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05.05.2020 | Hochschule für Soziale Arbeit, Studienzentrum

«Dozieren wie an einem Filmset» während der Corona-Zeit

Stephan Kösel leitet an der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW ein Weiterbildungsangebot. Dieses mussten er und sein Team aufgrund der Weisungen vom Bund innerhalb kürzester Zeit auf Onlineunterricht umstellen. Welche Herausforderungen und unerwartete Situationen sie im neuen digitalen Setting bereits erlebt haben, erzählt Kösel im folgenden Text.

Die Umstellung vom Präsenz- auf Onlineunterricht bedeutete für uns viel Arbeit in kurzer Zeit. Aber es hat sich gelohnt. Dank des Engagements der Weiterbildungsadministration und der Dozierenden sowie ihrer Bereitschaft, flexibel auf kleine Terminanpassungen einzugehen, können alle 58 Teilnehmenden den Basiskurs und das darauf aufbauende CAS-Programm «Praxisausbildende in der Sozialen Arbeit» an beiden Standorten in Olten und Muttenz wie geplant im September 2020 abschliessen.

Flexible Teilnahme am Unterricht wird möglich

Die Inhalte der einzelnen Module sind gleichgeblieben. Allerdings mussten wir sie neu aufteilen und aufbereiten. So haben wir zum Beispiel die Aufteilung von Selbststudium, dessen Begleitung und Online-Präsenzzeit neu aufeinander abgestimmt. Es hat sich bewährt, die jeweils zweitägigen Pflicht- und Wahlmodule so aufzuteilen, dass der erste Tag zum begleiteten Selbststudium, der zweite Tag zur Vertiefung und Verarbeitung der Inhalte im Plenum dient. Dieser zweite Online-Präsenztag kann dafür bis zu zehn Stunden dauern.

«Einige Bausteine eines Moduls bieten wir am Online-Präsenztag zwei Mal an. So haben alle Teilnehmenden die Möglichkeit, trotz ihrer komplizierter gewordenen Alltags- und Arbeitssituation (wie zum Beispiel Homeschooling) am Unterricht teilzunehmen.»

Prof. Dr. Stephan Kösel, Leitung Basiskurs und Certificate of Advanced Studies CAS-Programm «Praxisausbildende in der Sozialen Arbeit»

Es war eine der grössten Herausforderungen, die komplexen Themenbereiche eines Moduls in sinnvolle Bausteine zu unterteilen, damit sie am Online-Präsenztag zeitversetzt und zum Teil zwei Mal angeboten werden können. Auf diese Weise haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, trotz ihrer ebenfalls komplizierter gewordenen Alltags- und Arbeitssituation (wie zum Beispiel Homeschooling der eigenen Kinder) am Unterricht teilzunehmen.

Zwei Wochen vor dem Online-Präsenztag werden alle Unterlagen und Aufgaben auf der Onlineplattform OLAT bereitgestellt, damit sich die Teilnehmenden im Selbststudium vorbereiten können. Das hat mehrere Vorteile. Zum einen können wir vor der Online-Präsenzzeit in extra eingerichteten Foren auf OLAT individuelle Fragen der Teilnehmenden kommentieren. Zum anderen haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, die Unterlagen in ihrem eigenen Tempo zu bearbeiten und vorzubereiten.

«Ich war sehr kritisch gegenüber dem Wechsel zum Onlineunterricht, wurde jedoch positiv überrascht. Vorab wurde klar kommuniziert, was wir bis wann zu tun haben und wie der Unterricht stattfinden wird. Diese Unterrichtsform finde ich angenehm, da durch das Selbststudium und die Online-Sprechstunden der Unterricht abwechslungsreich gestaltet ist.»

Daniela Leuenberger, Teilnehmerin Basiskurs und CAS-Programm «Praxisausbildende in der Sozialen Arbeit»

Audio- und Videoaufnahmen gehören dazu

Bevor das ganze Unterrichtsmaterial auf OLAT hochgeladen wird, ergänzen wir die bestehenden Unterlagen und Präsentationen mit schriftlichen Kommentaren oder mit Audio-/Video-Vertonungen. So haben die Teilnehmenden auch alle mündlichen Zusatzinformationen, die sie sonst im Präsenzunterricht von den Dozierenden erhalten würden. Die Video- und Audioaufnahmen sind natürlich sehr zeitaufwendig und erinnern zuweilen an manches Filmset, bei dem eine Szene fünf Mal wiederholt werden muss, bevor sie im Kasten ist. Und sei es nur, weil zum Beispiel das private Hintergrundbild vergessen wurde zu entfernen…

Die erstaunlicherweise geringste Herausforderung sind die aus «früheren Zeiten» bekannten technischen Hürden, wie der Zugang und die Übertragungsqualität von Videokonferenzen. Solche Schwierigkeiten treten kaum auf, da wahrscheinlich mittlerweile viele Personen bereits Erfahrungen mit Home-Office gemacht haben.

Neue Tools bereichern den Unterricht

Für uns völlig unerwartet, obwohl eigentlich selbstverständlich, wurde deutlich, dass der Online-Präsenzunterricht die bisherige Kommunikation zwischen Dozierenden und Weiterbildungsteilnehmenden verändert. Neue Kommunikationskanäle, wie die Chatfunktion, bereichern den Onlineunterricht eindeutig. Dies nehmen wir sicher als Nutzen und Potenzial für die Zukunft mit.

«Ich fand die Online-Sprechstunden super. Dozent und Weiterbildungsteilnehmende sind irgendwie gleich, keiner steht vorne auf dem Podium. Zugleich lernt man jemanden ganz anders kennen, wenn man nur online kommunizieren kann. Obwohl doch etliche Personen jeweils live dabei waren, empfand ich es als angenehm, da auch die Möglichkeit vorhanden war, parallel zum Gespräch Fragen via Chat zu stellen, die dann vom Dozierenden in den Austausch eingebunden wurden.»

Mathias Reusser, Teilnehmer Basiskurs und CAS-Programm «Praxisausbildende in der Sozialen Arbeit»

Nun bleibt abzuwarten, was mit Modulen passiert, die thematisch-ursächlich auf einer direkten, verstärkt nonverbalen oder gar emotionalisierenden Kommunikation basieren, wie etwa «Kollegiale Beratung» oder «Kommunikation in und über Krisen». Diese Module haben wir optimistisch auf Anfang September verschoben. Vielleicht müssen wir aber auch da gegebenenfalls neue Wege suchen und einschlagen. Ermuntert, dies dann zu tun, sind wir auf jeden Fall durch die positiven Rückmeldungen der Teilnehmenden:

«Zwar fehlt der direkte Austausch mit den anderen Praxisausbildenden, so wird aber die eigene Lernregulation herausgefordert und dadurch entstehen dann unter anderem auch Bildungsprozesse!»

«Ich bin froh, läuft der Kurs weiter, sodass ein Abschluss im Herbst möglich sein sollte. Danke dem Team!»

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