Ein grosser Teil der in Bauwerken eingesetzten Materialien bleibt über lange Zeiträume gebunden und wird am Ende der Nutzung häufig nur noch verwertet, obwohl Bauteile und Systeme technisch weiter nutzbar wären. Ansätze wie Design for Disassembly (DfD) und Design for Adaptability (DfA) zielen darauf ab, Bauwerke so zu planen, dass Demontage, Anpassung, Reparatur und Wiederverwendung erleichtert sowie sortenreine Materialkreisläufe ermöglicht werden. Dadurch können insbesondere mehrfache Nutzungszyklen von Bauwerken, Bauteilen und Materialien unterstützt werden.
Projektdetails
- Forschungsfeld
- Ressourceneffizienz und zirkuläres Bauen und Nachhaltig planen, bauen und betreiben
- Hochschule/Institut
- Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik FHNW / Institut Nachhaltigkeit u.Energie am Bau

Die vorliegende Studie untersucht die fachlichen Grundlagen für die Planung rückbaubarer und anpassungsfähiger Bauwerke. Ziel ist es, bestehende Erkenntnisse aus Normen, wissenschaftlicher Literatur, Labels, Leitfäden und Praxisbeispielen systematisch zusammenzuführen und im Hinblick auf ihre Anwendbarkeit in der Planungspraxis zu strukturieren. Die Literaturrecherche zeigt, dass mit der ISO 20887 ein konsistenter Referenzrahmen für Definitionen, Prinzipien und Entscheidungsgrundlagen vorliegt, auf den sich ein grosser Teil der Forschung und praxisorientierten Veröffentlichungen bezieht.
Auf dieser Grundlage wurden zentrale Begriffe harmonisiert, Ziele und typische Projektszenarien abgeleitet sowie Prinzipien und Massnahmen aus Normen, Forschung und Praxis zusammengeführt. Zudem wurden typische Zielkonflikte (Trade-offs) identifiziert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Auswahl geeigneter DfD/A-Strategien wesentlich vom Nutzungskontext abhängt, insbesondere von der Dauer des Lebenszyklus, der Anzahl darin befindlicher möglicher Nutzungszyklen sowie der Wahrscheinlichkeit von Nutzungsänderungen.
Für die Einordnung von Projekten haben sich dabei insbesondere drei Parameter als zentral erwiesen:
- Dauer des Lebenszyklus
- Anzahl der Nutzungszyklen
- Wahrscheinlichkeit bzw. Art von Nutzungsänderungen

Die Anforderungen an DfD/A betreffen alle Phasen im Lebenszyklus eines Bauwerks. Bereits in der strategischen Planung werden grundlegende Voraussetzungen für Anpassungsfähigkeit und Flexibilität festgelegt. In der Projektierung werden konstruktive Prinzipien definiert, die Rückbau, Austausch und Erweiterung ermöglichen. Materialwahl und Fügungen beeinflussen Wiederverwendbarkeit und Trennbarkeit, während in Ausführung und Betrieb Aspekte wie Demontierbarkeit, Dokumentation und Reparierbarkeit im Vordergrund stehen. DfD/A ist somit als phasenübergreifender Ansatz zu verstehen.
Ein übergeordnetes Ziel von DfD/A besteht darin, die Nutzungsdauer möglichst auf allen Systemebenen zu verlängern. Daraus ergibt sich eine Zielkaskade:
- Lebensdauer des Gebäudes
- Lebensdauer von Systemen
- Lebensdauer von Bauteilen
- Lebensdauer von Materialien
Dabei ist zu beachten, dass DfD/A nicht dazu führen soll, Bauwerke zu überdimensionieren oder unnötig Material einzusetzen. Vielmehr erfordert die Umsetzung und die Auswahl von geeigneten Massnahmen eine projektspezifische Strategie, die sich an realistischen Nutzungs- und Nachnutzungsszenarien orientiert und unterschiedliche Anforderungen über den Lebenszyklus hinweg gegeneinander abwägt. Das Vorgehen zur Auswahl geeigneter Massnahmen lässt sich vereinfacht in folgende Schritte gliedern:
- Zieldefinition
- Bestimmung des relevanten Szenarios
- Auswahl geeigneter Prinzipien
- Ableitung konkreter Massnahmen (insbesondere zu Konstruktion, Fügung und Materialien)
- Bewertung und Abwägung von Zielkonflikten
Die ISO 20887 bietet hierfür eine geeignete Grundlage, da sie klare Definitionen, Prinzipien und Zielsetzungen bereitstellt. Eine Integration dieser Norm in den SIA-Normenkatalog würde die Anschlussfähigkeit an internationale Entwicklungen stärken und den Zugang zu einem breiteren Erfahrungsschatz aus Praxisprojekten erleichtern. Darauf aufbauend könnte eine SIA-Wegleitung die praktische Umsetzung weiter konkretisieren.
In bestehenden Bewertungssystemen werden DfD und DfA zunehmend berücksichtigt, häufig jedoch unter ökonomischen Gesichtspunkten. Insbesondere DfA weist ein hohes Potenzial auf, da die Anpassungsfähigkeit direkt mit der wirtschaftlichen Verwertbarkeit von Gebäuden verknüpft ist. Während DfD vor allem bei kurzfristigen Nutzungen an Bedeutung gewinnt, liegt bei langfristigen Nutzungen der Schwerpunkt auf DfA, ergänzt durch DfD zur Unterstützung von Unterhalt, Wartung und Anpassungen.
Darüber hinaus eröffnen DfD und DfA neue Perspektiven im Kontext der Kreislaufwirtschaft. Geschäftsmodelle wie „Product-as-a-Service“, Leasing oder Rücknahmesysteme ermöglichen eine längere Nutzung von Bauteilen und schaffen zusätzliche Wertschöpfung. Gleichzeitig trägt insbesondere DfA durch erhöhte Reparierbarkeit und Anpassungsfähigkeit zur langfristigen Werterhaltung von Gebäuden bei und stärkt durch wiederkehrende Umbauten und Instandhaltungsmassnahmen die lokale Bau- und Handwerkswirtschaft.
Insgesamt zeigt die Studie, dass DfD und DfA nicht nur ökologische Strategien darstellen, sondern zunehmend als ökonomisch relevante Planungsprinzipien verstanden werden müssen, die sowohl zur Ressourcenschonung als auch zur langfristigen Sicherung von Immobilienwerten beitragen.
Eckdaten des Projekts
Finanzierung | Bundesamtes für Umwelt (BAFU) |
Projektleitung | |
Projektmitarbeitende | Barbara Sintzel, Samuel Held |
Laufzeit | Nov 2025 – Mrz 2026 |
Publikationen
Kontakt
Institut Nachhaltigkeit und Energie am Bau
Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW
Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik Institut Nachhaltigkeit und Energie am Bau
Hofackerstrasse 30
4132 Muttenz
