Ulla Schuh: Ich in 100 Teilen

Rike, etwa 16 Jahre alt, hat ständig das Gefühl, falsch und unzureichend zu sein: zu wenig trendy angezogen, zu schlecht in Sport, zu unbeliebt. Nicht nur in der Schule, sondern vor allem auch daheim fühlt sie sich ausgeschlossen. Ganz im Gegensatz zu ihrer Schwester., Die ist nicht nur viel schöner, sondern scheint auch in allen Belangen begabter zu sein als Rike. Vor allem aber entspricht sie viel mehr dem Wunschbild ihrer Eltern. Rike zieht sich immer mehr in ihre eigene Welt zurück und stellt Vermutungen an, was die Ursache für ihr Anderssein sein könnte. Auch rein äusserlich passt sie nämlich nicht in ihre Familie. Sie ist verwirrt und unsicher, in jeder Beziehung. Erst als Nico neu in die Klasse kommt, findet sie jemanden, der ähnlich fühlt. Nico ist nett, akzeptiert Rike so, wie sie ist und versteht das Gefühlt von Ausgeschlossensein, weil er selbst in keinen Rahmen passt, weil auch er auf der Suche nach fehlenden Puzzleteilen ist. Nico ist an ihrer Seite, als sie herausfindet, dass sie ein Kuckuckskind ist, dass ihre Mutter alle belogen hat. Es ist auch Nico, der sie nach Berlin begleitet, um ihren leiblichen Vater zu treffen.
Seit Rike den Schreibkurs an ihrer Schule belegt hat, bringt sie ihre Gedanken, ihr Gefühlsdurcheinander, ihr Suchen nach passenden Puzzleteilen in einem Notizbuch zu Papier. Lesende dürfen diese persönlichen Aufzeichnungen einsehen und kommen auf diese Weise Rike ganz nah. Die Einträge sind sehr poetisch, kurz und prägnant. Oft lesen sie sich wie Gedichte. Ulla Schuh ist selbst Lehrerin und weiss, was viele Jugendliche bewegt, wie schwierig die Suche nach der eigenen Identität sein kann. Ein berührendes Buch, leicht lesbar an der Oberfläche, aber anspruchsvoll beim Interpretieren der lyrischen Zeilen. Für Jugendliche. 144 Seiten.

Ulla Schuh: Ich in 100 Teilen. Beltz 2026. ISBN: 978-3-407-79043-9

Rezension: Maria Riss

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