Offene Kinder- und Jugendarbeit in der Digitalität: Neue Publikation
Hybride Lebenswelten sind für Jugendliche ganz natürlich: Physische und digitale Welt verzahnen sich bei ihnen nahtlos. Für Fachpersonen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit ist das häufig eine Herausforderung. Eine neue Broschüre bietet Praxisimpulse.
«Digitale Medien sind heute im Alltag aller Jugendlichen tief verankert. Sie nutzen sie intensiv für die Beziehungsgestaltung, Information und Unterhaltung. Dabei brauchen sie eine verständnisvolle Begleitung – auch von Fachpersonen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit», sagt Prof. Dr. Olivier Steiner vom Institut Kinder- und Jugendhilfe der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW. Gemeinsam mit seinem Team, Praxispartnern und Jugendlichen hat er von 2021 bis 2025 ein Aktionsforschungsprojekt durchgeführt, das die mediatisierten Lebenswelten der Jugendlichen untersucht hat. Aus diesen Erkenntnissen entstand die Broschüre «Praxisimpulse Offene Kinder- und Jugendarbeit in der Digitalität», die die Hochschule für Soziale Arbeit FHNW, der Verein Jugendarbeit digital und der Dachverband Offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz (DOJ) am 19. Januar gemeinsam veröffentlichen. Die Broschüre erscheint sowohl in deutscher als auch in französischer Sprache.
Digitalität als Querschnittsaufgabe
Ein zentrales Ergebnis aus dem Projekt ist die Erkenntnis, dass Digitalität in der Jugendarbeit nicht mehr als isoliertes Projekt oder reines Werkzeug betrachtet werden kann. Sie ist vielmehr eine Art Querschnittsdimension, die hybride Konzepte auch in der pädagogischen Arbeit als Normalität verankert. Rafael Freuler von Jugendarbeit.digital: «In der hybriden Jugendarbeit wird nicht mehr zwischen analoger und digitaler Kommunikation unterschieden. Im Fokus steht die Beziehungsgestaltung zu Jugendlichen in unterschiedlichen Formen von Öffentlichkeit und Privatheit. Dadurch ergeben sich neue Möglichkeiten, mit Jugendlichen auf Augenhöhe eine Kultur konstruktiver digitaler Kommunikation auszuhandeln oder gar eigene (digitale) Räume zu schaffen.»
Orientierung für die Praxisentwicklung
Die Praxisbroschüre bietet eine fachliche Positionsbestimmung und analysiert, wie sich bewährte Grundprinzipien der OKJA, etwa Lebensweltorientierung, Offenheit oder Freiwilligkeit, unter dem Einfluss der Digitalität neu justieren lassen. Dabei werden nicht nur Elemente innerhalb der Kinder- und Jugendarbeit unter die Lupe genommen, sondern auch gesellschaftliche Faktoren. Sehr anschaulich werden daraus konkrete Folgerungen für die Beziehungsarbeit, das Rollenverständnis und für die Anpassung bestehender Konzepte abgeleitet.
Unterstützung zur Selbstreflexion
Ziel der Herausgeber ist es, Fachpersonen und Trägerschaften der Offenen Kinder- und Jugendarbeit dabei zu unterstützen, fachlich fundierte Antworten für die eigene Praxis zu finden. «Die Broschüre unterstützt Fachpersonen dabei, sich im komplexen Geflecht von On- und Offline-Beziehungsgestaltung zu orientieren. ‘Welche Rollen haben wir inne? Was gilt es bei der Online-Kommunikation zu beachten? Sollen wir ein Einrichtungs-Smartphone anschaffen?’», führt Olivier Steiner aus. Eine Fülle spezifischer Reflexionsfragen soll den Teams dabei helfen, ihre eigene Haltung zur Digitalität zu klären und ihre Angebote so weiterzuentwickeln, dass sie auf Augenhöhe mit den hybriden Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen gelangen.
Zwei Broschüren zum Erscheinungstermin 19. Januar 2026
Die Broschüre «Praxisimpulse Offene Kinder- und Jugendarbeit in der Digitalität» erscheint am 19. Januar 2026. Zeitgleich mit der Praxisbroschüre wird auch eine wissenschaftliche Publikation veröffentlicht, die die Ergebnisse des Aktionsforschungsprojekts «e_space» in einem stärker wissenschaftsbasierten Rahmen evaluiert.
Link auf Webseite
Die Praxisbroschüre steht in beiden Sprachen zum Download auf der Webseite des Dachverbands Offene Kinder- und Jugendarbeit bereit.
Über den Dachverband Offene Kinder- und Jugendarbeit
Der Dachverband Offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz DOJ/AFAJ setzt sich in Zusammenarbeit mit seinen Mitgliedern und Partnerorganisationen für die Weiterentwicklung, Professionalisierung und Etablierung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in der Schweiz ein. Der Verband ist auch in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz präsent. Er vereint 18 kantonale und regionale Verbände, welche etwa 1 200 Fachstellen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit vertreten.
Über den Verein Jugendarbeit digital
Jugendarbeit.digital ist ein unabhängiger Verein, der von mehr als 100 Jugendfachstellen in der Schweiz und Deutschland getragen wird. Der Verein entwickelt seit 2015 Konzepte und Software für digitale Jugendarbeit. Zentrale Produkte sind die Jugendapp für individuell gestaltbare digitale Jugendbeteiligung sowie die Plattform Smalljobs für die sichere Vermittlung von Mini-Jobs an Jugendliche.



