanne, Luzern, Winterthur & Zürich und die Kantone Bern und Genf haben Decidim-Plattformen im Einsatz. «Decidim» ist weit mehr als ein digitales Tool, denn eine Anwendung der Plattform setzt ein demokratisches Verständnis hinsichtlich Nachvollziehbarkeit, Transparenz und Integrität von Entscheidung und der Datenhaltung voraus. Dieses Verständnis wird im Decidim Social Contract, einer Art sozialer Nutzungsvereinbarung, festgehalten.

Der Workshop gibt einen Einblick über die zahlreichen Funktionen (Vorschläge, Veranstaltungen, Diskussionen, Budgets und viele mehr) und Abläufe auf der Plattform. Die Rahmenbedingung für die Nutzung von Decidim hinsichtlich Open Source Community und dem Decidim Social Contract werden vorgestellt. Teilnehmende können ihren eigenen Mitwirkungsprozess auf Decidim aufbauen und für sich selber entscheiden, in welchen Fällen sich ein Einsatz von Decidim lohnt oder nicht.

Geleitet wird der Kurs von Lars Kaiser von der Urban Equipe. Der Verein hat in den vergangenen Jahren vertieft Erkenntnisse mit Decidim gesammelt, etwa in der Konzipierung des Mitwirkungsportal der Stadt Zürich «Mitwirken an Zürichs Zukunft», der Co-Kreationsplattform Winterthur oder durch die Durchführung von Prozessen auf den Decidim-Umgebungen in Köniz, Luzern oder dem Kanton Bern.

Nicole Wolf (wechange eG)

Heute erfolgen Vernetzung und Kollaboration mit und unter den Akteuren der Stadtgesellschaft vielfach über digitale Plattformen. Auch Beteiligungsprozesse der Stadt mit Bürger:innen werden zunehmend mit Online-Tools unterstützt. Digitale Werkzeuge bieten viele Chancen und neue Organisations- und Partizipationsmöglichkeiten. Sie dienen dazu, Interessengruppen zusammenzuführen sowie Informationen und Wissen zu vermitteln. Sie ermöglichen dezentrale und asynchrone Zusammenarbeit an Texten und Prozessen sowie synchrone und asynchrone Kommunikation, z.B. mittels Diensten für Videokonferenz, Chat oder Diskurs sowie übergreifendes Projekt-, Aufgaben- oder Veranstaltungsmanagement.

Gleichzeitig bergen diese Anwendungen aber auch erhebliche Risiken hinsichtlich der nachhaltigen Transformation unserer Gesellschaft. Dazu zählen unerwünschte ökologische Nebenwirkungen und Rebound-Effekte, aber auch soziale Herausforderungen wie Informationsasymmetrien, Lock-in-Effekte und Machtverschiebungen.

Wie können wir – als User oder aber auch als Provider der digitalen Angebote – diesen Risiken systematisch begegnen? Anhand welcher Kriterien können wir die Nachhaltigkeit von digitalen Tools oder Plattformen und den damit verbundenen Dienstleistungsunternehmen bewerten? Wie können Plattformlösungen und Apps zur Kollaboration und Vernetzung nachhaltig gestaltet und betrieben werden?

Das Beispiel der von einer Genossenschaft angebotenen Community- und Kollaborations-Plattform WECHANGE (https://wechange.de) zeigt dafür gute Ansätze. Dieser Workshop zeigt komplexe Zusammenhänge auf und vermittelt neue Impulse. Zusammen beleuchten wir Perspektiven, klären Begriffe wie „Digitale Suffizienz“ oder „Gemeinwohl-Orientierung“ und entwickeln ein gemeinsames Verständnis von nachhaltiger Digitalisierung und den damit verbundenen Herausforderungen. Nicht zuletzt behandelt wir konkrete Indikatoren für nachhaltige digitale Werkzeuge.

Gesa Feldhusen & Jeannie Schneider (Think & Do Tank Dezentrum)

Die digitale Transformation beeinflusst unser Leben grundlegend: Die ehemals getrennten Sphären von online und offline verwischen immer mehr. Das Navigieren in der hybriden Gegenwart erfordert ein grundsätzliches und praktisches Verständnis über die Funktionsweise technologischer Entwicklungen. Diese digitalen Kompetenzen zu erlangen, ist nicht einfach. Daher haben wir einen Audiowalk für Basel entwickelt um digitale Kompetenzen zu vermitteln. Ein Audiowalk ist eine Stadtführung, bei der Personen über Kopfhörer eine Audioaufnahme hören, die die technologische Entwicklungen in der Stadt näher bringt. Der Ansatz des Audiowalks ermöglicht es, wichtige Aspekte der Digitalisierung nachvollziehbar abzudecken.

In Basel soll es darum gehen das Internet als digitale Infrastruktur anzusehen und wie die vermeintlich unsichtbare Digitalisierung, in Basel an spezifischen Orten wie dem Claraplatz sichtbar gemacht werden kann. Zum Beispiel die Frage der digitalen Teilhabe und Öffentlichkeit: Wir wissen, dass der öffentliche Raum strukturiert ist. Die Raumentwicklung entscheidet, auf welchen Plätzen wir grillieren und welche wir schnell überqueren. Analog dazu bestimmen Designentscheidungen wie z.B. die Benutzer:innen-Oberflächen, wie wir uns im digitalen Raum bewegen. Nudging, Dark Patterns oder personalisierte Inhalte lenken unser Verhalten im digitalen Raum wie Ampeln und Strassenschilder. So stellt sich die Frage wo fängt das digitale an und wo hört es auf?

Mit dem Walk auch Basel möchten wir neue Denkanstösse geben und Diskussionen führen.

Sophia Schwager (Catapult)

Junge Menschen gestalten ihre Stadt mit!

CATAPULT hat den Ansatz: «von jungen Menschen, für junge Menschen». Die Peer-to-peer Förderplattform wurde von jungen Menschen (14 – 25 J.) in einem co-kreativen Prozess entwickelt und aufgebaut. Seit 2022 vergibt CATAPULT Fördergelder an Ideen und Projekte junger Menschen im Raum Basel. Die Förderplattform wird von jungen Menschen selbst betrieben und stetig weiterentwickelt. Die Ideen und Projekte, welche CATAPULT fördert, sollen entlang der Bedürfnisse junger Menschen gefördert werden. So entscheidet eine 25-köpfige Gruppe aus jungen Menschen unterschiedlicher Communities gemeinsam, welche Ideen und Projekte gefördert werden sollen. CATAPULT möchte künftig die Entscheidungsprozesse hybridisieren, damit der Zugang zur Entscheidung noch niederschwelliger funktioniert und möglichst viele junge Menschen im Raum Basel mitentscheiden können, welche Ideen und Projekte Gelder erhalten. 

Wie können hybride Entscheidungsprozesse möglichst niederschwellig gestaltet werden? Welchen Einfluss haben hybride Entscheidungsprozesse auf Entscheidungen? Welche Herausforderungen gibt es, unter anderem auch im digitalen Bereich? Welche Arten der Partizipation sind in der physischen, welche in der digitalen Welt niederschwelliger? Wie können junge Menschen ihre Stadt mitgestalten? Fragen wie diese werden gemeinsam im Workshop diskutiert und mögliche Antworten darauf gefunden. Entscheidungsprozesse werden entworfen und durchgespielt, um die Grenzen der physischen Entscheidungsmöglichkeiten auszuloten sowie die Möglichkeiten der digitalen Perspektiven aufzuzeigen.

Für die Teilnahme nehmen Sie bitte Ihr Smartphone mit.

Joval Lienhardt (Digital Competence Hub FHNW)

Der Workshop «Mobile Videoproduktion» bietet eine interaktive und praxisorientierte Einführung in die faszinierende Welt der Videoproduktion mit Smartphones. In einem zunehmend digitalen Zeitalter, in dem mobile Geräte allgegenwärtig sind, gewinnt die Kunst der Smartphone-Videografie immer mehr an Bedeutung. Dieser Workshop, der im Rahmen einer Konferenz stattfindet, richtet sich an Teilnehmer*innen, die ihre filmischen Fähigkeiten spielerisch durch Hands-on entdecken möchten.

  • Grundlagen der Videoproduktion

Der erste Teil des Workshops bietet eine kurze Einführung in die Grundlagen der Videoproduk-tion. Dabei werden wesentliche Elemente beleuchtet, die für die Erstellung eines Films von Bedeutung sind. Dazu gehören die notwendige Ausrüstung sowie wichtige Überlegungen, die bei der Filmproduktion berücksichtigt werden sollten.

  • Filmen mit dem Handy

Die Teilnehmenden werden in Kleingruppen aufgeteilt, um Videoaufnahmen mit Mobiltelefonen zu machen. Es stehen verschiedene vorgegebene Themen zur Auswahl, aber auch das Einbringen eigener kreativer Ideen ist möglich und erwünscht.

  • Einführung in das Videoschnittprogramm

Eine kurze Einführung in das Videoschnittprogramm Filmora steht im Mittelpunkt dieses Abschnitts. Die Teilnehmenden erhalten einen Einblick in die grundlegenden Funktionen und Arbeitsabläufe.

  • Video schneiden ggf. Effekte und Overlays einfügen

Alle Teilnehmenden haben die Möglichkeit, das aufgenommene Videomaterial zu bearbeiten und in ein unterhaltsames und interessantes Video zu verwandeln. Dabei werden sie mit den Funktionen des Videoschnittprogramms vertraut gemacht und können bei Bedarf Effekte und Overlays einfügen.

  • Präsentation der entstandenen Videos mit Feedbackrunde

Im letzten Teil des Workshops werden alle erstellten Videos im Plenum präsentiert. Eine ausführliche Diskussion und Feedbackrunde ermöglicht den Teilnehmenden, ihre Erfahrungen auszutauschen und konstruktives Feedback zu erhalt

Voraussetzungen:

  • BYOD. (Datenübertragung: Smartphone -> Computer muss gewährleistet sein).
  • Filmora auf dem Rechner bereits installiert.

Indre Grumbinaite (Digital Competence Hub FHNW)

In diesem 3.5-stündigen Workshop werden die Teilnehmer*innen die Grundlagen der visuellen Kommunikation kennenlernen und sich mit den Prinzipien des Grafikdesigns und der Bedeutung einer effektiven visuellen Kommunikation auseinandersetzen.

Der Workshop verbindet Theorie und praktische Übungen, bietet Gelegenheiten zur Teilnahme an Diskussionen, zum Stellen von Fragen und zur Beteiligung an praktischen Übungen mit sofortigem Feedback und Erkenntnissen.

Die Aktivitäten sind speziell auf die täglichen Kommunikationsbedürfnisse der Teilnehmer*innen abgestimmt und stellen sicher, dass die erworbenen Fähigkeiten direkt in den beruflichen Kontext einfliessen, sei es im Studium oder in der Praxis.

Dieser Workshop richtet sich an Teilnehmer*innen mit unterschiedlichen Vorkenntnissen. Er vermittelt wichtige Techniken und Ressourcen, führt die Teilnehmer*innen in die benutzerfreundliche Grafikdesign-App (Adobe Express) ein und gibt praktische Tipps für die Erstellung visuell überzeugender Inhalte.

Während des Workshops werden wir jeden Schritt des Designs kurz behandeln, von der Ideenskizze bis zur Entwicklung eines kleinen Prototyps am Ende.

