In diesem Forschungsprojekt wurde für armasuisse Immobilien – einen der grössten Immobilienbesitzer der Schweiz - eine Netto-Null-Portfoliostrategie entwickelt. Dazu wurden auf Basis von Kennzahlen der einzelnen Immobilien Szenarien für verschiedene Absenkpfade mit entsprechenden Massnahmen hin zu Netto-Null evidenzbasiert aufgezeigt.
Projektdetails
- Forschungsfeld
- Digitalisierung für Zirkuläres Bauen & Design for Disassembly
- Hochschule/Institut
- Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik FHNW / Institut Nachhaltigkeit u.Energie am Bau, Institut Digitales Bauen
Zusammenfassung
Armasuisse Immobilien (arImmo) möchte mit ihrem Portfolio bezüglich Treibhausgasemissionen (THGE) Netto-Null erreichen. Während zur Reduktion der direkten und indirekten THGE bereits Massnahmen ergriffen werden, sollen nun auch die grauen THGE, soweit es geht, reduziert werden. Bisher ist unklar, wie dieses Ziel erreicht werden kann. Einerseits gibt es keinen Absenk- oder Entwicklungspfad für die grauen THGE, der aufzeigt, wohin geplante und zukünftige bauliche Massnahmen führen, andererseits ist unklar, welche Massnahmen in welcher Intensität anzupassen respektive umzusetzen sind. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Immobilien bis 2040 klimaneutral betrieben werden und entsprechende Sanierungsmassnahmen (v.a. Heizungsersatz) umgesetzt sind.

Ausgangslage
Der Schweizer Bundesrat hat 2019 beschlossen, die direkten, indirekten und grauen Treibhausgasemissionen der Schweiz bis 2050 auf Netto-Null zu reduzieren; dieser Beschluss wurde 2025 im Klima- und Innovationsgesetz verankert. Gebäude verursachen in der Schweiz rund 30 % der THGE, weshalb insbesondere der Bausektor sowie grosse Portfolio-Besitzende gefordert sind, einen Beitrag zur Reduktion zu leisten. Da die direkten und indirekten Betriebsemissionen seit den 2010er-Jahren durch Massnahmen wie Dämmung oder Heizungsersatz zurückgehen (BAFU, 2025), gewinnen die grauen Treibhausgasemissionen (gTHGE) an Bedeutung.
Armasuisse Immobilien (arImmo), das Immobilienkompetenzzentrum des VBS, besitzt rund 6'000 Objekte in der Schweiz, davon 4'000 im aktiv genutzten Kernbestand der Schweizer Armee mit einem Wiederbeschaffungswert von rund 23 Milliarden Frankensowie rund 2'000 Objekte zur Disposition. Aktuell investiert arImmo jährlich rund 400 Millionen Franken in Sanierungen und Neubauten; bis 2030 wird ein Anstieg auf 600 Millionen und danach auf 800 Millionen erwartet. Der Fokus dieser Studie zur Netto Null-Portfoliostrategie (N0PS) liegt auf der Reduktion der grauen Treibhausgasemissionen (gTHGE, Scope 3), unter Berücksichtigung baulicher Massnahmen, welche aus der Reduktion der Betriebsemissionen (Scope 1 und 2) resultieren, aber auch aus der bedarfsgerechten Anpassung und Erweiterung des Immobilienbestandes.
Projektziele
Ziel des Projekts N0PS ist es, für arImmo eine Netto-Null-Portfoliostrategie zu entwickeln, mit der das Reduktionspotenzial des Portfolios hinsichtlich der grauen Treibhausgasemissionen (Scope 3) ermittelt und unterschiedliche Absenkpfade aufgezeigt und bewertet werden können. Dazu wird eine Berechnungsmethodik auf Portfolio-Ebene entwickelt und in einer Datenbank gestützten Tool implementiert. Die Methodik berücksichtigt die baulichen Massnahmen und die bedarfsgerechte Anpassung und Erweiterung des Immobilienbestandes.
Ergänzend zur Strategieentwicklung soll ein Grobkonzept für ein langfristiges Monitoring entstehen, das die effektiven Emissionen sowie Reduktions- und Lagerungsmassnahmen über die nächsten Jahrzehnte erfasst und steuerbar macht.

Umsetzung
Das Projekt wurde in engem Austausch zwischen arImmo und Forschenden der Institute Digitales Bauen sowie Nachhaltigkeit und Energie am Bau der FHNW erarbeitet, mit Beteiligten aus Architektur, Umweltingenieurwesen und Informatik. In sechs Arbeitspaketen wurden zunächst die methodischen Grundlagen und die Datenarchitektur definiert, anschliessend eine Datengrundlage aus vorhandenen Portfoliodaten, externen Referenzwerten und Literatur aufgebaut und in einem Expertensystem, dem N0PS-Tool, implementiert. Die Methodik und das Tool basieren auf Kennzahlen der individuellen Immobilien sowie abstrahierten Massnahmen und Strategien unterschiedlicher Eingriffstiefen und erlauben eine Bewertung auf Portfolioebene. Damit wurden verschiedene Szenarien berechnet, ausgehend von den aktuell geplanten Massnahmen bis hin zu optimierten Varianten, um das maximale Reduktionspotenzial der grauen THGE aufzuzeigen. Den Abschluss bildete ein Grobkonzept für ein langfristiges Monitoring, das die kontinuierliche Bewertung von Projekten bereits in frühen Phasen ermöglicht. Insbesondere wird auch die dazu mögliche Integration von BIM-Daten aufgezeigt.
Die Auswertung zeigt gestützt auf konkrete Portfoliodaten drei branchenweit wirksame Stellschrauben zur Reduktion der gTHGE: Sanieren statt Neubau, ökologisch optimiertes statt konventionelles Bauen sowie das gezielte Hinauszögern emissionsintensiver Bautätigkeiten. Insbesondere die Objektgruppen Industrie/Handel/Verwaltung, Unterricht/Bildung/Forschung sowie Verkehr tragen den wesentlichen Anteil an den gTHGE und sollten bei der Umsetzung prioritär adressiert werden. Je nach Szenario zeigt sich zudem, dass bei Sanierungen vor allem Fenster, bei Neubauten dagegen das Tragwerk massgeblich zu den gTHGE beitragen.

Eckdaten des Projekts
Projektlaufzeit: | November 2024 – April 2026 |
Finanzierung: | armasuisse Immobilien |
Projektleitung: | Julia Hemmerling |
Projektmitarbeitende |
Projektpartner
Implementierungspartner:
armasuisse Immobilien
