colloqium48 - Clemens K. Thomas
Die künstlerisch-wissenschaftliche Dissertation untersucht das gegenwartsästhetische Phänomen der Cuteness als kompositorische Strategie in der OperDollhouse (UA: Staatsoper Hamburg, November 2024) und führt damit Cuteness erstmals als ästhetische Kategorie in den musik-praktischen und -wissenschaftlichen Diskurs ein.Als gegenwartsästhetische Phänomen verstanden, ist Cuteness mehr als eine Äußerlichkeit. Der Anglizismus geht über das deutsche Wort Niedlichkeit hinaus und artikuliert eine Zugehörigkeit zu einer subversiven Jugend- und Popkultur, die – als Haltung – eine Ästhetik des Spiels, der Behaglichkeit, der kommunizierten Nähe und der Zugewandtheit ist. Vor allem aufgrund ihrer ästhetischen Ambivalenzen eignet sie sich für musiktheatrale Spannung und ein gegenwärtiges Erzählen, das sich durch ein Oszillieren zwischen Dichotomien auszeichnet. Die Arbeit argumentiert, dass Cuteness tradierte Ordnungen (high/low, Ernst/Spiel, harmlos/gewalttätig) überwinden kann und einen Raum für „beseelte Beziehungen“ (Kinship im Sinne Donna Haraways) schaffen kann.Auf dieser Grundlage wirdDollhouse als Prototyp von cuter Oper vorgestellt, die als spielerisches, medienhybrides Musiktheater definiert wird und Strategien der Cuteness nutzt, um mittels post-ironischer und zugewandter Erzählweise ambivalente Nähe zu erzeugen. Eine detaillierte Werkanalyse reflektiert gender-bezogene Implikationen von Cuteness, benennt Merkmale der (Hyper-)Pop- und Social Media-Cuteness, untersucht die Polyvalenzen der Cuteness (clumsy-cute,creepy-cute, harmlos cute) und vertieft sich inMachine Cuteness, sowieCute Animal Media. Als künstlerische Forschung angelegt, nutzt die Arbeit die eigens entwickelte „Frederick-Methode“, um Inspirationsquellen offenzulegen, diese in den Cute Studies zu kontextualisieren und narrativ zu entfalten. Die konkrete kompositorische Umsetzung und die musikdramaturgische Anlage wird als gezielte Strategie decodiert, um die Ambivalenzen der Cuteness musiktheatral nutzbar zu machen und so mediale und alltägliche Gegenwart auf der traditionsreichen Opernbühne sinnlich erfahrbar zu machen.
Als Komponist und Kurator erzählt Clemens K. Thomas Geschichten und verhandelt drängende Fragen unserer Zeit. Wiederkehrende Motive in seinen Werken ist die Beschäftigung mit Cuteness und die Verarbeitung unseres medialen Alltag. In der Spielzeit 25/26 tourt das als ECHO „Rising Stars“ ausgezeichnete Trio Concept mit seinem Auftragswerk „Save Pepe“ – einer kompositorischen Auseinandersetzung mit rechter Meme-Kultur – durch die europäischen Konzerthäuser. 2024 wurde an der Staatsoper Hamburg „Dollhouse – eine cute Oper“ uraufgeführt, als Teil seiner künstlerisch-wissenschaftlichen Promotion „Eine cute Oper“ (HfMT Hamburg).
Datum und Zeit
14.4.2026, 19:00–20:30 Uhr iCal
Ort
Campus Musik-Akademie Basel, Zi 6-301, Leonhardsstrasse 6, CH-4051 Basel
Veranstaltet durch
Hochschule für Musik Basel, Klassik