Am Ende des Workshops werden die Teilnehmer ein tieferes Verständnis für visuelle Kommunikation gewonnen haben und über grundlegende praktische Fähigkeiten verfügen, um ansprechendes visuelles Material zu erstellen.

Zielsetzung: Der Workshop zielt darauf ab, die visuellen Kommunikationsfähigkeiten der Teilnehmer*innen durch eine Kombination aus theoretischem Verständnis und praktischen Übungen zu verbessern.

Teilnehmer*innen: Geeignet für Fachleute aus verschiedenen Bereichen, die ihre Fähigkeiten in der visuellen Kommunikation verbessern wollen. Maximal 12 Teilnehmer*innen.

Benötigte Materialien:

  • Laptop
  • Registriertes Konto bei Adobe Express (kostenlose App, Registrierung erforderlich https://www.adobe.com/express/)
  • Powerpoint / Keynote / etc Präsentationsfolien zur Bearbeitung.

Dr. Regina Sipos (TU Berlin) & Dr. Alex Kutschera

In diesem Workshop möchten wir die Teilnehmenden dazu einladen, gemeinsam Stadtentwicklung zu hacken. Der Workshop bewegt sich weg von der Erarbeitung von Lösungen für Probleme, stattdessen konzentrieren wir uns auf die Erkundung des Problemraums. Das Grundkonzept des Workshops basiert hauptsächlich auf erstens, die Empfehlung von Agre, Reflexivität in den Designprozess einzubeziehen, sodass Vorurteile so früh wie möglich aufgedeckt werden können (Agre 1997) und zweitens, Critical Making: «Eine Zusammenführung zweier typischerweise nicht miteinander verbundener Formen der Auseinandersetzung mit der Welt – „kritisches Denken“ (…) und „das Machen“ (Ratto & Hockema 2009).

Im Workshop wird das Unsichtbare durch spekulative Stadtlandschaften sichtbar gemacht. Wir werden physische Prototypen von Stadtvierteln erstellen und dann spekulative Überlagerungen mit künstlicher Intelligenz erzeugen, um die potenzielle digitale Infrastruktur hinter Smart- und Meta-Cities besser zu verstehen. Wir werden uns reflexive Fragen stellen und inhärente Vorurteile, Hürden und Ausgrenzung ans Licht bringen. Ziel ist es, diese Reflexivität in den Gestaltungsprozess einzubringen, damit in der Stadtplanung der Zukunft negative Aspekte frühzeitig angegangen werden können.

Der Zeitplan des Workshops sieht folgendermaßen aus:
14:00-14:30: Einführung in Critical Making und die Versprechen von Metacities
14:30-16:30: Praktischer Critical-Making-Workshop, einschließlich Prototyping, Erstellung von KI-Prompts und laufende Diskussionen
16:30-17:00: Auswertung der wichtigsten Erkenntnisse und Nachbereitung

Es sind keine technischen Vorkenntnisse erforderlich. Wir werden Materialien zur Verfügung stellen, aber wir laden die Teilnehmer ein, kleinere Gegenstände mitzubringen, die in ein kleines Modell eines Stadtviertels passen könnten, das Gruppen von Bürgern (z. B. eine Rollstuhl Miniatur) oder Infrastrukturen (z. B. Spielzeugauto) darstellt.

Referenzen: Phil E. Agre: Toward a Critical Technical Practice in Bridging the Great Divide: Social Science, Technical Systems, and Cooperative Work, Erlbaum, 1997; Ratto & Hockema, S. FLWR PWR: Tending the Walled Garden. 2009, 51-60

Martin Dušek (Fjord, Accenture Design)

Tauche in die Welt des Service Designs ein und lass dich dazu ermutigen, Herausforderungen—in der Stadtentwicklung, Sozialen Arbeit und darüber hinaus—durch Design-Ansätze zu lösen.

Der Workshop richtet sich sowohl an jene, die keinerlei Erfahrung mit Design haben, wie auch an diejenigen, die auch schon einmal an einem «Design Thinking Workshop» teilgenommen haben, oder sogar selber Designer:innen sind.

A. Was kannst Du erwarten?

  • Spielerisch lernen die Workshop-Teilnehmer:innen die Herangehensweise eines Service Designers kennen (Methoden, Denkweisen, alltägliche Herausforderungen).
  • Workshop-Teilnehmer:innen wenden Design-Methoden an realen (siehe Absatz «Was kannst Du vorbereiten?») und/oder fiktiven Problemstellungen an.
  • Fallbeispiele zu Service Design in Public Services machen das Erlernte greifbar(er) und setzen es in einen grösseren Kontext.

B. Was kannst Du vorbereiten?

  • Bringe dein eigenes «Problem» mit, welches die Grundlage für das selbstständige Explorieren unterschiedlicher Design-Methoden bildet.
  • Lade hier (https://shorturl.at/fprN3) die Anleitung, in welchem du Schritt für Schritt durch die erste Design-Methode geführt wirst und welche dir hilft, das «Problem» zu beschreiben herunter.
  • Wenn du keine Zeit oder Lust hast: Macht nichts! Du kannst als Basis für das Ausprobieren der Design-Methoden vorgefertigte «Probleme» nehmen. Es macht auf jeden Fall mehr Spass (und ist lehrreicher), Methoden an einem selbst-beobachteten Beispiel anzuwenden.

– – –

Was zum Henker ist Service Design? Als Service Designer unterstütze ich Unternehmen dabei, Herausforderungen zu bewältigen. Beginnend mit qualitativer Recherche wie Interviews und Fokusgruppen, visualisieren wir gewonnenes Wissen mittels Journey Maps und Blueprints. In gemeinsamen Workshops mit Kunden priorisieren und entwickeln wir Lösungsansätze, die prototypisch skizziert und mit Endverbrauchern getestet werden. Dieser iterative Prozess wiederholt sich, bis eine zufriedenstellende Lösung gefunden ist.

Zeno Steuri & Pascale Bächler (KinderKraftWerk Basel)

Um die Qualität des öffentlichen Raumes in Bezug auf die Bedürfnisse und Sicherheit von Kindern zu erforschen, unternehmen wir vom KinderKraftWerk Streifzüge in ihrem direkten Lebensumfeld. Dazu erfassen wir die Kommentare der Kinder zur Qualität und Erreichbarkeit ihrer Schulstandorte und Freizeitorte im Originalton. Wo früher ein Protokollblock, ein GPS Gerät und Videokamera nötig waren, können wir heute mit einem einzigen Gerät arbeiten – Dem Tablet, mit welchem wir Audio- Video- und Bilddateien erstellen können.

Zur Dokumentation dieser Erkundungstouren nutzen wir eine Applikation, welche geeignete Schnittstellen hat zum Datendownload hat, die sich in der Nacharbeit mit dem GIS System der Wohngemeinde abbilden lassen. Damit ist auch eine nachhaltige Bewirtschaftung dieser Daten, namentlich die Erfassung von Verbesserungen an der Infrastruktur oder Sicherheit der Freizeitorte und Verkehrssituationen gesichert. Wie das geht, zeigen wir in einem Hands-on Workshop bei der wir auch ein kleine Erkundungstour vor Ort digital dokumentieren.

Für die Teilnahme am Workshop benötigen Sie ein Smartphone oder Tablet.

Hands–on Workshop moderiert vom Verein Radarstation mit fachlichen Inputs zum reflektierten Einsatz von digitalen Tools in der Quartierarbeit.
Nina Müller & Eike Rösch (Radarstation)

Wenn es um Stadtentwicklung in der Digitalität geht, kommen schnell spezifische Tools in den Blick – oft verbunden mit dem Wunsch, dass allein die Technologie Veränderungen befördern kann wie etwa mehr Partizipation. Allerdings sind es nach wie vor vor allem fachliche Aspekte, die Menschen und ihre Beziehungen, die Quartiere lebenswert machen. In diesem Workshop möchten wir gemeinsam erarbeiten, welche fachlichen Herangehensweisen lebendige Quartiere in der Digitalität voranbringen und welche Rolle digitale Tools in diesem Zusammenhang spielen können.

Neben einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Smart City Konzept, wollen wir uns gemeinsam über die Haltung der Sozialen Arbeit im Umgang mit Digitalität austauschen und Einblick in den Arbeitsalltag der Teilnehmenden gewinnen. Neben Input und Diskussion bietet der Workshop Raum für konkretes Experimentieren mit diversen Tools für die Bereiche Partizipation, Projektmanagement und Kommunikation. Gemeinsam soll erarbeitet werden wo, unter welchen Bedingungen und mit welchem Ziel Digitalität als Ansatz in der Quartierarbeit dazu beitragen kann Quartiere lebendiger, lebenswerter und demokratischer zu gestalten. Die fachlichen Inputs und das gemeinsame Erproben neuer Tools sind praxisnah und praxistauglich gestaltet.
Für die Teilnahme bringen Sie bitte möglichst Laptop und Smartphone mit.

Beatrijs Dikker & Michael Wirths (Topio – public space for privacy)

Um an der Gesellschaft teilhaben zu können, sind wir zunehmend auf digitale Zugänge angewiesen – und damit auf die Werkzeuge, die uns Google, Apple, Meta & Co. anbieten. Deren auf Überwachung basierende Geschäftsmodelle zwingen uns zu einem faustischen Handel: Um unsere Grundrechte im Netz zu verwirklichen, müssen wir uns einem System unterwerfen, das auf Menschenrechtsverletzungen basiert.

Im Hands-on-Workshop erfährst du, welchen Einfluss die Geschäftsmodelle der großen Tech-Konzerne auf unsere Gesellschaft und unsere Grundrechte haben und was du selbst tun kannst, um Teil einer gemeinwohlorientierten digitalen Transformation zu werden.

Gemeinsam erarbeiten wir die Grundkonzepte und Möglichkeiten freier Open-Source-Anwendungen und -Plattformen: von dezentralen Social-Media-Angeboten, freien Appstores als Alternative zu Google Play bis hin zu trackingfreien Apps für Navigation und E-Mail, YouTube ohne Werbung und Personalisierung. Freie und privatphärefreundliche Betriebssysteme für Smartphones können ausprobiert werden.

Im Workshop laden wir zum Erfahrungsaustausch und zur Diskussion ein.

Wir gehen auf individuelle Bedürfnisse und Fragen ein und erarbeiten gemeinsame Handlungsmöglichkeiten. Bitte bringt eure Geräte zum Ausprobieren mit (Android-Geräte bevorzugt). Der Workshop ist auch für Interessierte ohne Vorkenntnisse geeignet. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Über uns:

Topio ist ein gemeinnütziger Verein aus Berlin. Wir arbeiten daran, dass eine digital vernetzte Gesellschaft mehr sein kann als ein privatisierter und kommerzialisierter Überwachungsapparat und setzen uns für eine soziale und gleichberechtigte digitale und analoge Teilhabe ein. Seit 2022 betreiben wir unseren ersten »privacy store» in einer Markthalle in Berlin. Mit Beratungs- und Supportworkshops bauen wir einen Ort der digitalen Selbstbestimmung. Es entsteht ein realer Anlaufpunkt der wir uns mit den individuellen und gesellschaftlichen Herausforderungen der digitalen Transformation auseinandersetzen und den digitalen Wandel unter demokratischen Gesichtspunkten mitgestalten.

