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30.06.2020 | Hochschule für Angewandte Psychologie

Palliative Care in der Schweiz optimieren

Mit ihrem Team erforschte Brigitte Liebig, Dozentin an der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW, Fragen zur Kooperation und Vernetzung in der Palliativversorgung der Schweiz. Die Ergebnisse zeigen, dass es noch Optimierungsbedarf gibt.

Unheilbar kranken Menschen bis zum Lebensende eine möglichst gute Lebensqualität ermöglichen – dies ist das Ziel von Palliative Care. Im Idealfall arbeiten dafür Fachpersonen aus unterschiedlichen Gesundheits- und Sozialberufen zusammen in einem Palliative-Care-Netzwerk und tauschen sich aus, um die Patientinnen und Patienten möglichst gut zu unterstützen.

Die breit angelegte Studie der Hochschule für Angewandte Psychologie der Fachhochschule Nordwestschweiz wurde im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms 74 «Gesundheitsversorgung» durchgeführt. Die Forscherinnen untersuchten über drei Jahre, wie es um die Zusammenarbeit in der Palliativversorgung in der Schweiz bestellt ist. Aus den Ergebnissen leitete das Team unter der Leitung von Brigitte Liebig Empfehlungen auf verschiedenen Ebenen ab.

Über 1000 Fachpersonen aus der Palliativversorgung befragt

Für die Studie wurden Fachpersonen aus allen Bereichen der allgemeinen und spezialisierten Palliativversorgung befragt. Hausärzte, Mitarbeitende der Spitex, der Spitäler, aus Mobilen Palliative Care-Teams, aus Hospizen bis hin zu Seelsorgenden erhielten Gelegenheit, sich zu zentralen Aspekten im Versorgungsprozess zu äussern. Ergänzt wurde die Erhebung durch vierzig Interviews mit Fachpersonen aus der Palliativversorgung sowie 26 Angehörigen von Patienten bzw. Patientinnen.

«Insgesamt hat die Schweiz in der Palliativversorgung erhebliche Fortschritte gemacht. Aber es gibt immer noch viele Ansatzpunkte für Verbesserungen. Aktuell ist die Versorgung in jedem Kanton unterschiedlich organisiert. Das erschwert die Bildung von regionalen Netzwerken und beeinträchtigt die Qualität der Versorgung. Unsere Empfehlungen enthalten eine ganze Reihe von Hinweisen, wie die Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen in diesem Feld verbessert werden kann. Wenn auch nur ein Teil davon umgesetzt wird, können Patientinnen, Patienten, Angehörige und Mitarbeitende in der Palliativ Care gestärkt werden», fasst Brigitte Liebig die Ergebnisse der Studie zusammen.

Empfehlungen für eine optimierte Versorgung auf verschiedenen Ebenen

Die Empfehlungen der Studie machen deutlich, wo der Optimierungsbedarf in der Schweizer Palliativversorgung liegt. Dabei setzen die Autorinnen der Studie auf drei Ebenen an: Empfehlungen für die Politik, für die Aus- und Weiterbildung und für den beruflichen Alltag.

Empfehlungen für Bund und Kantone

Die Empfehlungen für Bund und Kantone schliessen eine grundsätzliche Verbesserung der Finanzierung von Versorgungsleistungen einschliesslich Ressourcen für jene Aktivitäten ein, die für eine gute Zusammenarbeit im Feld unverzichtbar sind. Überdies müsse die Vernetzung in der Palliativversorgung über Kantonsgrenzen und Versorgungsbereiche hinweg gestärkt werden.

Aus- und Weiterbildung von Palliative Care Fachkräften

Zur Unterstützung im anspruchsvollen beruflichen Alltag der Palliativversorgung schlagen die Autorinnen unter anderem berufsübergreifende Gesprächsgruppen bzw. «Interprofessionelle Qualitätszirkel» als Teil der beruflichen Weiterbildung vor. In diesen Gruppen können Hausärzte, Gesundheitsfachleute aller Art sowie unterstützende Dienste (z.B. psychosoziale Berufe und Seelsorge) regelmässig ihre Erfahrungen austauschen. Ein Konzept zur Durchführung der Qualitätszirkel einschliesslich Fallbeispielen wurde im Rahmen des Projektes in enger Zusammenarbeit mit Hausärzten entwickelt.

Empfehlungen für den Berufsalltag

Die Rolle der Pflegefachkräfte in ihrer Koordinationsfunktion zu stärken und Hausärzte besser in Palliative Care-Netzwerke einzubeziehen, bilden weitere Empfehlungen der Studie. In der allgemeinen Versorgung erscheint zudem eine stärkere Zusammenarbeit mit Angehörigen «auf Augenhöhe» zentral. Auch Entwicklungen im Umgang mit digitaler Kommunikation und nicht zuletzt «kooperative Mindsets» erscheinen den Autorinnen unverzichtbar, wenn der Austausch im beruflichen Alltag gefördert werden soll.

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