Der Körper im Blick der Älteren. Fragilität und körperliche Befindlichkeit im Alter
Das Projekt untersucht das Wahrnehmen, Empfinden und Erleben des Älterwerdens. Im Fokus steht dabei die Hochaltrigkeit und damit zusammenhängend die zunehmende Fragilität des Körpers. Dazu wurden ältere Menschen befragt.
Die Zahl alter Menschen im öffentlichen Raum nimmt zu, denn mit dem demografischen Wandel wird das Alter verstärkt sichtbar. Das Alter vom Körper her zu denken, scheint uns selbstverständlich. Die Anzeichen des Alters zeigen sich für uns selbst wie für unsere Mitmenschen an der Aussenseite des Körpers. Sie erschöpfen sich darin jedoch nicht, denn der Körper ist nicht bloss Hülle. Zu ihm gehört auch ein Inneres, welches sich – ausser vermittelt durch technische Verfahren – anderen kaum erschliesst.
In dem Projekt geht es um das Wahrnehmen, Empfinden und Erleben des eigenen hochaltrigen und fragil werdenden Körpers, bzw. um die individuellen Handlungen und subjektiven Haltungen im und zum sog. Vierten Alter. Konkret wird untersucht, wie sich die Wahrnehmung und die Veränderung des eigenen Körpers auf das subjektive (Selbst-)Sorge-Verständnis und (Selbst-)Sorge-Verhalten hochaltriger Menschen bei einsetzender körperlicher Fragilität auswirken. Wie erleben und gestalten Menschen ihr Handeln im hohen Alter?
Es wurden insgesamt 25 Personen – 14 Frauen und 11 Männer – im Alter von 73 bis 95 Jahren in der qualitativ angelegten Untersuchung befragt. In ausführlichen Gesprächen gaben sie Einblick in ihre Sichtweisen und Vorstellungen. Die im Rahmen der Untersuchung gewonnenen Ergebnisse gründen in der Analyse der in diesen Interviews generierten Daten.
Insgesamt macht die Auswertung der Interviewdaten deutlich, dass viele der gängigen Unterscheidungen und Konzepte in der Altersforschung und auch in der Sozialen Altersarbeit, wie etwa jenes vom aktiven jungen Alter («drittes Alter») und vom abhängigen, einsamen hohen Alter («viertes Alter») meist sehr kurz greifen und in ihrer schematisierenden Handhabung den Blick auf das Alter verstellen können.
Die befragten Personen geben anhand ihres fragiler werdenden Körpers Einblick in ein Verständnis des Alters, welches weder einseitig defizitäre noch positive Altersbilder reproduziert. Ihre Sichtweisen widerspiegeln vielmehr eine Komplexität, in die unterschiedliche Faktoren wie soziale Stellung, kultureller Hintergrund oder das nahende Lebensende einfliessen. Zwischen aktiver Lebenslust und pragmatischem, schicksalhaftem Erwarten verweisen die Ergebnisse auf die vielfältigen Formen und Ausprägungen sozialer Realität und machen deutlich, wie Menschen im Alter ihre Kompetenzen und Handlungsmöglichkeiten erweitern und stärken.