Christine Mühlebach (sozialinfo.ch)

Die Digitalisierung stellt soziale Organisationen vor vielfältige Herausforderungen. Je nach Blickwinkel, Interessen und – nicht zuletzt – eigenem Knowhow tauchen ganz unterschiedliche Fragen und Themen auf. Oft ist es schwierig, organisationsintern ein gemeinsames Verständnis und eine klare Ausrichtung zu finden, wo die Reise der digitalen Entwicklung hinführen soll. Dabei stellen sich gleichermassen Fragen nach neuen Bedarfen auf der Seite von Adressat*innen und weiteren Anspruchsgruppen sowie nach internen Prozessen, Kompetenzen und Ressourcen. Gleichzeitig bestehen für die sozialen Organisationen strukturelle Rahmenbedingungen, die zusätzliche Hürden darstellen können.

Insgesamt stellt sich die zentrale Frage: Wie können sich soziale Organisationen im «digitalen Dschungel» so orientieren, dass ihre vorhandenen Ressourcen dort in die digitale Entwicklung investieren, wo es am sinnvollsten ist resp. den grössten Nutzen bringt. Um für die Digitalisierung sinnvolle und nützliche Schritte in Angriff zu nehmen, ist die Bestimmung der Ausgangslage ein erster wesentlicher Schritt. Davon ausgehend können dann nächste Entwicklungsschritte identifiziert und priorisiert werden.

Anhand des DigitalChecks von sozialinfo.ch – einem Analysemodell zur digitalen Transformation das spezifisch für soziale Organisationen entwickelt wurde – werden Möglichkeiten und Potenziale, aber auch Risiken und Hürden anhand exemplarische Praxisbeispiele herausgearbeitet. Damit wird aufgezeigt wie Organisationen ihre digitale Entwicklung fachlich und organisational proaktiv gestalten können.

Für die Teilnahme wäre es gut, wenn Sie einen Laptop mitbringen. Alternativ kann auch das Smartphone genutzt werden (Hinweis: Der DigitalCheck ist Desktop optimiert).

Roger Fischer, Kathrin Kunfermann, Julia Mia Stirnimann (Genossenschaft Posmo Schweiz)

Sich frei und ungehindert von einem Ort zum anderen zu bewegen, ist seit 1948 ein Menschenrecht. Doch stimmt das? Können sich auch wirklich alle von 8 bis 80 frei bewegen? Wie können wir das überprüfen? Und wie sind die Leute überhaupt unterwegs? Wo sind die Datenlücken? Dem wollen wir in unserem Hands-on Workshop anhand zweier digitaler Werkzeuge – Posmo Tracking und VelObserver – auf den Grund gehen.

Ablauf des Workshops zum Thema Mobilität:

1. Einführung: Lücken in der Datenerhebung

Wir machen eine kleine Tour d’Horizon, wie und wo Daten heute erhoben werden, welche Datenlücken existieren und welche Fragen offenbleiben. Dabei fokussieren wir uns auf drei Gruppen: Frauen, Teenager sowie Menschen mit Behinderung.

2. Fragestellungen entwickeln

In drei Gruppen erstellen wir Personas und überlegen uns, welche Fragen sich im Bereich Mobilität für diese stellen.

3. Praxis: Datenerhebung

Mit der Posmo Tracking App schliessen wir während eines Spaziergangs  «Datenlücken» und reflektieren dies aus Sicht unserer Personas. Wir identifizieren Hindernisse und Einschränkungen.

4. Auswertung und Vorstellung der Ergebnisse

Die drei Gruppen werten die Ergebnisse aus und stellen die gewonnenen Insights  danach im Plenum vor: Welche Mobilitätsentscheidungen sind in den unterschiedlichen Gruppen getroffen worden? Was für Erkenntnisse liefern die  konkreten Mobilitätsdaten für die Stadtplanung und soziale Arbeit? Wie könnte man dieses digitale Tool in Zukunft einsetzen?

5. Fokus: Aktive Mobilität und Bürgerpartizipation

Mit VelObserver kann die Bevölkerung Velowege anhand von Fotos oder einer Karte bewerten. Welchen Nutzern ergibt sich daraus für die Stadtplanung und für die Reflexionsfähigkeit eines Gemeinwesens? Posmo ist eine zivilgesellschaftlich unabhängige Datengenossenschaft für Mobilitätsdaten, die sich zum Ziel gesetzt hat, die qualitativ beste und umfassendste Datengrundlage zur Mobilität in der Schweiz zu schaffen. Kurz: «Mobility of the people, by the people, for the people!»

Für die Teilnahme am Workshop benötigen Sie ein Smartphone. Idealerweise bringen Sie auch Ihren Laptop (ist aber nicht zwingend erforderlich).
Kurz vor der Tagung werden wir Sie bitten, die Posmo Project App zu installieren https://posmo.coop/products/tracking. Als Teilnehmer:in erhalten Sie dafür einen Code von uns.

Christian Hansen, Prototype Fund Schweiz

In diesem Workshop diskutieren wir nicht lange, wir packen an – ganz im Sinne des Prototype Fund Förderprogramms, mit dem wir seit 2020 gemeinwohlorientierte Technologieentwicklung in der Schweiz fördern. 

Wir nehmen mit Euch gemeinsam unter die Lupe, wo Open Source Technologie nachhaltige und inklusive Entwicklungen in städtischen Räumen unterstützen kann (und wo nicht). 

Dabei durchlauft ihr binnen 4 Stunden eine “Fast-Forward-Variante” unseres Förderprogramms – inklusive Ideation, Pitching-Phase, Auswahlprozess, Prototyping, User Testing und Demo Day, also der finalen Präsentation eurer Ergebnisse. 

Wir erproben, wie Technologie nachhaltige und inklusive Entwicklungen in städtischen Räumen unterstützen kann. Anhand von Beispielen bereits geförderter Projekte, die sich mit Themen wie Umweltschutz, Bildung und sozialer Inklusion befassen, zeigen wir auf, wie Open-Source-Lösungen einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft nehmen. 

Der Workshop vermittelt Einblicke in den Ablauf und die Unterstützung durch den Prototype Fund und bietet praktische Erfahrungen im Prototyping und in der Projektentwicklung. 

Panels, Freitag, 21. Juni 2024, 09.00 – 10.30 Uhr

Tobias Matter (Hochschule Luzern – Design & Kunst)

Die Transformation städtischer Umgebungen verlangt eine sorgfältige Berücksichtigung diverser Bevölkerungsbedürfnisse sowie den Entwurf nachhaltiger, lebenswerter Räume. Vor diesem Hintergrund erkundet die Hochschule Luzern das Potenzial von Augmented Reality (AR), um die partizipative Gestaltung zukünftiger Lebens- und Arbeitsräume zu verbessern.
In Zusammenarbeit mit Praxisakteur:innen und der Bevölkerung untersuchen wir, wie AR breite Beteiligungsmöglichkeiten an öffentlichen Bauvorhaben ermöglicht, um nachhaltigere und sozialere Räume zu schaffen. Traditionelle Planungsunterlagen sind für Laien oft nur schwer verständlich und führen zu einem Beteiligungsparadoxon. Unser Ziel ist es, komplexe Planungsvorgänge durch interaktive, lebensnahe Visualisierungen zu vereinfachen und so einen inklusiven und verständlichen Dialog zu ermöglichen.
AR hilft dabei, visuelle und akustische Dimensionen räumlicher Planung neu zu interpretieren, was eine differenzierte Auseinandersetzung mit Umweltakustik und deren räumlichen Effekten erlaubt. Unser Ansatz konzentriert sich darauf, das Beteiligungsparadoxon zu durchbrechen, indem wir innovative Methoden (weiter)entwickeln, die es Laien ermöglichen, sich von Anfang an wirkungsvoll in die Gestaltung ihrer Städte einzubringen.
Trotz des Potenzials von AR in der Stadtplanung gibt es immer noch einen Mangel an methodischem Wissen und zugänglichen Werkzeugen. Mit unserem praktischen Co-Design-Forschungsansatz streben wir danach, diese Lücke zu schliessen. Unser Ziel ist es, eine Methodenerweiterung durch AR zu entwickeln, die eine breitgefächerte und zielgruppengerechte Mitwirkung an urbanen Bauprojekten ermöglicht. Diese Technologie soll dabei als Brücke zwischen Stadtplaner:innen und der Öffentlichkeit dienen.
In unserem Vortrag präsentieren wir unsere praxisorientierte AR-Forschung und erläutern anhand des laufenden Innosuisse-Projekts «Augmented Planning: Enabling broader participation» wie wir durch eigene Fallbeispiele die Möglichkeiten der partizipativen Planung aufzeigen und fördern.

Dr. Stefanie Müller (Hochschule Luzern – Soziale Arbeit)

Augmented Reality (AR) kann vor Ort Inhalte/Informationen von städtebaulichen Vorhaben realistisch darstellen. Somit ermöglicht AR die direkte sinnliche Erfahrung von räumlichen Veränderungen, die so weder durch Pläne, Baugespanne oder digitale Modelle erfahrbar sind.
Insbesondere für partizipative Verfahren kann AR daher besonders wertvoll sein. Nicht nur kann das bessere Verständnis von städtebaulichen Planungen, den Dialog zwischen Stakeholdergruppen verbessern, sondern kann auch die Motivation von Laien erhöht werden, sich frühzeitig mit geplanten Veränderungen in ihren Lebensräumen auseinanderzusetzen, so dass echte Mitwirkung möglich wird.
Trotzdem wird AR in der Stadtplanung kaum angewandt, was meist auf die noch weiterentwickelbare Technologie und fehlende Best-Practice-Anwendungsfälle zurückgeführt wird. Die strukturellen Voraussetzungen/Rahmenbedingungen wurden dabei bis anhin kaum betrachtet.
Ausgehend von 16 Experteninterviews haben wir eine Akteursnetzwerkanalyse durchgeführt, um herauszufinden, welche Akteure und Nicht-menschlichen Akteure (Dinge, Prozesse), die Anwendung der Technologie in der städtebaulichen Praxis besonders hemmen, bzw. fördern.
Die Spiegelung der daraus resultierenden Akteurs-Netzwerk-Map in einem Workshop mit den interviewten Expert:innen und weiteren interessierten Fachpersonen aus der Planung, Kommunikation, Verwaltung und Forschung, hat gezeigt, dass drei Knotenpunkte besonders relevant für die praktische Anwendung von AR sind: (i) der Nexus »Übersetzungsleistung«; dies inkludiert (Nicht-)Akteure, die die Grundlagendaten liefern, jene, die diese in das AR-Tool übersetzen und jene, die damit arbeiten; (ii) die Planungskultur der Institutionen, die massgeblich dazu beiträgt, wie partizipative Prozesse gestaltet werden und somit auch welche Tools zur Anwendung kommen; (iii) die Schaffung/Etablierung von Hybrid-Lösungen, die digitale und analoge Anwendungen kombinieren.
In diesem Beitrag wird besonders auf diese drei Knotenpunkte eingegangen sowie aufgezeigt, wie Handlungsfelder aussehen könnten, die die ermöglichenden Strukturen nutzbar machen und die hemmenden Strukturen in Chancen transformieren.

