Ein Austauschsemester an der Bergen School of Architecture (BAS) war für mich nicht nur eine akademische Bereicherung, sondern auch eine prägende persönliche Erfahrung. Die Schule unterscheidet sich in vielen Punkten von klassischen Architekturhochschulen und hat meinen Blick auf Entwurfsprozesse, Zusammenarbeit und den Umgang mit Landschaft und Material grundlegend erweitert.
Bergen hat mich sofort mit seiner Mischung aus rauer Natur, nordischer Gelassenheit und regem Kulturleben begeistert. Die BAS selbst befindet sich in einem ehemaligen Industriegebäude im Stadtteil Sandviken. Das offene Studio-Konzept, die grossen Werkstätten und die direkte Nähe zum Wasser haben sofort Lust gemacht, kreativ zu arbeiten.
Die BAS legt grossen Wert auf projektbasiertes Lernen und eine enge Verbindung zwischen Theorie und Praxis. Statt vieler einzelner Kurse arbeiten die Studierenden häufig an umfangreichen, langfristigen Projekten, die regelmässig in Gruppen weiterentwickelt werden.
Man wird ermutigt, eigene Interessen und Fragestellungen einzubringen, anstatt nur vorgegebene Aufgaben abzuarbeiten.
Modellbau, Materialexperimente und räumliche Installationen sind integraler Bestandteil des Lernens – mehr als ich es von anderen Hochschulen kenne.
Die Community an der BAS ist aussergewöhnlich herzlich. Die Studierenden arbeiten oft bis spät in die Nacht im Studio, kochen gemeinsam oder organisieren spontane Events. Besonders eindrücklich war für mich die starke Do-it-yourself-Kultur – vom Möbelbau im Studio bis zur Organisation von Ausstellungen.
Auch ausserhalb der Schule hat Bergen viel zu bieten: Wanderungen im Umland, das lebendige Musik- und Kunstangebot sowie die Nähe zum Meer machen die Stadt zu einem inspirierenden Ort.
Natürlich gab es auch Herausforderungen. Das Arbeitsniveau ist hoch und die Projekte verlangen viel Eigeninitiative. Anfangs war es ungewohnt, mit der grossen Freiheit richtig umzugehen. Ausserdem ist Bergen eine der regenreichsten Städte Europas – daran muss man sich sowohl mental als auch kleidungstechnisch anpassen.
Mein Austausch an der Bergen School of Architecture war eine intensive, motivierende und horizonterweiternde Zeit. Ich habe nicht nur neue Ansätze im architektonischen Denken kennengelernt, sondern auch viele inspirierende Menschen getroffen und die Kraft einer Schule erlebt, die Kreativität und Kollaboration wirklich lebt.
Ich würde jedem, der Lust auf ein experimentelles, praxisnahes und gemeinschaftsorientiertes Architekturstudium hat, die BAS wärmstens empfehlen.




