International Lernen mit ChallengeEU: FHNW-Studentin am BIP in Lissabon
Im vergangenen Sommer nahm die Studentin Zoë von Frankenberg von der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW am Blended Intensive Programme (BIP) «Promotion of Diversity, Inclusion and Well-being Policies in Companies through Sports Practice» unserer ChallengeEU-Partneruniversität Universidade Europeia in Lissabon teil. Das BIP wurde als «Challenge-Based Learning» durchgeführt: Die Studierenden erhielten die Aufgabe, ein Programm für ein inklusives betriebliches Gesundheitsmanagement für ein portugiesisches Unternehmen zu entwickeln, das als Praxispartner involviert war. Unsere beiden FHNW-Student Ambassadors Marija Kosovljanovic und Marion Angsthelm haben Zoë gefragt, was sie aus der Woche in Lissabon mitgenommen hat.
Marija und Marion: Warum hast du dich für diese Woche entschieden?
Zoë: Mehrere Aspekte haben mein Interesse geweckt: Zunächst einmal hat mich der Titel selbst interessiert. Das Programm hiess «Promotion of diversity, inclusion and well-being policies in companies through sports practices». Besonders fasziniert hat mich die Kombination aus Sport und den Themen Diversität, Inklusion und Wohlbefinden. Ich wollte herausfinden, wie diese Bereiche miteinander verbunden werden können und wie ich meine psychologische Perspektive einbringen kann. Ich bin oft in Portugal und fand es spannend, das Land in einem universitären Kontext zu erleben.
War es so, wie du es dir vorgestellt hast? Was hat dich am meisten überrascht?
Es war nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt habe. Die Studierenden waren alle etwas jünger als an der FHNW. Das war unerwartet, hat mich aber nicht gestört. Am meisten überrascht hat mich, wie interdisziplinär das Projekt war. Obwohl es bereits im Titel stand, war ich erstaunt über die Vielfalt der Themen und wie anspruchsvoll es war, all das miteinander zu verbinden: von Diversität und Inklusion über Sport bis hin zu betriebswirtschaftlichen Aspekten.
Was hast du gelernt?
Ich habe so viel gelernt. Besonders beeindruckt hat mich die Erkenntnis, dass ich verschiedene Perspektiven aus meinem Psychologiestudium und meiner früheren Ausbildung in Wirtschaftswissenschaften miteinander verbinden konnte. Ich hatte Schwierigkeiten mit den Bereichen Sport und betriebliches Gesundheitsmanagement. Aber irgendwann ergab alles einen Sinn und fügte sich zusammen. Ich habe viel über Sportmanagement gelernt und wie man es mit anderen Disziplinen kombinieren kann. Diese Herausforderung hat mich angespornt, und am Ende waren wir stolz auf unser Projekt.
Was hast du am meisten geschätzt (Menschen, Orte, Lehrpersonen, Aktivitäten…)?
Ich habe es sehr geschätzt, wie gut alles organisiert war. Die Universidade Europeia hat grossartige Arbeit geleistet und ein tolles Programm für uns zusammengestellt. Wir hatten Zeit für eine umfassende Einarbeitung, erhielten Inputs aus verschiedenen Fachbereichen und gewannen spannende Einblicke von externen Experten, beispielsweise von einem Vertreter des Paralympischen Komitees in Portugal. Wir gingen sogar surfen und hatten Zeit für persönliche Gespräche mit Mitarbeitenden unseres Praxispartners Padaria Portuguesa sowie für eine Besichtigung ihrer Fabrik und ihres Logistikzentrums.
Kannst du ein oder zwei besonders eindrückliche Momente teilen?
Ein besonderer Moment für mich war das Surfen mit einer Organisation, die Menschen mit Behinderungen das Surfen ermöglicht. Als erfahrene Surferin konnte ich drei Männern mit Behinderungen dabei helfen, ihre ersten Wellen zu reiten. Ihnen eine Erfahrung zu ermöglichen, zu der sie allein keinen Zugang gehabt hätten, hat mich sehr berührt. Es hat mir die Philosophie der Selbstermächtigung auf eine neue Art und Weise vor Augen geführt und mich dazu inspiriert, so etwas in Zukunft wieder zu tun. Ein weiterer schöner Moment war der Aha-Moment kurz vor Ende des Projekts, als alles zusammenkam und Sinn ergab.
Hast du jemanden kennengelernt, der dich inspiriert hat?
Ja, auf jeden Fall. Das war Armanda Antunes, Professorin an der Universidade Europeia. Ich finde sie sehr inspirierend, weil ich sie als sehr zugänglich und reflektiert wahrgenommen habe. Ich finde sie als Frau in einer Führungsrolle beeindruckend.
Hast du kulturelle Unterschiede bemerkt?
Ich finde es sehr schwierig zu sagen, was der Unterschied in der Kultur ist und was einfach der Unterschied zwischen den Menschen an sich. Aber ich habe die portugiesische Kultur als stärker auf soziale Aspekte ausgerichtet erlebt. Und wieder einmal wird einem bewusst, wie wohlhabend die Schweiz ist.
Welche Fähigkeiten oder welches Wissen aus dieser Woche werden für dein zukünftiges Studium und deine Karriere nützlich sein?
Ich denke, das Erleben und echte Lernen von interdisziplinärem Denken auf verschiedenen Eben ist sehr wichtig für meine Zukunft. Ich habe gemerkt, dass der rein psychologische Blick einschränkend sein kann. Ein Unternehmen muss beispielsweise einfach wirtschaftlich rentabel sein. Natürlich wollen wir als Arbeits- und Organisationspsycholog*innen es so gestalten, dass sich die Menschen dabei so wohl wie möglich fühlen. Gerade im betrieblichen Gesundheitsmanagement und im Sportmanagement gibt es viele innovative Projekte. Die Frage ist aber: Wie können wir sie so gestalten, dass sie miteinander verknüpft sind und Sinn ergeben und dass sie am Ende auch wirtschaftlich rentabel sind?
Die unterschiedlichen Fragestellungen interdisziplinär zu verstehen, zu erleben und durchzudenken, wird mir helfen, zukünftige Projekte umzusetzen.
Ich habe auch gelernt, Unsicherheiten in solchen Projekten zu akzeptieren, dass sich die Dinge eine Zeit lang etwas unvollendet anfühlen können. Das bedeutet, nicht auf die erste Lösung zu springen, die sich bietet, sondern die Unklarheit auszuhalten, das Problem zu umkreisen und geduldig zu bleiben, bis sich der eigentliche rote Faden herauskristallisiert.
Ich möchte allen danken, die mir diese Erfahrung ermöglicht haben!
Würdest du anderen Studierenden empfehlen, an einem solchen BIP teilzunehmen? Welchen Rat würdest du ihnen geben?
Ich würde es auf jeden Fall empfehlen. Ich finde, es ist eine wertvolle Erfahrung, weil man wirklich einen kompletten Perspektivwechsel erleben und viel mitnehmen kann.
Ich würde Studierenden raten, vorbereitet zu sein. Die Universidade Europeia und die Praxispartner haben viel Arbeit investiert und ein super Programm auf die Beine gestellt. Alle profitieren davon, wenn man das Material durchliest und weiss, um was es geht.
Ausserdem denke ich, man sollte offen für neue Erfahrungen sein und auch die Motivation und Bereitschaft mitbringen, an sich zu arbeiten und zu lernen.