Dr. Raphael Hörler¹; Dr. Muriel Siegwart¹; Dr. Jonas Christen²; Noemi Chow²; Dr. Andrea Del Duce¹; Mirjam West³; Dr. Anke Kaschlik¹; Dr. Juliana Zapata¹; Dr. Petra Bättig-Frey¹; Prof. Dr. Niklaus Heeb²; Juan Garcia²; Olaf Lervik²

  1. Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
  2. Zürcher Hochschule der Künste
  3. Catta GmbH

In Europa gibt es immer mehr Städte, die Parkplätze und Autoverkehr reduzieren und Platz für Grünflächen, Velos und Fussgänger:innen schaffen. Damit wird nicht nur dem Klimawandel und der Hitze entgegengewirkt, sondern auch mehr Lebensqualität geschaffen und ein nachhaltiger Lebensstil mit weniger verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen ermöglicht.
Mitwirkung seitens der Bevölkerung ist in vielen Städten erwünscht. In der Praxis erweisen sich solche partizipativen Prozesse jedoch als schwierig, da es unterschiedliche Vorstellungen, Bedürfnisse und Vorurteile darüber gibt, wie beispielsweise Strassen neu umgestaltet werden sollen. Insbesondere wird das Thema Verkehrsberuhigung und Reduktion von Parkplätzen oft von einem Teil der Bevölkerung sehr negativ und emotional erlebt, da die Vorteile der Umgestaltung der Räume nicht im Voraus erlebt und durch konventionelle Bilder und Texte schlecht vermittelt werden können.
Zur Unterstützung wirksamerer Mitwirkungsprozesse, welche die Bevölkerung und Stakeholder geografisch und inhaltlich näher zu Umgestaltungsprojekten von Räumen bringen können, entwickeln wir zusammen mit der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), Ämtern der Stadt Zürich und NGOs ein Virtual Reality (VR) Erlebnis. Der Ansatz basiert darauf, dass VR-Erlebnisse es ermöglichen, Empathie zu fördern, Vorurteile abzubauen und als Kommunikationstool zu dienen. Ebenso kann VR eingesetzt werden, um Szenarien zu testen und so eine bessere Grundlage für Entscheidungsprozesse zu schaffen. In partizipativen Verfahren führt VR zu stärkerem Engagement, lebendigeren Erinnerungen und einem besseren Verständnis der räumlichen Situation. Zusätzlich kann, verglichen mit Augmente Reality (AR) Anwendungen, eine tiefere Immersion erreicht werden. Trotz diesem Potential ist VR in der partizipativen Stadtplanung weitestgehend unerforscht.
In diesem Panel werden wir vom Aufbau des VR-Erlebnisses berichten und erste Ergebnisse für den Einsatz in Mitwirkungsverfahren der Stadtplanung und der Umweltbildung aufzeigen. Das Projekt, welches von der Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen (DIZH) gefördert wird, läuft bis Ende Juli 2025.

Dr. des. Heike Lüken (Cit Science Lab | HafenCity Universität Hamburg)

In den vergangenen 15 Jahren wurden digitale Technologien zunehmend in stadtplanerische Beteiligungsprozesse aufgenommen. Digitale Partizipation kommt vor allem dort zum Einsatz, wo eine jüngere Nutzerschaft angesprochen, eine orts- und zeitunabhängige Beteiligung ermöglicht und größere Nutzergruppen angesprochen und damit größere Datenmengen erhoben und analysiert werden sollen. Für Planer:innen und Behördernmitarbeiter:innen bedeutet die Ausweitung von partizipativen Planungsprojekten eine Zunahme von kommunikativen, visualisierenden Praktiken sowie solche einer datenbasierter Zusammenarbeit gefragt. Hier ist sowohl in der Planungspraxis und als auch in der -theorie eine Entwicklung von der Kooperation hin zur Kollaboration, die auch Ko-Kreation genannt wird, zu beobachten. Was aber sind Praktiken ko-kreativer Prozesse zwischen Behörden und Bürger:innen? Welche Potentiale bietet digitale Ko-Kreation in behördlichen Stadtplanungsprozessen? Wie lässt sich die Gestaltung der Tools die Möglichkeiten der Partizipation einschränken oder ausweiten? Wo wird auf Anwender:innenseite wie kreiert – und wo nur noch gespielt? 
Die Datenbasis des Artikels stellt das Projekt „PaKOMM – Partizipation: Kollaborativ und Multimedial“ dar. In dem dreijährigen Forschungsvorhaben an der HafenCity Universität Hamburg (2021-2023) wurden anwendungsspezifische Lösungen und Workflows für kombinierte Visualisierungen und Interaktionen entwickelt und getestet, die einen Mehrwert im kollaborativen Stadtplanungsprozessen ermöglichen. Die Tools können zeit- und ortsunabhängig, in virtueller oder augmentierter Realität, on- und offsite, off- und online auf der Grundlage raumzeitlicher Daten genutzt werden. In unserem Beitrag reflektieren wir in praxistheoretischer Perspektive die Ergebnisse des Projekts, wie Praktiken der digitalen Kollaboration und der digitalen Ko-Kreation die Zusammenarbeit von Behörden, Planungsbüros und unterschiedlichen Stakeholder:innen verändern und beleuchten, wie Stakeholder:innen in komplexe Entscheidungsprozesse und Diskussionen auf Augenhöhe beteiligt werden können. 

Nina Böcker (vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V.)

«Digitale Nachbarschaftsplattformen waren bereits vor der Corona-Pandemie weit verbreitet, erfuhren durch die Kontaktbeschränkungen während der Lockdowns einen weiteren Boom und stellen auch in der post-pandemischen Stadt ein wichtiges Element der Nachbarschaftsvernetzung dar. Über Plattformen wie nebenan.de werden nicht nur Gegenstände verkauft und verliehen oder Informationen über die Nachbarschaft geteilt und diskutiert. Auch nachbarschaftliche Hilfeleistungen werden vermittelt und gemeinschaftliche Aktivitäten im Quartier organisiert. Kurzum – die Plattformen stellen ein wichtiges Informations- und Vernetzungstool in Nachbarschaften dar. Allerdings, so lässt sich beobachten, sind die Zugänge zu Plattformen wie nebenan.de selektiv. Einerseits zeigen sich starke Unterschiede in den Nutzendenzahlen, wenn man sie nach Sozialräumen differenziert. Andererseits lassen sich auf den Plattformen soziale Selektionsmechanismen beobachten, die in Quartieren mit diverser Bewohnerschaft dazu führen, dass bestimmte Nachbar:innen die Plattformen nicht nutzen.
Im Beitrag wird eine Meta-Analyse von drei Studien zu Nachbarschaftsplattformen aus den Jahren 2016-18, 2020-2022 und 2022-2023 vorgestellt. In allen drei Forschungsprojekten wurden Fallstudien in kontrastierenden Nachbarschaften durchgeführt, Anmelde- und Interaktionszahlen quantitativ ausgewertet und qualitativ zu nachbarschaftlichen Praktiken im Digitalen geforscht. Die Ergebnisse der Studien werden nun unter folgenden Fragestellungen zusammenführt und vorgestellt:

  • Welche Potenziale bieten digitale Plattformen für soziale und fürsorgende Nachbarschaften und für das Zusammenleben im Quartier?
  • Welche Kritikpunkte, Grenzen und Selektionsmechanismen zeigen sich im Plattformdesign und der Nutzung?
  • Und welche Ansätze sind denkbar, um die Zugänglichkeiten und Inklusivität dieser Plattformen zu verbessern?

Simon Liebig (ILS Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung gGmbH)
Prof. Dr. Jan Üblacker (Fachhochschule der Immobilienwirtschaft (EBZ))

Forschungen zu öffentlichen Räumen als Orte der Begegnung und des wechselseitigen Kontakts mit Fremden haben eine lange Tradition in der sozialwissenschaftlichen Stadtforschung (Simmel 1908; Lofland 1974; Oldenbourg 1989; Amin 2002). Üblicherweise wird diesen Räumen eine besondere Bedeutung für die Entstehung gruppenübergreifender Kontakte, den Abbau von Vorurteilen und den Aufbau von lokalen Netzwerken zugeschrieben. Mit der zunehmenden Verbreitung neuer digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) treten neben diese oft temporären und ortsgebundenen analogen Öffentlichkeiten neue, digitale Öffentlichkeiten. Obwohl digitale Öffentlichkeiten (‚networked publics‘ boyd 2010) weitestgehend losgelöst vom physischen Raum existieren, bilden sich hier dennoch Ortsbezüge heraus, wie z.B. lokale Nachbarschaftsgruppen bei Facebook oder What’sApp-Gruppen in Hausgemeinschaften belegen. Bisher liegen jedoch nur wenige Erkenntnisse zur Verbreitung und Nutzung solcher lokal verankerten Gruppen vor. Vor diesem Hintergrund verfolgt der Beitrag das Ziel, dieses neue Phänomen vor dem Hintergrund etablierter theoretischer Konzepte zu diskutieren und umfassend empirisch zu beschreiben. Dazu nutzen wir (1) Daten einer Bevölkerungsbefragung (N=3.600) in 166 Wohnquartieren in den Städten Köln und Essen, die Informationen zur Verbreitung und enthalten und (2) Ausschnitte aus 40 Interviews mit Bewohner*innen in zwei Quartieren, die tiefere Einblicke in die Nutzungsmotive und die Bedeutung von Online-Gruppen für nachbarschaftliche Interaktion liefern.
Erste Auswertungen zeigen, dass jede zweite Person eine Online-Gruppe mit lokalem Bezug nutzt und diese Gruppen nicht nur zur Information sondern auch zur Organisation von Hilfeleistungen und für nachbarschaftlichen Ressourcenaustausch genutzt werden.

Boyd, d. (2010): Social Network Sites as Networked Publics: Affordances, Dynamics, and Implications. In: Networked Self: Identity, Community, and Culture on Social Network Sites: 39-58.

Helene Böhm (GESOBAU AG)

Das Internet bietet viele Möglichkeiten, mit anderen in Kontakt zu bleiben, sich zu informieren und sich weiterzubilden. Doch nicht alle profitieren gleichermaßen von diesen Vorteilen. Vor allem Ältere sind oft von der digitalen Welt ausgeschlossen oder fühlen sich überfordert. Das hat negative Auswirkungen auf ihre Lebensqualität und ihre gesellschaftliche Teilhabe. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns für die digitale Inklusion älterer Menschen einsetzen. Um Ältere selbst bestimmt fit für die digitale Zukunft zu machen, wurde 2016 das lokale Informations- und Interaktionsnetzwerk SeniorenNetz als Modellvorhaben entwickelt. Das Vorhaben basiert auf der Erkenntnis, dass die digitale Teilhabe für die gesellschaftliche Integration und die Lebensqualität von Senior: innen immer wichtiger wird. Das Modellprojekt lief 2016 bis 2020 unter dem Titel „Gemeinsam und gut vernetzt im Stadtteil – 80+ goes digital Insiders“ im Märkischen Viertel, einer Großwohnsiedlung im Norden Berlins. Unter Federführung der städtischen GESOBAU AG sowie dem Netzwerk Märkisches Viertel e.V. und place/making entstand u.a. eine digitale Nachbarschaftskarte. Das Besondere: Die Plattform wurde zusammen mit der Zielgruppe entwickelt. Später überprüften ebenfalls Senior: innen in Form von Fokusgruppen die Benutzerfreundlichkeit der Anwendung. Um auf die Bedarfe einzugehen, bietet das SeniorenNetz digitale und analoge Angebote, wie z.B. Schulungen, Beratungen, Workshops oder Vernetzungsmöglichkeiten, die die digitalen Kompetenzen von älteren Menschen fördern. Seit 2020 wird das SeniorenNetz durch die AWO Berlin kontinuierlich weiterentwickelt. Mittlerweile ist das Projekt ist in allen Berliner Bezirken aktiv und wird von zahlreichen Partnern aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Senior*innen selbst unterstützt. Das SeniorenNetz Berlin ist ein Vorzeigeprojekt für die digitale Inklusion und Teilhabe von älteren Menschen. Im Beitrag soll es um die Idee hinter dem SeniorenNetz, Erfolge und Herausforderungen bei der Umsetzung gehen.

Wesley Preßler, Lucie Schmidt (Ernst-Abbe-Hochschule)

Im Rahmen des mGeSCo-Projekts wird die technologische Entwicklung ausgewählter Dimensionen im Smarten Quartier Jena-Lobeda untersucht. Ein spezifisches Reifegradmodell, basierend auf Cohens Smart Cities Wheel, bewertet die zentralen Dimensionen Arbeiten, Wohnen, Leben und Fürsorge. Um die Zuverlässigkeit und Relevanz der Reifegradbewertung zu verbessern, werden die Faktoren Digitale Kompetenz, Deutungsmuster und Technologieakzeptanz in das entwickelte Modell integriert.  
Die Dimension der digitalen Kompetenz untersucht die Fähigkeiten der Beteiligten im Umgang mit digitalen Technologien. Diese wird mit Hilfe von Umfragen, Interviews und teilnehmender Beobachtung gemessen, wobei das Digital Literacy Framework (DigComp) der Europäischen Kommission als Grundlage dient. 
Deutungsmuster digitaler Technologien geben Aufschluss darüber, wie Individuen Technologien wahrnehmen und ihnen Bedeutung zuschreiben. Diese Erkenntnisse geben Aufschluss über die Schritte, die erforderlich sind, um die Menschen in der Nachbarschaft auf eine digitale Transformation vorzubereiten.
Ein weiterer entscheidender Faktor für eine erfolgreiche digitale Transformation ist die Technologieakzeptanz, d. h. die Bereitschaft der Menschen, neue Technologien anzunehmen und zu nutzen. Umfragen oder Fragebögen, die auf dem Technologieakzeptanzmodell von Davis basieren, können zur Ergänzung von Interpretationsmustern verwendet werden, um die Akzeptanz digitaler Technologien in der Nachbarschaft zu messen. 
Die Integration der Dimensionen der digitalen Kompetenz, von Deutungsmustern und Technologieakzeptanz ermöglicht die Entwicklung einer Roadmap mit klaren Voraussetzungen für die Einleitung eines digitalen Transformationsprozesses im Quartier. Partizipation, Ko-Kreation und Ko-Produktion sind wesentliche Konzepte für eine erfolgreiche und inklusive digitale Transformation im Quartierskontext. 
Dieses interdisziplinäre Reifegradmodell trägt dazu bei, die Bewertung und das Monitoring von nachhaltigen digitalen Transformationsprozessen in smarten Wohnquartieren zu verbessern. Es ermöglicht eine umfassendere Erfassung der Faktoren, die den Erfolg solcher Prozesse beeinflussen.

Edina Kurjakovic (Stadt Luzern, Quartier und Integration)

Seit 2021 fungiert Dialog Luzern als die offizielle Partizipationsplattform der Stadt Luzern. Die Plattform wurde ins Leben gerufen, um Vereine, Organisationen und Institutionen besser mit den Einwohner:innen zu vernetzen und den Austausch zu intensivieren. Ziel ist es, das Stadtleben durch verbesserte Kommunikation, Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit und direkten Dialog zu aktivieren und zu verknüpfen. Dialog Luzern soll einen Beitrag für eine inklusive und kooperative Stadt leisten. Dies insbesondere durch die aktive Beteiligung von Bildungs-, Kunst- und Kultureinrichtungen, Luzerner Kirchen, Bibliotheken, Quratierkräfte, Sportvereine und der Stadtverwaltung Kommunikation von Inhalten sowie Initiierung und Durchführung partizipativer Prozesse.
Die Stadt Luzern strebt nicht nur aktuelle Informationen zu lokalen Aktivitäten, sondern erhofft sich auch eine Vielzahl von Ideenwettbewerben, Inputs zur Stadt, Befragungen, Nachbarschaftshilfen und anderen Partizipationsformen. Die Plattform soll Partizipationsprozesse transparent dokumentieren und dadurch zu einem festen Bestandteil der Lokalpolitik werden. All diese Bestrebungen sollen die Stadt aktiv voranbringen und gemeinsame Entwicklung ermöglichen.
Nach drei Jahren zieht die Stadt Luzern Bilanz und richten den Blick auf die Herausforderungen und Chancen. Welche Erkenntnisse wurden gewonnen? Welchen Beitrag kann eine Plattform wie Dialog Luzern für eine integrative Stadt(entwicklung) leisten? Wie können analoge und digitale Möglichkeiten effektiv kombiniert werden? Welche operativen sowie strategischen Anpassungen sind erforderlich, um die Plattform weiterzuentwickeln, vielfältiger zu gestalten und die verschiedensten Menschen zu erreichen? In einem Input präsentieren wir unsere Erfahrungen und diskutieren mögliche Ansätze für die Zukunft.

Nicole Wolf (wechange eG)

Kommunen stehen angesichts der gesellschaftlichen Twin-Transition Digitalisierung und sozial-ökologischer Wandel vor großen Herausforderungen. Gleichzeitig bieten sich neue Gestaltungsmöglichkeiten für eine nachhaltige Kommunalentwicklung und bei der Bereitstellung von wesentlichen Infrastrukturen, Gütern und Dienstleistungen zur Grundversorgung der Bürger:innen.
Die CO:DINA-Forschungslinie „Zukunftsfähige Daseinsvorsorge: Kommunen als Träger der digital-ökologischen Transformation“ untersucht in diesem Zusammenhang neue Prinzipien, Handlungsfelder und Formen der (digitalen) Leistungserbringung. Die in dieser Forschungslinie entstandene Kurzstudie „Kommunale Plattformen nachhaltig gestalten. Kriterienkatalog für Plattformen im Dienst der nachhaltigen Daseinsvorsorge“ beschäftigt sich explizit mit plattformbasierten Diensten von Städten und Kommunen und deren Nachhaltigkeitspotenzialen und -risiken. Mitautorin Nicole Wolf stellt die Zielsetzung (insbesondere Analyse- und Gestaltungskriterien) sowie Herausforderungen und Ergebnisse dieser Kurzstudie vor.

Barbara Alder (Kantons- und Stadtentwicklung des Kantons Basel-Stadt)

Globalisierung, Verstädterung, Bevölkerungswachstum, Digitalisierung und Klimawandel sind Megatrends, die uns als Städte unmittelbar betreffen. Die Stadt- und Arealentwicklung sieht sich mit komplexen Herausforderungen konfrontiert. Diese können nur gemeinsam, interdisziplinär und über Silos hinweg angegangen werden. Dieser kollaborative Ansatz stand im Zentrum beim Smart City Lab Basel.
«Vernetzen – Entwickeln – Testen – Erleben» waren die vier richtungsweisenden Begriffe, die wir zusammen mit den SBB für das Smart City Lab gesetzt und das Lab gemeinsam in den sechs Jahren entsprechend auf- und ausgebaut haben. Per Ende 2023 endete die Zwischen- bzw. Pioniernutzung und die Grundeigentümerin, die SBB, beginnt mit der baulichen Arealentwicklung, nachdem das Parlament 2023 dem Bebauungsplan zugestimmt hatte.
Im Lab, im «Labor in der Stadt», konnten Firmen Möglichkeiten der Digitalisierung und der Datennutzung sowie den Einsatz neuer Technologien zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung testen und prüfen, ob und wie sie eingesetzt werden können. Passend zum Areal standen die Themenfelder Mobilität, Citylogistik, Energie und Gebäude im Zentrum.
Im Panel wird ein Einblick in den Erarbeitungsprozess und den Betrieb des Lab gegeben, auf die Schwierigkeiten, Erfolge und Learnings eingegangen und Fragen beantwortet.
Im Panel wird ein Einblick in den Erarbeitungsprozess und den Betrieb des Lab gegeben, auf die Schwierigkeiten, Erfolge und Learnings eingegangen und Fragen beantwortet.

Workshops, Freitag, 21. Juni 2024, 09.00 – 10.30 Uhr

Prof. Stefan Adam, Silvano Ackermann, Samin Sepahniya (Hochschule für Soziale Arbeit FHNW)

Demografische Veränderung, höhere Pflegekosten, tiefere Renten, wachsende Vereinsamung und ein sich stark verändernder Arbeitsmarkt fordern innovative Lösungen. one11 bietet ein neues Modell, wel-ches diese gesellschaftlichen Herausforderungen gesamtheitlich betrachtet und angeht. Durch Einbezug der Community-Mitglieder und Förderung der Nachbarschaftshilfe sollen bestehende Ressourcen aktiviert werden. Alle Beteiligten sollen im Rahmen ihrer Möglichkeiten und Wünsche partizipieren und profitieren.

Die Kerninnovation des Projekts liegt in der Verknüpfung von Ansätzen des Community Building aus der Sozialen Arbeit mit technologischen Methoden aus der Informatik, um diese Prozesse und das damit verbundene Wissen über eine Plattform abzubilden, intelligent skalierbar zu machen und für alle Teilnehmenden zu öffnen. Funktional umfasst die Plattform Interaktionen wie Vernetzung und Vermittlung von Wohnraum, Arbeitsmöglichkeiten und alltagsunterstützende Dienstleistungen (vgl. https://www.one11.ch/). Sie wird ergänzt durch so genannte Hybride Orte, die eine Brücke zwischen der analogen und der digitalen Welt schlagen und den Schlüssel für die Zugänglichkeit zu den Möglichkeiten der Community für Menschen mit geringen digitalen Kenntnissen darstellen.

Das Community Building wird durch ein selbstlernendes System unterstützt, das mit Hilfe von Erkennt-nissen und Daten aus der Wirkungsmessung sowie Methoden aus dem Machine Learning Qualitätsprobleme erkennt und Verbesserungsvorschläge präsentiert. 

Das Projekt besteht aus einer Kooperation zwischen one11, der Hochschule für Technik und der Hochschule der Sozialen Arbeit. Das Team der Hochschule für Soziale Arbeit ist für die Wirkungsmessung dieses Konzepts verantwortlich.

Inhalt des Workshops

  • Vorstellen des Projekts
  • Vorstellen erster Ergebnisse der Wirkungsmessung
  • Diskussion mit den Teilnehmenden, gemeinsame Interpretation der Ergebnisse
  • Gemeinsames Erarbeiten von Empfehlungen
  • Blick in die Zukunft: Chances & Challenges

Christoph Ditzler, Avji Sirmoglu (Internetcafé Planet 13)

Das Internetcafé Planet13 wurde vor 17 Jahren von Erwerbslosen, Armutsbetroffenen, und Obdachlosen in Kleinbasel gegründet. Das Internetcafé bietet einen Ort des Austauschs im Analogen, einen kostenlosen Zugang zum Internet, Reparaturen und Recycling von PCS und Laptops sowie EDV-Kurse. 

Kostenloser Zugang ins Internet, wie beim Internetcafé Planet13 zur Verfügung gestellt wird, ist jedoch selten. Im Workshop berichten wir über die Situation von Teilen der Gesellschaft, die über knappe finanzielle Ressourcen verfügen und diskutieren gemeinsam über die Rolle des Staates und Gemeinschaften in der Bereitstellung eines Zugangs zum Internet, Software und Betriebssystem für alle. Zum Schluss zeigen wir in einem praktischen Teil Beispiele von bereits existierenden freien Betriebssystemen und Softwares.

