Skip to main content

13.10.2021 | Hochschule für Wirtschaft

Studierendenprojekte aus Sicht einer Praxispartnerin

Projektpartnerschaften mit Unternehmen und Organisationen sind wesentlicher Bestandteil der Ausbildung unserer Studierenden. Lucia Lanz, Geschäftsführerin der Stiftung Satis, gibt Einblicke aus der Zusammenarbeit zwischen Studierenden und Praxispartner.

Die Hochschule für Wirtschaft FHNW versteht sich seit jeher als praxisorientierte Ausbildungsstätte künftiger Verantwortungsträger in Wirtschaft und Gesellschaft. Eine enge Zusammenarbeit mit Unternehmen und Organisationen ist hierfür zentral. Ein wichtiges Instrument stellen dabei unsere jährlich über 350 Studierendenprojekte dar. Im Rahmen solcher begleiteten Projektarbeiten lösen Studierende unterschiedlichster Fachrichtung konkrete Aufgabenstellungen des jeweiligen Praxispartners. Eine solche Partnerin ist die Stiftung Satis. Diese bietet in ihren Einrichtungen Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen ein passendes Umfeld sowie einen Beschäftigungsplatz. Die Stiftung produziert dabei Qualitätsprodukte mit starkem Umweltbezug.

In Zusammenarbeit mit Studierenden der Hochschule für Wirtschaft FHNW brachte die Stiftung im vergangenen Jahr die Produktlinie «Vogelwelt» auf den Markt. Die Studierenden unterstützten die Stiftung im Rahmen eines Praxisprojekts bei der Konzeption sowie Umsetzung eines Marketingkonzepts für hochwertig produzierte Futterstellen sowie Nistkästen.

Es ist dies bereits die dritte Zusammenarbeit zwischen Stiftung und Studierenden der Hochschule für Wirtschaft. Für die Studierenden wie auch die Stiftung eine überaus spannende und lehrreiche Erfahrung. Im Interview gab uns die Geschäftsführerin der Stiftung, Lucia Lanz, interessante Einblicke in das Projekt.

Lucia Lanz_0.jpg

Lucia Lanz, Geschäftsführerin Stiftung Satis

Frau Lanz, wie kam die Zusammenarbeit bei diesem Projekt mit den Studierenden der FHNW zustande?

Die FHNW kontaktiert die Stiftung Satis regelmässig mit spannenden Projektanfragen, welche im Rahmen einer Bachelor- oder Projektarbeit bearbeitet werden können. Wir blicken dabei schon auf zwei andere erfolgreiche Zusammenarbeiten zurück. Daher fiel uns die Entscheidung leicht, auch dieses Projekt gemeinsam zu bearbeiten.

Wie konnten die Studierenden der FHNW Sie bei diesem Projekt unterstützen?

Beim aktuellen Projekt ging es um das effektive Branding sowie das Erstellen eines Marketingkonzepts für die «MeisenBOX». Die Studierenden unterstützten uns dabei mit ihren Fachkenntnissen durch eine umfassende Markanalyse. Mittels umfassender Recherche sowie aufschlussreichen Umfragen ermittelten die Studierenden die Nachfrage und das bereits bestehende Angebot sowie die entsprechende Konkurrenz. Dadurch unterstützten Sie uns bei der Preisgestaltung sowie der Findung von Vertriebskanälen.

Und umgekehrt: Welche Unterstützung konnten Sie den Studierenden der FHNW bei diesem Projekt bieten?

Wir konnten den Studierenden eine echte Plattform geben, indem sie bei diesem spezifischen Projekt Erfahrungen sammeln und ihre theoretischen Kenntnisse in der Praxis anwenden konnten.

Dabei vermochten wir den Studierenden die realen Rahmenbedingungen und Möglichkeiten einer Unternehmung nahezubringen. Weiter bot der regelmässige Austausch mit der Geschäftsleitung die Erfahrung, die Bedürfnisse der Auftraggeberin abzuholen. Das Erleben des Zusammenspiels im Findungsprozess von fachlichen Inputs seitens der Studierenden und den Vorstellungen oder Vorgaben der Stiftung liess sie eine echte Berufssituation erfahren.

Die Pick-BAR Kamera im Einsatz

Wie entstand die Idee von Futterstellen und Nistplätzen für Vögel?

Unser Brand «Satura. Gestaltet für Mensch und Natur.» zielt darauf ab, den Menschen beglückende Naturerlebnisse zu bieten. Unsere Futterstellen und Nistplätze für Vögel ermöglichen es somit jedem Haushalt, mit einem direkten Webkamerazugang diesen Momenten beiwohnen zu können.

Der doppelte Nutzen, Naturerlebnisse zu ermöglichen und gleichzeitig eine soziale Verantwortung wahrnehmen zu können, richtet sich an eine/n zeitgemässe/n Kunden/in, da durch den Kauf betreute Arbeitsplätze für psychisch beeinträchtigte Menschen gesichert werden.

Was waren die grössten Herausforderungen des Projekts?

Während des gesamten Projektverlaufs war die zeitliche Inanspruchnahme auf beiden Seiten eine der zentralen Herausforderungen. Auf Seiten der Studierenden war es zudem sicherlich der Kampf mit der Rollenfindung und dem Zeitmanagement und auf unserer Seite war es die regelmässige Reservation von nicht unerheblichen Zeitfenstern bei gleichzeitig laufendem Tagesgeschäft.

