Buch des Monats Mai 2026
Wiebke Nieland: Gespensterzentrale. Das Rätsel der Zeitreise

Yunis hasst sein neues Zuhause, dieses alte Haus mitten in Berlin, wo er niemanden kennt. Aus diesem Grund ist er fast ein bisschen dankbar, dass er Lotte aufspürt. Die flotte Lotte ist etwa gleich alt wie er, kam allerdings im Jahr 1897 ums Leben und spukt seither im neuen Zuhause von Yunis umher. Lotte will unbedingt in ihre Zeit zurückkehren, um herauszufinden, wer damals eine goldene Brosche in ihren Korb legte, weswegen sie danach von ihrer Herrschaft des Diebstahls bezichtigt wurde. Vor lauter Verzweiflung rannte sie darauf vor ein Auto und kam ums Leben. Mit viel List und Mut gelingt es Yunis und Lotte, in diese Zeit zurückzureisen. Lotte war ein Hausmädchen einer reichen Berliner Familie im Haus, in dem jetzt Yunis wohnt. Lotte beginnt sofort wieder mit ihrer Arbeit und Yunis wird von den feinen Leuten gleich als Laufbursche eingestellt. Yunis staunt nicht nur darüber, wie sich das Haus seit damals verändert hat, er hat auch grosse Mühe, sich in diesem altmodischen Haushalt zurechtzufinden. Lotte ist tatsächlich flott und Yunis bringt sie manchmal schier zum Verzweifeln, weil er nicht einmal weiss, was Bohnern ist und dass Fisimatenten keine fiesen Enten sind. Wie die beiden herausfinden, wer die kostbare Brosche in Lottes Korb schmuggelte und wie Yunis schliesslich wieder in seine Welt zurückgelangt, liest sich so spannend, interessant und humorvoll, dass das Ende der Geschichte an dieser Stelle noch nicht verraten werden soll.
Wiebke Nieland hat geschickt Elemente aus Krimis mit solchen von Gespenstergeschichten verwoben. Besonders interessant und vor allem auch lehrreich sind natürlich die vielen historischen Fakten, das Kennenlernen der Lebensumstände von damals, wo zum Beispiel fliessend Wasser ein ungeheurer Luxus für wenige war. Es ist nicht Yunis, der mit den Erkenntnissen unserer Welt triumphiert, es ist eher Lotte, die nicht nur Yunis, sondern auch Lesende immer wieder zum Staunen bringt. Sie kann Kurrentschrift lesen, sie arbeitet unglaublich hart, verfügt aber trotz allem über viel Humor und ist Yunis meist eine Nasenlänge voraus. Viele alte Fotografien aus jener Zeit, ein Alphabet in Kurrentschrift und ein Glossar ergänzen die Lektüre. Das Buch eignet sich nicht nur wegen des spannenden Plots hervorragend zum Vorlesen, es sind auch die Gliederung in kurze Kapitel und die beiden liebenswerten Hauptfiguren, die wohl die meisten Kinder begeistern werden. 144 Seiten.
Wiebke Nieland: Gespensterzentrale. Das Rätsel der Zeitreise. Tulipan 2026. ISBN: 978-3-86429-688-8
Rezension: Maria Riss