Aylin Yildirim Tschoepe, Victor Bedö (Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW)

Wie wir leben wollen und uns eine soziale und räumliche Zukunft vorstellen wird in Städten ausgehandelt. Recht auf Stadt und Zugang zu urbanen Commons sind ständig umkämpft und verschieben sich durch soziale, räumliche und technologische Transformationen. Machtstrukturen sind in urbane Räume eingeschrieben; gleichzeitig fungieren Städte als Verteilende von Zugang und Ressourcen. Hierbei ist Commoning eine nachhaltige, soziale Praxis der Produktion, Nutzung und Verwaltung von Ressourcen wie beispielsweise gemeinsam genutzte Räume, Wasser, Nahrung (Food) oder Arbeit, verteilt auf vernetzte Ebenen lebender Infrastrukturen (Materie, Körper, Räume).

In diesem Workshop konzentrieren wir uns auf Nahrung als eine Schlüsselressource. Über kritische Herangehensweisen an digitale Transformation in den lebenden Infrastrukturen einer Smart City (zwischen Freiheit, Komfort und Kontrolle), wollen wir diese Ressource insbesondere im Kontext der kulinarischen Wende in Design und Kunst betrachten: hybride Food-Netzwerke, kulinarische Expertise, sensorische Wahrnehmung und Archive sowie emanzipatorische Praktiken. Wir knüpfen damit an Veranstaltungen der Formate «soul kitchen» (metaLAB Basel HGK FHNW) und «smuc.kitchen» (Critical Media Lab Basel HGK FHNW) mit folgenden Fragen an:

Welche sozio-technischen, auf Koexistenz ausgerichteten Praktiken können Smart-City-Maßnahmen entgegenwirken, welche sich hauptsächlich auf Kontrolle und Extraktion konzentrieren?

Wie können wir die Automatisierung mit lokalen, kontextspezifischen Esskulturen in Einklang bringen?

Wie können urbane Transformationen durch kulinarische Erfahrungen, Ästhetik und Kommunikation erfahrbar gemacht und inklusive Wissensformen (science-with-public) aktiviert werden?

Wir laden zu einer theoretischen (food for thoughts) und methodischen kulinarischen Erkundung der essbaren Stadt ein. Der Workshop beinhaltet eine kritische Auseinandersetzung mit soziotechnischen Praktiken in Basel sowie einem Austausch während der Zubereitung eines gemeinsamen Essens (Food Culture Lab Basel HGK FHNW) um zu einer multimodalen Wissensproduktion als einem der möglichen Wege in eine nachhaltige urbane Zukunft beizutragen.

Panels, Freitag, 21. Juni 2024, 11.00 – 12.30 Uhr

Marius Otto (Hochschule Landshut)
Prof. Dr. Markus Baum (Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen)

Informationen teilen, dazuschalten lassen, Entferntes erleben – die Digitalisierung der Gesellschaft(en) ist eine sozio-technische Innovation, die zu abnehmendem Raumwiderstand führt. Neben der Ausweitung der Kommunikation (many-to-many-Kommunikation) vollzieht sich ein Wandel der Konstitution sozialer Realität und Ordnungsbildung. Dies hat Folgen für die Ausgestaltung alltäglicher Lebenswelten bzw. den Aufbau und die Konstitution von Sozialräumen als räumliche Dimension der Lebenswelt. Unter dem Schlagwort der Translokalität wird die ortsübergreifende Entwicklung von Sozialräumen zusammengefasst.
Wenn Orte in translokalen Lebenskonzepten im Sinne der Raumproduktion verschmelzen, stellt sich die Frage, welche Folgen dies für eine sozialraumorientierte Soziale Arbeit hat und wie ein Gemeinwesen im Kontext der GWA vielleicht neu zu denken ist. Gleichzeitig scheint der lokale, analoge Kontext seine Funktion als Nah-, Aneignungs- und Erlebnisraum weiterhin zu erfüllen. Mehr noch: In der Pandemiephase wurde dieser sogar neu entdeckt. Diese Prozessdualität mit zunehmender Auflösung von Grenzbedeutungen und neuen Entwicklungen rund um lokale Einbettung verlangt nach neuen Perspektiven:
Auf der konzeptionellen Ebene (1) muss eine Theoriebildung vorangetrieben werden, die den Sozialraum als soziotechnisches Setting zu reflektieren und seine Digitalität begrifflich zu fassen imstande ist. Dazu bedarf es einer Perspektive, in der technologische Aspekte (Daten, Algorithmen, Infrastrukturen) im Zusammenhang mit sozialer Ordnungsbildung (1st-3rd level digital divide, digitales Kapital) diskutiert werden können. Planerisch müssen Sozialräume mehr denn je als dynamische, vernetzte Teilräume und nicht als planerische Inseln verstanden werden.
Auf der Praxisseite (2) müssen Ressourcenorientierung, Aufbrechen von organisatorischen Säulen, Vernetzung von Diensten – also die wichtigsten Ziele der Sozialraumorientierung – mehr und mehr im translokalen Kontext gedacht werden. Die Bearbeitung von Barrieren in der Nutzung digitaler Technologien muss zu einem Kernelement der beruflichen Praxis werden.

Elias Brandenberg (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Dept. Soziale Arbeit)

Jugendliche sind in ihrer Freizeitgestaltung auf leicht zugängliche Erfahrungs-, Rückzugs- und Freiräume angewiesen. Virtuelle Räume müssen heute als feste Bestandteile jugendlicher Sozialräume verstanden werden (Burgstaller & Heil, 2020). Mobile Geräte dienen als Schnittstelle zwischen virtuellen und physischen Räumen, wobei eine ständige Gleichzeitigkeit der Nutzung, Erfahrung und Platzierung stattfindet (Tillmann, 2014). Im Zuge der Covid-Pandemie wurde diese Entwicklung weiter intensiviert.
Spezifische Bedürfnisse Jugendlicher werden bei der Gestaltung städtischer Räume jedoch oft vernachlässigt. Stattdessen werden sie im öffentlichen Raum häufig als Problem wahrgenommen. Virtuelle Räume werden in der Stadtplanung ebenfalls kaum berücksichtigt. Auch in der Sozialen Arbeit werden diese oft nur Parallelwelt oder Gefahrenraum diffamiert und die entsprechenden Erfahrungen nicht als Teil jugendlicher Realitäten anerkannt (Schwerthelm, 2021).
Das durch den NFP 80 finanzierte Forschungsprojekt «Jugend und Raum» untersucht die Nutzung virtueller und physischer Räume bei Jugendlichen aus einer intersektionalen Perspektive. Im Rahmen meiner darin eingebetteten Dissertation verfolge ich das Ziel, ein besseres Verständnis für die Raumnutzung heutiger Jugendlicher sowie Hinweise für eine bedarfsgerechte sozialraumorientierte Soziale Arbeit zu erarbeiten. Zum Zeitpunkt der Tagung wird die erste Runde der qualitativen Erhebung mit Jugendlichen (Gruppen-, Schreib- und Videoworkshops sowie Sozialraumbegehungen) abgeschlossen sein und ich freue mich darauf, erste Ergebnisse präsentieren zu können.

Burgstaller, P., & Heil, P. (2020). Der virtuelle Raum als Treffpunkt für Kinder und Jugendliche. soziales_kapital, 24, 24–39.
Schwerthelm, A. (2021). Sozialraum ist veränderlich, sein Verständnis sollte es ebenfalls sein. sozialraum.de (13), 2, 2021.
Tillmann, A. (2014). Medienaneignung als Raumbildungsprozess. In U. Deinet & C. Reutlinger (Hrsg.), Tätigkeit—Aneignung—Bildung (S. 273–284). Springer Fachmedien Wiesbaden.

Dr. Eike Rösch, Prof. Dr. Olivier Steiner, Martina Gerngross (Hochschule für Soziale Arbeit FHNW)

Die Mediatisierung der Gesellschaft (Krotz) wie auch des Alltagshandelns (Stalder) bedingen bei den Subjekten veränderte Raumvorstellungen. Diese lassen sich mit relationalen Raumkonzepten fassen, womit Sozialräume als von den Subjekten im Alltagshandeln konstituiert verstanden werden können. Dabei werden Lebewesen und soziale Güter an Orten (an)geordnet (Löw), wobei alle Elemente, der Ort und die Relationen mediatisiert sein können (Brüggen/Müller/Rösch). 
Professionelles Handeln mit einem sozialräumlichen Verständnis kann eine Sozialraumanalyse als Ausgangspunkt nehmen. Häufig beziehen sich methodische Herangehensweisen (etwa Deinet/Krisch) auf einen absolutistischen, dreidimensionalen Raumbegriff, was zumindest eine Anpassung für Sozialraumanalysen bedeutet, die eine relationale Raumvorstellung zu Grunde legen. 
Im Projekt «e_space» entwickeln Fachpersonen aus der OKJA in der Deutschschweiz und der Romandie eigene Herangehensweisen an OKJA unter den Bedingungen der Digitalität. Dabei wird eine Sozialraumanalyse zum Ausgangspunkt für die neue/weiterentwickelte Angebote gemacht. Entsprechend wird auch eine relationale Raumvorstellung gewählt. 
In diesem Zusammenhang haben die Beteiligten eine methodische Herangehensweise gewählt, die die veränderten Rahmenbedingungen berücksichtigt. Dabei haben sie sich an einer ethnografischen Methodologie orientiert. Im Beitrag werden die entsprechenden Überlegungen skizziert und vor allem die gewählte Herangehensweise dargestellt und dargelegt, wie Fachpersonen in ihrem Umfeld eine Sozialraumanalyse durchführen können, die den Bedingungen der Digitalität und von verbreiteten relationalen Raumvorstellungen gerecht wird.

Elodie Müller, Prof. Dr. Sebastian Kurtenbach (FH Münster, Fachbereich Sozialwesen)

Unterschiede von Nutzer:innen im digitalen Raum werden in der Regel anhand der Merkmale Alter, Bildungsstatus, sozioökonomischer Status und staatlicher/kultureller Zugehörigkeit erforscht. Dabei bleiben sozialräumliche Faktoren außen vor, obgleich Erkenntnisse darüber bestehen, dass der Wohnort und die Interaktionsmuster mit der lokalen Gemeinschaft Einfluss auf z.B. die Nutzung von digitalen Plattformen oder das online Konsumverhalten nehmen. Das Konzept „Urban Digital Lifestyle“ (Hatuka et al. 2020) stellt ein neues Verständnis zur Erfassung digitaler Unterschiede in städtischen Gebieten dar. In einer Verbindung aus dem sozioökonomischen Status von Nutzer:innen, Attributen des Wohnortes und der digitalen Praktiken von Bewohner:innen lassen sich unterschiedliche digitale Lebensstile im städtischen Raum bestimmen.
Diese theoretischen Überlegungen werden in einer komparativen Studie in jeweils vier Stadtteilen in Köln und Tel Aviv geprüft und weiterentwickelt. Zentral Fragestellungen der Studie widmen sich dem durch digitale Praktiken veränderten Nutzungsverhalten von Räumen, dem Einfluss dieser auf soziale Entwicklungen wie Segregation und Exklusion und der Verbindung zwischen digitalen Praktiken und der Interaktion mit lokaler Gemeinschaft. Sozialarbeiterische Handlungspraktiken sind hier als Schnittstelle zwischen der lokalen Angebotslandschaft und der gesamtstädtischen Ebene zu verstehen, in dem sie durch Ansätze wie dem Quartiersmanagement Einfluss auf die soziale Infrastruktur, die materiellen und vereinzelnd auf die digitale Informationswelt am Ort nehmen. Diese gilt es in Anerkennung der lokalspezifischen Unterschiede digitaler Lebensstile bedarfsgerecht weiterzuentwickeln und sich advokatisch für eine politische Praxis einzusetzen, die kontextspezifische digitale Technologien zur Teilhabegestaltung verwirklicht.
Der Beitrag diskutiert die aktuelle Forschungsdebatte zu digitalen Unterschieden in der Gesellschaft mit einem Fokus auf sozialräumliche Faktoren. Daran angelehnt wird ein Einblick in das laufende Forschungsprojekt gegeben. Der Beitrag schließt mit Implikationen für die sozialarbeiterische Handlungspraxis im Rahmen sozialer Stadtentwicklung.