Inwiefern waren Sie selbst in diesem Projekt involviert?

Die Entwicklung der Produktebrands war strategischen Charakters. Das Projekt war dementsprechend auf oberster Ebene angesiedelt und somit ich sowie ein weiteres Mitglied der Geschäftsleitung fester Teil der Arbeitsgruppe.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit den Studierenden der FHNW wahrgenommen?

Die Zusammenarbeit war überaus angenehm. Die Studierenden waren sehr interessiert. Würden wir über die entsprechenden Möglichkeiten verfügen, hätte ich mir gut vorstellen können, solche jungen Leute gleich bei uns anzustellen. Auch die Zusammenarbeit mit den Betreuungspersonen der Hochschule für Wirtschaft sowie deren Unterstützung der Studierenden fand ich überaus toll.

Pickbar Kamera.jpeg

Modell "Pick-BAR"

Welche Reaktionen auf die neuen Produkte haben Sie bisher erhalten?

Bisher haben wir ausschliesslich positive Reaktionen erhalten – sei dies in Form des Ausdrucks von Zufriedenheit oder aber auch mit hilfreichen Feedbacks.

So konnten wir beispielsweise anhand der Rückmeldung einer eher weniger technisch affinen Person die Gebrauchsanweisung für die Installation der Kamera optimieren.

Welche Produkte / Projekte sind als nächstes geplant?

Als Erweiterung der Produktepalette der Brand kommt die IgelBOX auf den Markt. Diese bietet Igeln eine artgerechte und sichere Winterunterkunft. Die IgelBOX wird ebenfalls in den geschützten Arbeitsplätzen hergestellt und überzeugt ebenfalls wertiger, ansprechender Designsprache. Auch hier lässt sich die Kamera einsetzen und lässt den Käufer oder die Käuferin am bisher geheimen Igel-Leben teilhaben.

Ihre Stiftung bietet Menschen mit psychischer Beeinträchtigung nebst Wohnort auch einen geschützten Tagesstruktur- oder Beschäftigungsplatz. Wie funktioniert die Arbeitszuteilung sowie die Gewährleistung eines «sicheren» Arbeitsumfeldes?

Die Klientinnen und Klienten, welche in der Stiftung Satis leben, entscheiden sich freiwillig für einen Aufenthalt bei uns. Bei einer Anfrage prüfen wir, ob wir dem Bedarf der Person gerecht werden können. Eine sinnvolle Tagesstruktur ist sehr wichtig und wir bieten eine breite Palette von Beschäftigung an. Der oder die Interessierte entscheidet, welches Angebot in Frage kommt. Ebenso wird ein Arbeitspensum abgesprochen. Die Arbeitsplätze sind nach arbeitsagogischen Grundsätzen sowie nach den Richtlinien von Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz eingerichtet. Sie werden auch regelmässig von der SUVA überprüft.

Meisenbox.jpg

Model "MeisenBOX"

Welche Rolle spielt der Nachhaltigkeitsgedanke bei den Produkten Ihrer Stiftung?

Dies ist ein zentraler Punkt, da unsere Vision diese Glaubwürdigkeit im Produkt verlangt. Unser Anspruch ist, alle unsere Produkte mit nachhaltigen Materialien herzustellen. Deshalb wird kein Plastik verwendet, sondern Holz, Metall und Leder. Die Materialien beziehen wir aus der Region. Selbst beim Verpackungsmaterial setzen wir den Gedanken von Ökologie und Nachhaltigkeit konsequent um.
Wir mussten jedoch Kompromisse bei der Kombination von unseren Produkten mit digitalen Komponenten, wie beispielsweise der «MeisenBOX» mit integrierter Webkamera, eingehen. Um dies zu kompensieren, haben wir weitere Produkte entwickelt, damit die Kamera vielfältig eingesetzt werden kann. Die Kamera kann ebenso an der «Pick-BAR» für Vögel eingesetzt werden. Der Kunde, die Kundin kann so mehrere Welten übers ganze Jahr mit demselben Gerät erleben.

Ihre Produkte sind eher im oberen Preissegment angesiedelt. Welche Überlegungen liegen dieser Marktstrategie zugrunde?

Der ursprüngliche Gedanken war, dass man nicht nur mehr Produkte herstellen wollte, welche die Menschen einzig zur Unterstützung unserer Stiftung kaufen. Die Produkte sollten hochwertig sein und einen echten Mehrwert bieten. Mit der beschränkten Anzahl an Beschäftigungsplätzen können wird jedoch keine grossen Massen produzieren. Daher müssen wir Nischenprodukte herstellen. So war es wichtig für uns, ein einzigartiges Produktdesign mit hohem Anspruch an Ästhetik, nachhaltigen Materialien sowie einer hochwertigen Verarbeitung zu entwickeln. Gerade die digitalen Komponenten sollen dabei eine jüngere, Zielgruppe ansprechen. Diese zeichnet sich mehrheitlich durch die Bereitschaft zu indirekten Spenden aus. So sollen die Produkte nebst dem Social Impact auch einen persönlichen Mehrwert liefern.

Weitere Informationen

Webseite Studierendenprojekte

Webseite Stiftung Satis

Diese Seite teilen: