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17.02.2021 | Hochschule für Wirtschaft

Studienrichtung «Treuhand und Consulting» – Neue Wege in der «neuen Normalität»

Mit dem Ziel, dem Fachkräftemangel in der Treuhandbranche entgegenzuwirken, hat der Schweizerische Treuhänderverband TREUHAND|SUISSE im Februar 2020 eine Kooperation mit der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW lanciert.

Nun ist Halbzeit: Die neu entwickelte Studienrichtung «Treuhand und Consulting» geht in die erste Semesterpause. Während zweier Semester können sich Studierende der Betriebsökonomie am Standort Brugg / Windisch vertieft mit Fragestellungen der Treuhandbranche beschäftigen. Dies bietet Gelegenheit für einen kurzen Rück- und Ausblick.

Dieser Artikel ist erschienen in TREX Der Treuhandexperte 1/2021

Warum überhaupt eine solche Studienrichtung?

Ein Blick in die aktuellen Stellenausschreibungen zeigt: Nachwuchs wird ganz überwiegend auf Stufe Sachbearbeiter rekrutiert, wobei eine kaufmännische Ausbildung vorausgesetzt wird und ein bis zwei Jahre Berufserfahrung erwünscht sind. Studium? Fehlanzeige! Dafür gibt es Gründe: Zunächst ist Treuhand schon im Wortsinn auch «Hand»- Werk und der Weg in die Praxis führt traditionell durch die Praxis zum Beruf. Schliesslich sind es finanzielle Aspekte, denn auch Hochschulabsolventen sind Berufsanfänger und höhere Lohnerwartungen können nicht gleich an die Kunden weiterverrechnet werden. Die Einstellung eines Bachelors ist also ein Investment, das sich rechnen muss.

Was spricht dafür? Zunächst die Tatsache, dass immer mehr KV-Absolventen/-innen nicht in Vollzeit weiterarbeiten wollen, sondern ein Studium an einer Fachhochschule planen. Mit der neuen Studienrichtung «Treuhand und Consulting » begegnen wir dem Fachkräftemangel und schaffen ein entsprechendes Angebot mit Perspektive. Sie ist bewusst auf berufsbegleitend Studierende ausgerichtet und ermöglicht damit Studium und Beruf, Theorie und Praxis miteinander zu verbinden.

Inhaltlich bereitet die Studienrichtung auf Gegenwart und Zukunft vor

Buchführung und Rechnungslegung nach OR und FER, Direkte Steuern und Mehrwertsteuern sowie die eingeschränkte Revision decken das traditionelle Spektrum ab. Mit Spezialveranstaltungen zur Unternehmensbewertung, Abschlussanalyse und -beratung wird auch der Werkzeugkasten für die zukunftsgerichtete Beratung gefüllt. All dies ist eingebettet in die sich digitalisierende Arbeitswelt, von A wie Abacus bis Z wie Zoom.

Und da es nicht nur auf das Erreichte, sondern auch das Erzählte ankommt, stehen auch Präsentationstechniken auf dem Programm: Vor Kamera und Publikum müssen finanzielle Informationen zielgruppengerecht «knackig», aber seriös präsentiert werden. Die Dozierenden stammen aus der Hochschule, TREUHAND|SUISSE bzw. den Instituten und Mitgliedsunternehmen des Verbands. Sie vereinen Theorie und Praxis und sind alle praktisch und didaktisch versiert.

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Wie sind die Erfahrungen?

Die aktuelle Evaluierung zeigt die überdurchschnittliche Zufriedenheit der Studierenden, die sämtlich berufsbegleitend studieren. Wenn also das fachliche Niveau und die Praxisnähe des Angebots gelobt werden, hat das ein besonderes Gewicht. Auch die Dozierenden sind sehr angetan: «Die Studierenden sind interessiert, vorbereitet und vor allem neugierig! Da macht unser Beruf richtig Freude», so Prof. Dr. Tobias Hüttche, Leiter der Studienrichtung und Dozent. Auch unter den aktuellen Corona-bedingten Einschränkungen ist das Lern- und Lehrklima sehr gut. Über Webex, Zoom und Whatsapp halten Studierende und Dozierende Kontakt.

Wie geht es weiter?

Die Studierenden schliessen das kommende Semester mit ihrer Bachelorarbeit ab. Dabei geht es um praktisch relevante Fragestellungen, die wissenschaftlich fundiert gelöst werden müssen. Theorie und Praxis müssen hier vereint werden, um eine Lösung zu entwickeln, die fachlich trägt, aber auch «verkauft» werden kann. Hier zeigt sich die Stärke der Kooperation: «Für TREUHAND|SUISSE und die Mitgliedsunternehmen des Verbands ist das eine glänzende Gelegenheit, um Themen ausserhalb des Tagesgeschäfts zu adressieren und gleichzeitig qualifizierten Nachwuchs zu rekrutieren», so Marc Bräutigam, Leiter des Instituts Treuhand und Recht von TREUHAND|SUISSE.

Der Bogen kann hier weit gespannt werden, von der Analyse der Geschäftsprozesse und Potenzialen im eigenen Treuhandunternehmen oder bei Kunden über sämtliche Fragen der Digitalisierung oder Aufbau und Positionierung neuer Beratungsfelder wie beispielsweise der Unternehmensbewertung. Selbstverständlich können auch Gestaltungsfragen wie Verrechnungspreise, Rechtsformwahl oder Nachfolgeregelungen so weit aufbereitet werden, dass informierte Entscheidungen getroffen werden können. Die Bachelorarbeiten werden durch ein Tandem betreut, d.h. jeweils durch Mitarbeitende der FHNW und des Auftraggebers, und sind vertraulich.

Weitere Informationen

Die Studienrichtung «Treuhand und Consulting» ist aus einer Zusammenarbeit von FHNW und TREUHAND|SUISSE entstanden, mit dem Ziel, Studierenden, die ihre berufliche Zukunft in der Treuhandbranche sehen, eine anwendungsbezogene Studienrichtung anzubieten. Es soll aber kein Projekt von Hochschule und Verband bleiben, sondern ein Ökosystem der Branche werden, in dem sich Studierende und Treuhandunternehmen begegnen, die Praxis an die Hochschule, aber auch die Theorie in die Unternehmen kommt. Insofern ist dieser Beitrag auch eine Aufforderung, das neu geschaffene Gefäss zu nutzen: als eine Ausbildung mit Perspektive für eigene Mitarbeitende, als Talentschuppen für Nachwuchs, Ideenschmiede für neue Projekte oder auch die Möglichkeit, die eigenen Erfahrungen zurück an die Hochschule zu bringen. Theorie und Praxis sind in der neuen Studienrichtung «Treuhand und Consulting» kein Gegensatz, sondern Konzept; denn wie hat Kurt Lewin gesagt: «Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie.»

Ganzer Artikel auf Deutsch und Französisch (PDF)

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