Madlaina Kalunder (Hochschule für Technik FHNW)
Fabian Goslar (one11 AG)

one11 setzt sich seit 2019 für die generationenübergreifende Vernetzung der Nachbarschaft ein und möchte den Menschen in der Umgebung über die Plattform ermöglichen, selbstbestimmt, sozial vernetzt und mit hoher Lebensqualität in ihrer Umgebung wohnen zu können – in jedem Alter. Dabei ist der Austausch von Zeit eine wesentliche Komponente für das Ökosystem. Die soziale und finanzielle Ungleichheit in unserer Gesellschaft schreitet aktuell voran. In diesem Beitrag gehen wir der Frage nach, warum der Austausch von Zeit für unterstützende Tätigkeiten ein praktisches Mittel ist, um dieses gesellschaftliche Problem und seine Auswirkungen wie Altersarmut zu bekämpfen und auszugleichen. Stigmatisierung und persönliche Hürden führen in der traditionellen Nachbarschaftshilfe zu einer ungleichen Dynamik zwischen Bittstellern und Freiwilligen. Dies kann über eine längere Zeit zu einer Reduktion von Hilfeempfängern führen.
In einem zirkulären System, in welchem Zeit für gegebene Unterstützung gutgeschrieben wird, können arbeitsfähige Menschen wieder in den Alltag und in das soziale Netzwerk eingebunden werden, indem sie ihre eigenen ungenutzten Ressourcen erkennen und reaktivieren. Durch den Einsatz ihrer Kompetenzen und Fähigkeiten erhalten sie Zeit, um an anderer Stelle für sie nützliche Ressourcen beziehen zu können. Durch den eigenen Beitrag zum System werden so auch die Hemmungen für den Empfang von Dienstleistungen abgebaut. Bei der Konzeption einer digitalen Plattform, die den Tausch von Zeit ermöglicht und die zirkulären Aktivitäten in «Sharing Communities» unterstützt, steht die digitale Inklusion im Mittelpunkt. Die komplexen Herausforderungen erfordern menschenzentrierte Ansätze und Co-Kreation-Prozesse, um die Nachhaltigkeit und Akzeptanz langfristig zu sichern. Welche Chancen bieten dabei aufstrebende Technologien und hybride Ansätze, um sichere und inklusive Rahmenbedingungen für alle zu schaffen?
Wir diskutieren, wie das Prinzip «Gleicher Wert für gleiche Arbeit» durch Freisetzung von Arbeitsleistungen einen Mehrwert für die Gesellschaft schafft, Sozialkosten gesenkt, das lokale Gewerbe, sowie Gemeinden gestärkt werden können.

Katharina Kirsch-Soriano da Silva (Caritas der Erzdiözese Wien – Hilfe in Not)

Gemeinschaftlich nutzbare Räume sind wesentliche Bausteine von Wiener Neubauquartieren. Im Kontext steigender Wohnkosten bilden sie eine ressourcensparende Ergänzung des individuellen Wohnraums und eröffnen gleichzeitig Potenziale für soziale und stadtpolitische Teilhabe. Vor dem Hintergrund einer stärker ausdifferenzierten und individualisierten Gesellschaft sowie wachsender sozialer Ungleichheiten wird den „Räumen der Gemeinschaft“ auch politisch eine größere Bedeutung beigemessen. Programmatisch ist die Errichtung von Gemeinschaftsräumen mit dem Konzept der „Sozialen Nachhaltigkeit“ verknüpft, welches 2009 – neben Architektur, Ökologie und Ökonomie – als vierte Säule im geförderten Wohnbau eingeführt wurde.
Im Zuge einer zunehmenden Digitalisierung werden für den Betrieb von Gemeinschaftsräumen immer häufiger digitale Tools wie digitale Buchungs- und Schließsysteme eingesetzt. Diese schaffen einen „smarten“ Zugang für alle berechtigten Bewohner:innen. Gerade im Rahmen begleitender Gemeinwesenarbeit zeigt sich allerdings, dass diese Form der Zugänglichkeit für manche Menschen auch neue Hürden bedeutet. Wissen über das System und seine Möglichkeiten sowie digitale Kompetenzen sind Zugangsvoraussetzungen, bei der manche Bewohner:innen Unterstützung benötigen. Darüber hinaus werden seitens der Hausverwaltungen oftmals auch Aspekte der „Kontrolle“ als Argument für den Einsatz digitaler Tools angeführt. Mit Hilfe von digitalen Reservierungs- und Zutrittssystemen kann nachverfolgt werden, wer einen Raum wann benützt hat – im Falle von Verschmutzung oder Beschädigung können so Verantwortliche ausgemacht werden. Im Vordergrund stehen also weniger die Aneignungsmöglichkeiten der Nachbarschaft, als vielmehr administrative Regulationsinstrumentarien.
In diesem Beitrag werden Erfahrungen aus verschiedenen Wiener Neubauquartieren reflektiert. Dabei wird einerseits die Prozessbegleitung durch Gemeinwesenarbeit, die auf die emanzipatorischen Potenziale bei der Aneignung und Nutzung von gemeinschaftlichen Räumen fokussiert, in den Blick genommen. Andererseits werden digitale Tools für Gemeinschaftsräume näher beleuchtet und deren Wirkmechanismen kritisch diskutiert.

Dr. Martin Lenz, Bettina Leßle (Stadt Karlsruhe)

Technologische Innovationen können für zur Förderung des sozialen Miteinanders ermöglichende Strukturen im urbanen öffentlichen Raum sorgen. Ein Beispiel ist die Karlsruher Innovation, mithilfe von sog. „Sportboxen“ Bewegung für alle Bevölkerungsschichten zu fördern. Dies wird dadurch erreicht, dass auf digitalem Weg der Zugang zur Öffnung der Sportboxen jederzeit mit Hilfe eines Smartphones kostenfrei und barrierefrei möglich ist. Die Sportboxen enthalten ein speziell für den freien Sport im öffentlichen Raum konzipiertes sportliches Equipment wie z. B. für ein „functional training“. Die Sportboxen werden durch Solarzellen betrieben, sie können auch mit Ballspielequipment ausgestattet werden. Neben den Sportgeräten bieten sie auch Desinfektionsmittel, eine Musikbox, Ladekabel für Handys.  Sportboxen haben einen großen Aufforderungscharakter. Die individuell buchbare Sportbox kann beispielsweise auch von Hotelgästen, die sich gerne sportlich betätigen wollen, deren Hotel jedoch keinen Fitnessbereich aufweist, genutzt werden. Dies erweitert für den Karlsruher Tourismus die Darstellung und Werbung für Karlsruhe als Sportstadt. Die Sportbox fügt sich auch in andere kommunale Ziele und Strategien ein, da sie gesundheitsfördernd und präventiv Teilhabe ermöglicht. Dadurch wird die Möglichkeit, Sport zu treiben, um einen sozialen und damit gemeinschaftlichen Ansatz erweitert. In der Regel werden die insgesamt zwölf Sportboxen, die flächendeckend über das gesamte Stadtgebiet aufgestellt sind, von Sportvereinen betreut, in deren Besitz sich die jeweiligen Sportboxen befinden. Dies gewährleistet ein „Mehr“ an sozialem Miteinander, da rund um die Sportboxen im öffentlichen Raum Kurse und Sportangebote in Gruppen angeboten werden. Unter sozialplanerischer Perspektive sind Sportboxen deshalb auch ein Beitrag zu sozialen Stadtteilentwicklung, weil sie öffentliche Räume mithilfe des Mediums Sport zu Stätten der möglichen Begegnung von Menschen fortentwickeln. Stadt- und Raumplanung sind aufgefordert, diese neuen Perspektiven bei der Entwicklung neuer Wohngebiete mitzudenken. Im Bestand können bereits vorhandene Spielplätze für Kleinkinder zu sportbezogenen Plätzen für mehrere Generationen erweitert bzw. umgewandelt werden.

Simone Tappert, Aline Suter (Hochschule für Soziale Arbeit FHNW)

Informations- und Kommunikationstechnologien verändern derzeit die Praktiken partizipativer Stadtentwicklung, da sie neue Formen der Kommunikation, Kooperation und Intervention ermöglichen. Als solches können sie zur Förderung dezentraler Strukturen und koproduktiver Wissens- und Raumproduktion beitragen. Soziale Medien und digitale Beteiligungsplattformen sind Beispiele für solche Technologien. Die Nutzung digitaler Technologie wird als Baustein für die Verbesserung der potenziell deliberativen Qualität partizipativer Prozesse und für die Bearbeitung historischer Defizite in partizipativen Stadtentwicklungsprozessen angesehen.
Hier knüpft die qualitative SNF-Studie «Placemaking through Idealizations and the role of local knowledge and practices in the age of digitalization» (Laufzeit 2021-2024) an. Anhand von zwei partizipativ angelegten Quartierentwicklungsprojekten in den Städten Luzern und Zürich wird untersucht, wie unterschiedliche Visionen von Stadt und städtischem Zusammenleben verhandelt werden, wie digitale Technologie in diesen Prozessen von den unterschiedlichen Akteur*innen eingesetzt werden und wie sich dies in Folge auf Wissensproduktionen, Prozessgestaltung und darin angelegte Aushandlungsmomente auswirkt. Der Beitrag präsentiert Teilergebnisse der Studie.

Udo Allgaier (Pro Senectute Schweiz)
Sandra Remund (Pro Senectute Kanton Luzern)

Das Projekt «Quartier4all» ist eine Antwort auf die demografische und gesellschaftliche Entwicklung. Die Bevölkerung wächst und wird immer vielfältiger – entsprechend nutzen Menschen die Lebensräume intensiver und diverser. Digitalisierte, individualisierte und sich schnell verändernde Lebenswelten erzeugen Ausschluss und können zu Einsamkeit führen. Zunehmende soziale, funktionale und räumliche Verdichtung von Quartieren und Siedlungsräumen führt zu vermehrten Konflikten. Um die damit einhergehenden Herausforderungen zu meistern, legt «Quartier4all» den Fokus der Entwicklung auf das Zusammenleben der Generationen sowie auf die Integration von Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Biografien als Bestandteil der zukünftigen Siedlungs- und Quartierplanung.
«Quartier4all» trägt dem Netzwerkcharakter Rechnung, fördert den Dialog mit Bestehendem und Neuem und unterstützt den steten Austausch mit Akteur:innen im Quartier.
«Quartier4all» fördert eine offene und respektvolle Kommunikationskultur und setzt Kommunikationsmittel ein, die Menschen direkt ansprechen und den Dialog ermöglichen.
«Quartier4all» unterstützt die bewusste Schaffung von sich ergänzenden qualitätsvollen Innen-, Aussen- und Zwischenräumen, welche Begegnungen und Kontakte im Alltag fördern und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Privatheit und Gemeinschaftlichkeit unterstützen.
«Quartier4all» fördert den Aufbau von nachbarschaftlichen Netzwerken und unterstützt die Menschen, zueinander Sorge zu tragen.
Das Projekt «Quartier4all» steht für eine Fokusverschiebung von der rein räumlich-städtebaulichen hin zur vielfältigen sozialräumlichen Perspektive. «Quartier4all» entwickelt tragfähige integrative Quartiere in Kooperation mit den primären Entwicklungsakteur:innen (Investor:innen, Entwickler:innen, Planer:innen, Gemeinden, Behörden) und weiteren lokalen Akteur:innen. Dazu bündelt «Quartier4all» das vorhandene Knowhow von Pro Senectute und weiteren Projektpartner:innen in einem Kompetenzzentrum und macht das Wissen mittels einer Toolbox mit Handlungsempfehlungen zugänglich, die aufzeigt, wie die primären Entwicklungsakteur:innen bei der Entwicklung eines integrativen Quartiers vorgehen können.

