Emma Yarlett: Einhornpost

Auf der ersten Seite des Buches ist ein speziell schönes Baumhaus abgebildet. Dieses Haus verfügt nicht nur über mehrere Leitern und ein regendichtes Dach, es ist auch wunderbar in allen Farben des Regenbogens bemalt. In diesem Baumhaus wohnt ein pfiffiges Mädchen. Es staunt nicht schlecht und freut sich riesig, als eines Morgens ein Einhorn an die Tür klopft. Das Einhorn muss sich wohl verlaufen haben und sucht ein neues Zuhause. Das Mädchen überlegt und bringt das Einhorn schliesslich in eine Tierhandlung, da könnte es sicher leben. Aber die Tiere dort sind alle in Käfige eingesperrt, das geht gar nicht. Also weiter zu einem Bauernhof. Hier hat es zwar genug Platz, nur spuckt das Einhorn sein Essen, Gras und Heu, sofort wieder aus. Wieder hat das Mädchen eine Idee, es bringt das Einhorn auf einen Rummelplatz, dort ist es aber viel zu laut und hektisch. Schliesslich gelangen die beiden zu einem Märchenschloss, das passt dem Einhorn nun tatsächlich. Aber jetzt gilt es Abschied zu nehmen. Traurig kehrt das Mädchen zurück in ihr Baumhaus, das nun nicht mehr bunt, sondern grau und trist erscheint. Noch am gleichen Abend wird ein Brief unter der Tür durchgeschoben. Es ist ein Brief des Einhorns, das sich nichts sehnlicher wünscht, als bei diesem klugen, mutigen Mädchen leben zu dürfen. Und am Schluss wird alles genauso, wie es sich Kinder wünschen: Das Einhorn darf bleiben und alles wird gut.
Viele Kinder, vor allem natürlich Mädchen, lieben Einhörner. Dass Geschichten über Einhörner nicht kitschig und trivial sein müssen, beweist das vorliegende ausdrucksstarke Bilderbuch der preisgekrönten Illustratorin. Wie schon in früheren Büchern gibt es auch in diesem aufklappbare Karten und Briefe, welche die Handlung erweitern. Die Geschichte ist linear erzählt, die Bilder sind kleine Kunstwerke. Schon kleine Kinder können deshalb nicht nur dem Plot folgen, sie erfahren auch, welch grossen Nutzen Schriftlichkeit im Zusammenleben haben kann.

Emma Yarlett: Einhornpost. Aus dem Englischen von Ebi Naumann. Thienemann 2026. ISBN: 978-3-522-46267-9

Rezension: Maria Riss

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