Lars Kaiser (Urban Equipe)

Seit 2019 finden, begünstigt durch die Digitalisierung und den damit verbundenen Smart-City-Strategien, in zahlreichen Schweizer Städten Prozesse statt, die dem Format des partizipativen Budgets zuzuschreiben sind. Während in Lausanne seit 2019 jährliche Prozesse durchgeführt werden, waren sie in anderen Städten (Zürich, Aarau, Thun, Luzern) bislang einmalige Pilotprojekte.
Anders als im internationalen Kontext üblich, wo durch die Bevölkerung eingereichte Ideen von einer Stadtverwaltung umgesetzt werden, setzen die in der Schweiz durchgeführten Projekte eine Selbstumsetzung der Ideengebenden voraus. Sie schaffen somit einen neuen Weg für Förderung von Nachbarschaftsprojekten und Quartiervernetzung.
Der Beitrag gibt einen Einblick in die Erkenntnisse aller Prozesse, deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede und versucht Erfolgsfaktoren für die Durchführung partizipativer Budgets zu definieren. Die Urban Equipe durfte seit 2019 vertieft Erfahrungen mit diesem Instrument machen. Sie trat als Projektträgerschaft der «Quartieridee Wipkingen» (2020/21) und als Prozessbegleitung der «Stadtidee Zürich» (2021/22), der «Stadtidee Aarau» (2022/23) und der «Klima-Idee Thun» (2023/24) auf.

Workshops, Freitag, 21. Juni 2024, 11.00 – 12.30 Uhr

Carolina Esteves, Alexandra van Heerden (ITOBA GmbH)

Gemäss der Interessengemeinschaft für Elektronische Medien Schweiz nutzen heute ca. 4.8 Millionen Menschen in der Schweiz gelegentlich Soziale Medien (IGEM 2023). Plattformen wie Instagram und TikTok sind eher bei Menschen unter 35 Jahren beliebt, während Twitter/X, Facebook und LinkedIn auch Menschen über 40 Jahren ansprechen. Dies zeigt, dass Soziale Medien breit durch die Bevölkerung genutzt werden und somit für die Soziale Arbeit ein grosses Nutzungspotenzial besteht. Doch wie und warum werden Soziale Medien für die Soziale Arbeit im Alltag genutzt?

Sind Soziale Medien ein Informationsgefäss zum Erreichen von AkteurInnen in Zusammenhang mit Sozialen Projekten? Sind sie eine Möglichkeit zur KundInnen- oder AkteurInnengewinnung? Oder sind Soziale Medien auch Möglichkeit zur AkteurInnenverknüpfung? Die Antwort – ja. Die Nutzung Sozialer Medien in der Sozialen Arbeit ist sehr vielfältig. Trotz immer grösser werdender Praxisrelevanz gibt es bis anhin keinen Konsens und keine organisierte Diskussion über die Bedeutung der Sozialen Medien in der Sozialen Arbeit, über Chancen und Risiken, sowie mögliche professionelle Qualitätsstandards in der Anwendung.

Ziel dieses Workshops: Eine Diskussion unter AkteurInnen in der Sozialen Arbeit anstossen. Zunächst geht es darum, einen Erfahrungsaustausch zu erreichen. Was sind Vorwissen und Alltagserfahrungen der Teilnehmenden? Good-Practice Beispiele aus verschiedenen Anwendungen werden gezeigt.

Nach dem Erfahrungsaustausch soll eine Diskussion erfolgen, in welcher die Teilnehmenden die grössten Stärken, Schwächen, Möglichkeiten und Bedrohungen in der Arbeit mit Sozialen Medien sehen (SWOT-Analyse). Diese werden gemeinsam skizziert.

Schliesslich soll eine Landkarte zur Anwendung Sozialer Medien erstellt werden, welche aufzeigt, welche Sozialen Medien für welchen Zweck verwendet werden und welche minimalen Qualitätsmerkmale die Anwendungen aufweisen sollten. Die Landkarte ist gedacht als eine Art Leitfaden für die Teilnehmenden, welcher im Nachgang im Arbeitsalltag herangezogen werden könnte.

Peter Zängl (Hochschule für Soziale Arbeit FHNW)
Michael Burkhalter (Universitäre Psychiatrische Dienste Bern (UPD))

Das Triple Mandat der Sozialen Arbeit erfordert aufgrund immer komplexer werdender, instabiler Umwelten und schwer vorhersehbaren Einflüssen zunehmend flexible Anpassungsfähigkeiten der eigenen Organisation was mit einem veränderten Projektmanagement zur Lösung beziehungsweise Linderung sozialer Problemlagen einhergeht. Die Herausforderungen liegen dabei vor allem in der Berücksichtigung der Interessenlagen unterschiedlicher Anspruchsgruppen sozialer Dienstleistungsorganisationen sowie der Verwirklichung ihrer umfassenden Beteiligungsmöglichkeiten. Dies erfordert häufig eine Abkehr von organisationalen und eher linearen Planungsprozessen. Agilität bietet hier einen Lösungsansatz und umfasst einerseits als ganzheitliches Konzept die Anpassungs- und Reaktionsfähigkeit von Organisationen auf Veränderungen der Umwelt. Andererseits geht Agilität mit einer Vielzahl von Methoden einher. Agile Methoden in der Projekt- und Produktentwicklung wie zum Beispiel Scrum bieten eine iterative und inkrementelle Herangehensweise. Sie erlauben es, flexibel auf sich ändernde Anforderungen zu reagieren. Dies trägt dazu bei, dass Teams unmittelbar auf Unsicherheiten oder veränderte Bedürfnisse reagieren können und Kund*innen schneller nutzbare Produkte und Dienstleistungen erhalten.

Die Übertragbarkeit agiler Projektmanagementmethoden auf die Soziale Arbeit und deren Nutzen sind bisher kaum innerhalb der Disziplin der Sozialen Arbeit untersucht worden. In unserem Beitrag betrachten wir Agilität als ganzheitliches Konzept zur Bearbeitung sozialer Probleme. Wir wagen den Versuch, das aus dem IT-Bereich stammende Framework Scrum für die Entwicklung von komplexen Produkten und Dienstleistungen auf die Belange der Sozialen Arbeit zu übertragen. Im Workshop stellen wir uns die Fragen, inwieweit Scrum auf Organisationen der Sozialen Arbeit übertragbar ist und welche Strukturen oder organisationalen Logiken diese Methode bedingt. Dabei gehen wir insbesondere auf unterschiedliche Rollenverteilungen, Machtansprüche und Partizipationsformen ein und diskutieren diese mit den Teilnehmenden.

Jonas Bieri, Fachstelle OGD, Kanton Basel-Stadt

Daten sind die Grundlage der digitalen Transformation und deshalb als Ressource von sehr grossem Wert. Das Prinzip von Open Government Data (OGD, offene Behördendaten) sagt, dass der Staat die von ihm im Rahmen der Verwaltungstätigkeit gesammelten Daten der Öffentlichkeit zur freien Nutzung zur Verfügung stellt. Der Kanton Basel-Stadt tut dies über sein unter data.bs.ch auffindbares Datenportal.
Im Workshop «Open Government Data» erläutern wir den Besucher:innen die Idee von Open Government Data, zeigen auf, wie offene Behördendaten weiterverwendet werden können und werfen einen Blick in verschiedene Datenportale von Schweizer Kantonen und Städten.
Anschliessend bekommen die Teilnehmer:innen eine Einführung, wie OGD mit den Instrumenten des kantonalen Datenportals ausgewertet, bearbeitet und visualisiert werden können und wie sie im Rahmen von interaktiven Dashboards verwendet werden können. Die Teilnehmer:innen erhalten die Möglichkeit, unter professioneller Anleitung eigene Fragestellungen basierend auf offenen Daten zu beantworten und Daten zu visualisieren.
Voraussetzung für die Teilnahme: Eigener Laptop mit Internet-Verbindung.

Manuela Honegger
Dr.rer.pol, betriebliche Mentorin & Organisationsentwicklerin im Sozialwesen

In der rasant fortschreitenden digitalen Ära ist die Einstellung zur Digitalisierung mehr als nur eine persönliche Ansicht; sie ist ein entscheidender Faktor unter anderem für den Erfolg in der digitalen Stadtentwicklung. Unser Workshop «Mindset und Digitalisierung» bietet eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Mindset, Werten und deren Einfluss auf die professionelle Haltung gegenüber digitalen Transformationen.
Teilnehmer:innen lernen, ihre persönlichen Einstellungen zur Technologie kritisch zu
reflektieren und zu erkennen, wie diese ihre Arbeit in der Stadtentwicklung beeinflusst.

Mit der Anwendung eines Kurzfragebogens erkunden die Teilnehmer:innen , welche Werte
sie mit der Digitalisierung verbinden und wo sie sich selbst auf einem Wertekreuz
positionieren. Dies dient als Grundlage, um individuelle Technologieeinschätzungen zu
hinterfragen und ein Bewusstsein für die eigene Haltung zur Digitalisierung zu schaffen.

Inspiriert durch die «Spielregeln in der digitalisierten Welt» von Douglas Rushkoff, diskutieren wir, wie die Digitalisierung unsere Realität nicht werteneutral konstruiert, sondern tiefgreifend prägt. Die Teilnehmer:innen werden angeregt, über diese Spielregeln nachzudenken, eigene Standpunkte zu definieren, sich mit den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung sowie den inneren Widerstände auseinanderzusetzen.

Ein zentrales Element des Workshops ist die Auseinandersetzung mit dem Konzept des
«Fixed und Growth Mindsets» nach Carol Dweck. Ein Hilfsmittel um den Wandel zu
gestalten. Anhand einer Kompetenzeneinschätzung werden die Teilnehmer:innen dazu
angeleitet, ihre eigene Einstellung zur Technik kritisch zu bewerten und Wege zu erkennen,
wie ein «Growth Mindset» in ihrer eigenen Organisation entwickelt werden kann um die
Innovationskraft in der digitalen Stadtentwicklung zu fördern.

Dieser Workshop richtet sich an Fachleute, Entscheidungsträger:innen und alle
Interessierten, die ihre Einstellung zur Digitalisierung verstehen und positiv gestalten
möchten, um so einen wirkungsvollen Beitrag zur Entwicklung digitaler Städte zu leisten.

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